Wehmut bei Schülern und Lehrern

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Die Schulband umrahmte die Abschiedsfeier. Von ihren vier Stücken waren zwei selbst geschrieben.

Babenhausen - Es ist nicht immer der Abi-Ball, bei dem Gala-Garderobe und reichlich Feierstimmung aufeinandertreffen. In diesen Punkten standen die Abgänger der Offenen Schule Babenhausen am Freitag ihren Kollegen von der Oberstufe in nichts nach. +++ Fotostrecke +++ Von Michael Just

Mit einem großen Abendprogramm wurden 169 Schüler in der Stadthalle verabschiedet, um in einen neuen Lebensabschnitt, der Berufsausbildung oder weiterführende Schule heißt, aufzubrechen.

Die Abschlussfeier hatte etwas Historisches: So gehören die Abgänger zum letzten Jahrgang, der an der Joachim-Schumann-Schule „integriert“ unterrichtet wurde. Aufgrund gesetzlicher Grundlagen ist diese Schulform geändert. „Wir haben das nicht gerne gemacht. Das Kollegium steht immer noch hinter dem Gedanken, dass eine gemeinsame Erziehung aller Schüler eines Jahrgangs sinnvoll ist“, sagte Schulleiter Burkhard Vollmers, der daran erinnerte, dass man 1979 zusammen mit drei anderen Schulen die erste Integrierte Gesamtschule in Hessen darstellte und dabei ein revolutionäres pädagogisches Konzept anging.

Blumen für die Lehrerin: Die Abschlussfeier der OSB hatte viele persönliche Momente. Zum Resumee der Schulzeit gehören wie immer Höhepunkte aber auch Täler der Depression.

Von den 169 verabschiedeten Schülern können 64 Gymnasiasten in die 11. Klasse übergehen (38 Prozent). Den Realschulabschluss schafften 36 Schüler (21 Prozent), den Realschulabschluss „+“ mit weiterführender Qualifikation 52 Schüler (31 Prozent). 14 Schüler machten ihren Hauptschulabschluss, elf davon qualifiziert. Drei Abgänger wiederholten das letzte Schuljahr. Die zweieinhalbstündige Abschlussfeier wartete mit zahlreichen Höhe- und Programmpunkten auf: Neben der Zeugnisübergabe spielte die Schulband, weitere Liedbeiträge gab es von Monique Bevendorf, Corinna Kulas und Stephanie Arnheiter. Ein vierhändiges Klavierstück hatten Schülerin Anne Wenzel und die ehemalige Lehrerin Helma Habel vorbereitet. Das Tanzprojekt des zehnten Jahrgangs war ebenso auf der Bühne zu finden wie die Gruppe des Wahlpflichttheaters.

Bilder von der Abschlussfeier

169 Schüler feiern ihren Abschluss

Schulsprecherinnen Michelle McKenna und Katja Rose fassten in einem gereimten Protokoll humorvoll die Ereignisse der abgelaufenen Schulzeit nochmal zusammen.

Jahrgangsbeste der OSB

Die Jahrgangsbesten an der Offenen Schule: Gymnasialabschluss: Denise Melchin (Klasse 10/6), Durchschnitt: 1,1; Fabian Brand (Klasse 10/1), Durchschnitt: 1,3 Realschulabschluss mit Berechtigung für die Gymnasiale Oberstufe: Jens Stoiber (Klasse 10/6), Durchschnitt 1,6; Katja Rose (Klasse 10/6), Durchschnitt 1,9; Dhana Schöffer (Klasse 10/1), Durchschnitt 1,9.

Kräftig gelacht wurde bei einer Art Oskarverleihung, bei der alle Abschlussklassen-Lehrer eine Trophäe gewannen. Die Kategorien reichten von der lautesten Stimme bis zum schönsten Lächeln. Die Abschlussfeier stand unter dem Motto „Diamonds of OSB“ - endlich fertig geschliffen“. Dass sie Diamanten seien, daran ließ Schulleiter Burkhard Vollmers keinen Zweifel. Nur beim „fertig geschliffen“ meldete er berechtigte Zweifel an: „Ihr wollt euch doch noch weiter entwickeln, oder nicht?“, fragte er.

Wie am Freitag immer wieder deutlich wurde, reihten sich im Schulalltag der zurückliegenden Jahre positive und negative Erfahrungen sowohl bei Schülern als auch bei den Lehrern dicht an dicht aneinander. „Man muss euch schon mögen, um euch auszuhalten“, sagte eine Lehrerin.

Zu den Zeugnisübergaben gehörte in allen Fällen eine persönliche - in einigen Fällen auch versöhnliche Umarmung - von den Schülern mit ihren Klassenlehrern. So stellte sich zum Abschied die Frage, bei wem die Wehmut nun größer ist? Bei den Schülern oder beim Kollegium?

Wie Lehrer Timo Schmid sagte, werde ihm wohl erst in den nächsten Tagen der Abschied richtig bewusst. „Einige Schüler sind mir schon vor drei Wochen bei der Abschlussfahrt in Italien weinend um den Hals gefallen und haben mich dann zur Laterne gedreht, um im hellen Licht zu gucken, ob ich auch Tränen habe“, erzählt der Pädagoge. „Die Wehmut ist natürlich da, ich war sechs Jahre ihr Klassenlehrer“, fügt er hinzu. Man habe die Schüler im Prinzip mit groß gezogen und „das Gefühl ist und bleibt unglaublich, zusammen Ausbildungsplätze gesucht oder Liebeskummer bekämpft zu haben“. So sei das Ende heute eine ganz emotionale Sache: „Die neue Klasse nach den Ferien wird ein ganz harter Einschnitt.“

Quelle: op-online.de

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