„Celtic-Scottish Christmas Tour“

Gänsehaut beim Kelly-Konzert

+
Chor und Kellys: Der gemeinsame Auftritt des Projektchors und der Geschwister war gelungener Höhepunkt des Abends.

Babenhausen - Über eine stimmgewaltige, musikalische Station im Advent auf dem Weg zum Weihnachtsfest dürften sich die Gäste des Konzerts von Kathy Kelly und ihrem Bruder Paul Kelly im Rahmen der „Celtic-Scottish Christmas Tour“ freuen. Ein rundum gelungener Abend – nicht nur für Kelly Fans. Von Julia Glaser 

 Bereits seit über 20 Jahren tourt Kathy Kelly erfolgreich als Solo-Künstlerin. Die Auftritte mit ihrem Bruder Paul für die „Christmas Tour“ finden fast ausschließlich in Kirchen und unter Mitwirkung eines ortansässigen Chors statt. In der vollbesetzten historischen Stadtkirche standen die beiden Kellys mit dem evangelischen Kirchenchor und dem Projektchor auf der Bühne. „Der Projektchor besteht aus den Mitgliedern des Kirchenchors und externen Mitgliedern, die nur bei diesem Vorhaben dabei sind“, erklärte Chorleiter Ralph Scheiner, insgesamt mehr als 60 Personen. Chorprojekte werden alle ein bis eineinhalb Jahre angeboten und locken immer Sänger aus den umliegenden Gemeinden an. Beim Osterkonzert waren es insgesamt 80 Chormitglieder – eine Zahl, auf die man stolz sein darf, und die für den Erfolg der Chorprojekte spricht.

„Für dieses Konzert hatten wir acht Proben seit Oktober“, erzählte Scheiner. Weil Kathy Kelly aufgrund ihrer Tour an den Proben der jeweiligen Chöre nicht teilnehmen kann, trafen der Chor und die Künstlerin an diesem Abend zum ersten Mal aufeinander. In der stimmungsvoll beleuchteten Kirche eröffneten der Projekt- und der Posaunenchor mit den Adventsliedern „Macht hoch die Tür“ und „Tochter Zion“ jedoch erst einmal alleine das Konzert. Danach betraten zuerst Paul Kelly und danach seine Schwester Kelly die Bühne.

Mit seinem Vollbart und dem Kilt im klassischen Karomuster sah der zweitälteste Sohn der berühmten „Kelly Family“ genauso aus, wie man sich einen echten Schotten aus den Highlands vorstellt. Ohne weitere Einleitung griff Kathy zur Violine und ihr Bruder zur Penny Whistle, einer irischen Flöte. Beide versetzten das Publikum mit dem englischen Carol „Deck the Halls“ in Weihnachtsstimmung. Es folgten emotionale Werke, wie eine englische Version des Vater Unser und die irische Ballade „Danny Boy“. Die sehr tiefe Stimme von Paul und die kraftvolle, runde Stimme seiner Schwester ergänzten sich dabei absolut harmonisch.

Beide begleiteten die Lieder im Laufe des Abends auf verschiedenen Instrumenten: Während Kathy zwischen Geige, Gitarre, Akkordeon und Mandoline wechselte, spielte ihr Bruder auf der Drehleier, der Flöte und dem irischen Dudelsack. Am Keyboard begleitete Dirk Brenner den Abend über.

Klassische Christmas-Carols wie „Oh night divine“ und „I saw three ships“, die Ballade „Star of the County Down“ und der Kelly-Song „Who’ll come with me“ sorgten für eine abwechslungsreiche erste Konzerthälfte. „Who’ll come with me“ rief bei einigen Kelly-Fans Tränen hervor, da Paul in diesem Stück den Sprechgesang des 2002 verstorbenen Vaters der Großfamilie, Daniel Jérôme „Dan“ Kelly, übernahm. Kathy Kellys gefühlvolle Darbietung des Stücks „Hallelujah“ des kürzlich verstorbenen Singer-Songwriters Leonard Cohen löste dann im gesamten Publikum den einen oder anderen herzergreifenden Seufzer aus. „Es ist alles gut, alles super“, freute sich eine Besucherin über das Konzert, „ich bin Kelly-Fan, aber seit rund 20 Jahren war ich auf keinem Konzert mehr. Jetzt fahren wir am Samstag aber sogar mit der Familie zu einem Konzert von Angelo.“ Das jüngste Mitglied der Kelly Family ist in die Fußstapfen des Vaters getreten und konzertiert inzwischen mit seiner eigenen Familie.

In den vordersten Reihen der Kirche hatten sich viele Fans der Folkband versammelt, die sich regelmäßig bei Auftritten treffen. „Es ist ein sehr schönes Konzert, und zum ersten Mal ein Auftritt mit Paul. Das ist eine andere Richtung, so ein bisschen back to the roots“, erzählte einer von ihnen. Die zweite Hälfte des Konzerts begann der Projektchor. „Wir haben uns einige Irish-Celtic Christmas Songs herausgesucht und auf Deutsch übersetzt“, erklärte Ralph Scheiner. Mit den Stücken „Oh heilige Nacht“ und dem „Coventry Carol“ bewies der Chor, dass auch dieses Projekt wieder ein Erfolg war.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Danach wechselten sich ruhigere und getragene Stücke wie etwa „What child is this?“ mit schnellen spanischen Rhythmen ab. Paul begleitete seine Schwester mehrfach mit der Drehleier, einem Instrument, das bereits rund 130 Jahre alt ist. Der kraftvolle Klang unterstrich den teils melancholischen Charakter der keltischen Weihnachtslieder. Mit dem Lied „An Angel“, einem der größten Hits der Kelly Family, machten die beiden Geschwister den Fans eine besondere Freude. Schließlich gab es noch einmal Gänsehaut im Publikum, als Paul mit seiner markanten Stimme solo das schottische Traditional „The Bonnie Banks o‘ Loch Lomond“ vortrug, ein Lied über Trennung und Abschied.

Der finale Höhepunkt des Abends war der gemeinsame Auftritt des Kirchen- und Projektchors mit den Kellys. Bei den schwungvollen Gospels „Go tell it on the mountain“ und „Amen“ klatschten die Zuschauer begeistert mit und es hielt viele nicht auf ihren Sitzen. Ohne Zugabe konnte der Abend deshalb nicht enden: „Wir singen noch einmal das schönste Weihnachtslied, das je geschrieben wurde, „sagte Kathy Kelly, „es kommt aus Deutschland und wird in allen Sprachen der Welt gesungen“. Gemeint war natürlich „Stille Nacht“, das sie erst mit dem Chor sang und danach mit dem ganzen Publikum sang. Die Sängerin und ihr Bruder verabschiedeten sich und wünschten allen mit dem Schlaflied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ eine friedliche Nacht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare