Wasser lief ganze Zeit in Strömen

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Ein Zeltlager geht immer auch durch den Magen: Am Samstag abend gab es Hähnchenschnitzel und Pommes.

Hergershausen ‐ „Philipp, Philipp - Limo, Limo!“, hallt es laut aus vielen Mündern durch das Aufenthaltszelt, während die Kinder das Besteck fest gepackt mit dessen Ende auf den Tisch klopfen. Von Michael Just

Was nach einem Aufstand aussieht, ist bei näherer Betrachtung Begeisterung pur. Der Grund ist simpel: Der junge Betreuer hält in beiden Händen eine Flasche Limo und schenkt diese gleichzeitig aus. So läuft das süße Zuckerwasser in Strömen und das, ohne etwas zu verschütten. Kein Wunder, wird deshalb zu jeder Mahlzeit lautstark der flinke und filigrane Einsatz des 26-Jährigen gefordert. „Außerdem ist er noch total nett“, sagen zwei kleine Mädchen über den stadtbekannten Pfadfinder, der sich im Café des Babenhäuser Bundes Deutscher Pfadfinder engagiert.

Zusammen mit zwölf anderen TV-Betreuern und einer Reihe von helfenden Eltern hatte Philipp Hezel ein langes Wochenende vor sich, denn von Freitag bis Sonntag stand das Kinderzeltlager des TV Hergershausen mit zwei Übernachtungen an. Seit über 30 Jahren hat dieses Angebot nun schon Tradition. Insgesamt waren 46 Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren auf dem Vereinsgelände neben dem Bürgerhaus dabei gewesen.

Das Motto diesmal: „Mario and Friends“. Dass man sich für die bekannte Computerspiel-Figur entschied kann die Kinder- und Jugendleiterin des TV, Monika Belzner, erklären: „Der Mario hüpft, rennt und springt. Damit passt er gut zu uns.“ Das ist verständlich, denn schließlich galt es, die Kinder zwei Tage lang zu beschäftigen. Unter anderem wurden ein großes Betttuch sowie Tassen bemalt, es gab eine Rallye mit vielen Fragen und Herausforderungen, eine Nachtwanderung, eine Zeltdisco mit Apfelsaftschorle und bunten Eiswürfeln und jeden Abend Lagerfeuer.

Wasserbomben flogen reichlich

Gestern Morgen wartete nochmals ein großes Abschluss-Spiel mit mehreren Mannschaften und für die Eltern wurde ein Abschluss-Tanz einstudiert. Darüber hinaus standen jede Menge Spiel und Spaß mit Wasser auf dem Programm. Dass Letzteres bei den heißen Temperaturen besonders gut ankam, versteht sich von selbst, denn das Wetter blieb nicht ohne Folgen: So wurden am Samstagmorgen nochmal mit Getränken und Sonnencreme nachgerüstet. Abends gab es dann noch was auf die Haut gegen die Mücken.

So war Kondition bei den Betreuern Pflicht, denn die Wasserbomben flogen reichlich und der Durst nicht nur der Kinder war allgegenwärtig. Ob zwei Tage Zeltlager nicht zu lange sind und ob sie zuhause von ihrer Familie nicht vermisst wird, geht die Frage an Monika Belzner: „Der große Aufwand lohnt sich für einen Tag nicht“, sagt die Hergershäuserin. „Meine Kinder sind auch hier“, beantwortet sie die zweite Frage und verweist auf ihren 16- und 18-jährigen Nachwuchs, der früher als Teilnehmer und heute als Helfer dabei ist. Und der Mann? „Der hält das die zwei Tage auch mal alleine aus“, konstatiert sie trocken.

Bestens ausgehalten haben das Zeltlager die 46 Kinder. Kein Wunder, wurde doch alles getan dass das Abenteuer vor der Haustür in langer Erinnerung bleibt: Beim Essen wurden sie mit Hähnchenschnitzel und Pommes, Kartoffelpuffer mit Apfelbrei, Leberkäsebrötchen oder Hot Dogs verwöhnt. Dazwischen gab es Hefezopf oder Eis. Selbst die TV-Vorsitzende Ute Teuchner kochte mit und wendete am Samstagabend in der Küche - in der es noch wärmer als draußen war - Dutzende von Hähnchenschnitzeln in dem großen Pfannenbehälter.

Bei den Getränken blieben ebenfalls keine Wünsche offen: Ob Sprudel, Limo, Zitronentee oder Apfelsaftschorle – es gab alles was das Herz begehrt.

„Wir spülen eigentlich den ganzen Tag“

So blickte man fast die ganzen 48 Stunden in glückliche Kinderaugen: „Die Wasserrutsche ist toll“, sagt Anja (8). Dazu lobt sie, dass man abends mit den Freundinnen im Zelt noch ein bisschen tuscheln kann. „Ich besuch’ meine Freundin im Nachbarzelt vor dem Schlafen heimlich“, erzählt Emilie (8) lachend. Das sei aber wegen der Nachtwachen der Betreuer nicht ganz einfach. „Wenn sie mich sehen sage ich einfach, ich muss auf Toilette“, fügt sie schlitzohrig hinzu. Laut Belzner gebe es nachts keine Probleme: „Die meisten Kinder sind abends so kaputt dass sie bald schlafen“. Beim Zeltlager der Zehn- bis 14-Jährigen, das vor wenigen Tagen stattfand, sei die Situation anders, da hier nicht so früh in die Schlafsäcke gekrabbelt werde: „Die Älteren schlafen deswegen morgens länger während die Kleinen am nächsten Tag um sechs Uhr schon wieder Fußball spielen.“

Gestern Nachmittag hatten es die Betreuer dann geschafft: Das Aufbauen, Organisieren, Helfen, Trösten, Kochen und Spülen hatte ein Ende. Da die Küche im Vereinshaus keine Spülmaschine besitzt waren vor allem hier eifrige Hände gefragt: „Wir spülen eigentlich den ganzen Tag“, sagt Belzner mit Blick auf die vielen Mahlzeiten, Snacks und Getränke, die den ganzen langen Tag nicht auf Wegwerfgeschirr gereicht werden. Ein kleiner Trost blieb: „Zumindest trocknen bei dem Wetter die Geschirrhandschüler recht schnell.“

Quelle: op-online.de

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