Viele Infos beim Waldrundgang

Totholz für das Getier sehr wichtig

+
Förster Lothar Seipp sorgte für fachkundige Informationen rund um die Waldbewirtschaftung.

Babenhausen - Gut 2 000 Hektar Wald besitzt die Stadt mit ihren Stadtteilen und ist damit eine der waldreichsten Gemeinden in Hessen. Von Petra Grimm 

Bewirtschaftet wird dieses stattliche Naherholungsgebiet, das wegen der überwiegend sandigen Böden zu 85 Prozent von der Kiefer dominiert wird, vom Hessischen Forstamt in Dieburg, das alljährlich gemeinsam mit der Stadt zu einem informativen Rundgang einlädt. Das Thema Waldbewirtschaftung stand am Samstagvormittag im Mittelpunkt der zweistündigen Tour, an deren Start Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm rund 50 Teilnehmer und die DRK-Rettungshundestaffel begrüßte. Dass die Waldwirtschaft, die Hessen-Forst betreibt, eine nachhaltige und naturverträgliche ist, verdeutlichten Thomas Schmalenberg, Sachgebietsleiter Produktion, und die beiden Revierförster Tanja Wöber und Lothar Seipp an verschiedenen Stationen im Wald. Sie erläuterten anschaulich verschiedene Pflegemaßnahmen, Aufforstung und Naturverjüngung, bei der im Gegensatz zur Anpflanzung durch die Förster neue Bestände durch die Aussaat umstehender Bäume entstehen.

Dass die Holzernte auch eine Pflegemaßnahme ist, erklärte Förster Lothar Seipp an einem Waldstück mit 190 Jahre alten Eichen und 100 bis 140 Jahre alten Buchen. „Wo Buchen schöne Eichen bedrängen, werden sie entnommen“. Die zum Verkauf bereitliegenden Stämme waren am Wegesrand zu sehen. Aber nicht nur Buchen, auch Eichen müssen gelegentlich weichen und zwar auch, um die Qualität durch Auslese zu verbessern. Denn die natürlichen, aber nicht unbegrenzt vorhandenen Ressourcen Licht und Nährstoffe sollen gezielt den besten Bäumen eines Bestandes zu Gute kommen.

Seipp zeigte auf grün markierte so genannte Zukunftsbäume, die stehen bleiben dürfen: gesunde, kräftige Eichen mit großen Kronen und wenig Ästen. Für solche Prachtexemplare wird der beste Preis erzielt. Und es lohnt sich mit Blick auf den Erlös auf weniger, aber dafür qualitativ gute Bäume zu setzen. Für den Laien doch erstaunlich ist die große Preisspanne bei der Vermarktung. „Die reicht von 90 Euro für einen Festmeter bis zu 1000 Euro, die bei Versteigerungen für einen Festmeter Holz bester Qualität erzielt werden können“, informierten die Förster.

In Deutschland achte man auf eine ausgewogene Bilanz bei der Entnahme und dem Anbau von Holz, sagte Thomas Schmalenberg: „Wir haben die höchsten Holzvorräte“. Aber es sei auch wichtig den Bedarf aus der eigenen Waldpflege zu decken. Immerhin verbrauche der Deutsche 1,5 Kubikmeter Holz im Jahr. „Lediglich die Hälfte davon kommt aus unseren Wälder, der Rest muss aus dem Ausland befriedigt werden.“ Und da wisse man nicht, ob alles so naturfreundlich erwirtschaftet werde.

Dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind, beweist das Dieburger Forstamt, das im Babenhäuser Wald Gewinn erwirtschaftet. So rechnet man in diesem Jahr mit einem Erlös zwischen 100.000 und 200.000 Euro, die in den Stadtsäckel fließen werden.

Der Blick auf das große Ganze im System Wald wird einige Meter weiter beim markierten „Biotop-Holz“ deutlich. Das sind, oft wegen Fäulnis, nicht mehr standfeste Bäume, die aus Sicherheitsgründen, vor allem wenn sie am Wegrand stehen, gefällt werden. In diesem toten Holz herrscht reges Leben, erklärten die Förster: „Die dürfen hier liegen bleiben, weil sie gerade im Prozess der Zersetzung für viele Insekten oder Pilze einen wichtigen Lebensraum bilden. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Ökosystems und der Nahrungskette“.

Eher störend im System können dagegen sogenannte invasive Neophyten sein. „Das sind, auch durch die Globalisierung, eingewanderte Pflanzen, die sich extrem ausbreiten und der einheimischen Flora den Lebensraum wegnehmen“, sagte Tanja Wöber und machte die Gruppe auf eine große Fläche aufmerksam, auf der sich das Indische Springkraut ausgebreitet hatte. „Hier im Wald sorgt diese Pflanze nicht so für Probleme, aber am Ufer von Fließgewässern“.

Eine für die meisten Bürger wohl neue Information kam von Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm. Man plane, auch in Babenhausen einen Friedwald anzulegen. Die dafür ins Auge gefasste und vom Forstamt vorgeschlagene Waldabteilung, die wegen ihrer Lage direkt neben einem asphaltierten Weg eigentlich ideal sei, sei von der zuständigen Wasserbehörde allerdings abgelehnt worden, denn sie liege in einem Überschwemmungsgebiet. Aber man werde weiter nach einer geeigneten Stelle suche, sagte Sahm.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare