Zur Spitze über schmale Treppen

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Die Besucher konnten sich über die Geschichte der Turms informieren und Blicke auf die Stadt werfen.

Babenhausen -  Der Ansturm war enorm. Über 380 interessierte Bürger kletterten am Samstagnachmittag die schmalen Treppenstufen im Wasserturm bis ganz nach oben, wo direkt am Wassertank eine Ausstellung über die Geschichte des imposanten Bauwerks informierte. Von Petra Grimm

Mit einem fröhlichen Straßenfest, zu dem der Gewerbeverein und die SG Rot-Weiss eingeladen hatten, wurde der Abschluss der Sanierungsarbeiten des 1928/29 im damals hochmodernen Bauhaus-Stil erbauten Turms gefeiert. „Bis dahin gab es in der Stadt keine Wasserleitungen, sondern nur Brunnen“, sagte der Architekt und Gewerbevereinsvorsitzende Kurt Schlösser bei der Besichtigung. Der Wasserturm, der einem Babenhäuser Unternehmer gehört, sucht jetzt einen geeigneten Nutzer. „Der Turm ist im Zustand seiner Erbauung und müsste den Bedürfnissen des Nutzers entsprechend umgebaut werden. Erste Untersuchungen ergaben eine mögliche Nutzfläche von etwa 400 Quadratmetern. Genauere Überlegungen können jedoch erst zusammen mit einem Interessenten erörtert werden“, sagte Schlösser, der auch der Ansprechpartner für interessierte Mieter ist.

Toller Blick auf die Stadt

Wer am Samstag den Aufstieg in den 33 Meter hohen Turm mit einer Grundfläche von zehn auf zehn Meter wagte, wurde mit einem tollen Blick auf die Stadt belohnt und erfuhr auch allerhand technische Details. Die tragende Konstruktion, von den Fundamenten bis zum Dach, ist aus Stahlbeton und im Hochbehälter finden 200 Kubikmeter Wasser Platz. Das sind 200 Tonnen Gewicht. Die Wand des Wassertanks besteht aus fünf Zentimetern Stahlbeton mit einer Torfdämmung. Alte Rohre sind auch noch zu sehen. Mit Elektropumpen wurde das Wasser aus dem Grundwasser nach oben geschafft. „Der letzte Boden ist auf 26 Metern Höhe. Baurechtlich gilt der Turm als Hochhaus“, erklärte Schlösser.

Stahlbetonbau war zu dieser Zeit noch richtig harte Arbeit. „Ohne Pumpen musste der angemischte Beton mit Schubkarre und Eimer über ein Kantholzgerüst nach oben geschafft werden“, erklärte Schlösser den Führungsteilnehmern. Die Baukosten von 300.000 Reichsmark entsprechen heute etwa 1,23 Millionen Euro.

Ausgedient in den 70er Jahren

Der schadhafte Putz wurde grundsaniert.

Ausgedient hatte der Wasserturm in den 70er Jahren. Denn durch den Verkauf und Anschluss des Babenhäuser Wassernetzes an das Wasserwerk in Hergershausen und die damit verbundene technische Umstellung des Systems ist der Hochbehälter nicht mehr von Nöten, um einen konstanten Wasserdruck zu erzielen. Der Wasserturm ging vom Netz. 1980 wurde das Bauwerk in das Denkmalbuch des Landkreises aufgenommen, was Überlegungen über einen Abriss des sanierungsbedürftigen Turmes aus finanziellen Gründen einen Riegel vorschob. Der Turm wurde saniert.

Die Witterung setzte dem Bauwerk weiter zu, so dass es im Jahre 2004 sogar zu einer Vollsperrung der Durchfahrt wegen sich lösender Fassaden-, Fenster- und Metallteile kam. Vorübergehende Teilsanierungsmaßnahmen brachten nur kurze Besserung. Eine Komplettsanierung wurde dadurch nicht verhindert. Im April 2010 wurde der in die Jahre gekommene Hochbehälter zum Schutz der Passanten eingerüstet und eingenetzt. Fast zwei Jahre blieb diese Schutz-Einrüstung des Wasserturms, der für geschätzte 350 000 Euro saniert werden musste. Zu viel Geld für die Stadt, die deshalb einen Investor suchte, der den Turm mit einer Sanierungsauflage für die symbolische Summe von einem Euro kaufte.

Suche nach einem Käufer

Die Suche nach einem Käufer war zunächst erfolglos, bis sich das örtliche Architekturbüro Schlösser Ende 2011 der Sache annahm. Anfang Februar diesen Jahres berichtete unsere Zeitung, dass der Wasserturm einen neuen Besitzer hat und bereits im März begannen die Bauarbeiten mit Abstimmung der Denkmalschutzbehörde. Neben einem neuen Anstrich wurde der schadhafte Putz grundsaniert. Neue Aluminiumfenster und Fensterbänke wurden eingebaut. Schlosserarbeiten, die Dachabdichtung und die Installation einer Beleuchtungsanlage im Rahmen des Altstadt-Lichtkonzeptes der Stadtverwaltung lassen den Wasserturm in neuem Licht erstrahlen.

Quelle: op-online.de

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