Ausstellung „Wald im Märchen“

Warum die Bäume singen...

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Kurt Schäfer (links), der Vorsitzende des Fördervereins für das Hessische Forstmuseum, sprach bei der Vernissage im Territorialmuseum die einleitenden Worte.

Babenhausen -  „Wald im Märchen“ heißt die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins, die am Samstag im Territorialmuseum in der Amtsgasse 32 eröffnet wurde und von dort aus ab Mitte September auf Wanderschaft geht. Von Petra Grimm 

Initiiert wurde die Präsentation vom Förderverein für das Hessische Forstmuseum Hanau-Klein-Auheim, wo die Schautafeln mit Texten und Bildern zuvor ein Jahr zu sehen waren. Bäume verbinden über Krone, Stamm und Wurzel den Himmel und die Erde, ihr Holz begleitet die Menschen von der Wiege bis zum Sarg. Sie sind beinahe universelle Ursymbole, deren Faszination sich selbst moderne Menschen kaum entziehen können und wollen.

So gibt es unzählige Märchen und Mythen, in denen der Wald oder einzelne Bäume eine besondere Bedeutung für die Menschen haben, und zwar weltweit und seit Urzeiten. „In allen Kulturkreisen der Welt waren Bäume der Sitz der Götter und Orte des Gerichts, aber auch der Freude. Sie verkörpern Kraft und Fruchtbarkeit, bieten Schutz und Nahrung und liefern Bau- und Brennholz“, sagte Kurt Schäfer, Forstdirektor im Ruhestand und Vorsitzender des Fördervereins für das Hessische Forstmuseum, bei der Vernissage.

Da er Babenhäuser und Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein ist, beginnt die Wanderung der interessanten Ausstellung im Territorialmuseum. Gemeinsam mit Sabine Scholl, Leiterin des Forstmuseums Hanau-Klein-Auheim und zugleich waldpädagogische Leiterin des Wildparks, und der Waldpädagogin des Forstamtes Langen, Iris Husermann, hat der Förderverein die Ausstellung gestaltet. „Das größte Problem bei den Vorarbeiten war, unter einer Vielzahl von Märchen die auszuwählen, die am besten verkörpern, was Baum und Wald für den Menschen bedeuten und dies auch kurz und prägnant auf einer Tafel darzustellen“, sagte Schäfer.

Es entstanden zweigeteilte, grafisch gut gestaltete Plakate, auf deren oberen Teil kurz die Bedeutung des Waldes erläutert wird und im unteren, auf Augenhöhe der Kinder, ein passendes Märchen in Kurzform zu lesen ist. Bis auf eine Ausnahme, ein indianisches Waldmärchen, stammen alle aus der Feder der Brüder Grimm.

Thematisiert wird unter anderem der „Wald als Ort für Zuflucht und Schutz“, dazu wurde das Märchen vom Brüderchen und Schwesterchen ausgewählt, oder auch „Bäume als Ratgeber der Menschen und Sitz der Ahnen“. Bäume treten hier als Vermittler zwischen den Verstorbenen und den Lebenden auf, wie beispielsweise der Haselbaum auf dem Grab der leiblichen Mutter im Aschenputtelmärchen, der als Wunderbaum dafür sorgt, dass der benachteiligten Tochter auch gebührende Gerechtigkeit widerfährt.

Aber es geht auf den acht Schautafeln nicht nur um mythische Aspekte. Denn Wälder haben bis heute eine wichtige Bedeutung für die Menschen. Sie sichern – anders als in früheren Zeiten – vielleicht nicht mehr das Überleben, aber sie dienen der Gesundheit und Erholung und reinigen unsere Atmosphäre. Als Holzlieferanten sind Wälder existenziell. Dieses Motiv spiegelt sich auch in dem indianischen Märchen „Warum die Bäume ihre Sprache, nicht aber ihren Gesang verloren haben“. In dieser Geschichte beschweren sich die Bäume lautstark, wenn die Menschen einen Ast absägen oder den Stamm zum Bau ihrer Boote und Häuser benutzen. Deshalb verlangen die Menschen von der Sonne, den Bäumen die Sprache wegzunehmen. Da sie selbst vom Gemaule der Bäume ebenfalls genervt ist, nimmt die Sonne ihnen die Sprache, lässt ihnen aber den Gesang, den sie so liebt und „den ihr heute noch hören könnt, wenn der Wind leise durch die Blätter und Nadeln streift“.

Für Schäfer ist die Ausstellung auch eine Aufforderung an die Besucher, wieder einmal in den Wald zu gehen und „ihn bei Spaziergängen in seiner Gesamtheit zu sehen und in vielen Stimmungen auf sich wirken zu lassen“.

Quelle: op-online.de

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