Viele Besucher an 90 Ständen und Buden

Froher, munterer Weihnachtsmarkt

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Der Marktplatz (oben) bildete den Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes. Mit seiner Beleuchtung weckte er das größte Vorgefühle auf das große Christenfest.

Babenhausen - Am Samstagnachmittag wird in einem Büdchen in der Bummelgass’ eifrig gewerkelt und geschraubt. „Wir brauchen Nachschub. Ein Teil unserer Auslage ist schon ausverkauft“, berichtet Lydia Matousek. Von Michael Just 

Beim Angebot der Langstädterin, die zum ersten Mal dabei ist, muss man zweimal hinschauen: Es sind alte Tassen und deren Unterteller, die äußert kreativ in eine neue Funktion gebracht wurden. Mal kommen sie als schaukelnde Vogelfuttertasse daher, mal als Behältnis für Dips und Snacks, dann wieder als Etagere, auf dem sich Plätzchen und andere süße Verführungen ablegen lassen. „Alles fing mit einer Knie-Operation bei mir an, durch die ich nicht arbeiten konnte und lange zuhause war. Da kommt man dann auf komische Ideen“, sagt die 49-Jährige lachend, die durch den Erfolg bereits ein Kleingewerbe angemeldet hat. Das meist alte Porzellan mit Goldrand muss Matousek nicht kaufen. Einen Großteil hortete sie bereits als „Aussteuer“ im Keller. Auch bei Verwandten und Freunden wird sie in Abstellräumen fündig. „Man muss die Sachen nur abstauben“, so die Langstädterin.

Der Stand von Lydia Matousek war einer von 90, der am Wochenende dem 44. Weihnachtsmarkt Seele verlieh. Durch die gesamte Bummelgass’ inklusive dem Marktplatz sowie von der Schlossgasse bis hin zur Stadtmühle, ließ sich eine lange Kette an Büdchen und Ständen abschreiten, die mit kleinen und großen Zwischenräumen versehen waren. Durch die Hobbykünstlerausstellung in der Stadtmühle, die lebendige Krippe an deren Eingangstor sowie einem Glühweinstand mit reichlich Auswahl bildete sich hier, ergänzend zum Marktplatz, ein zweiter großer Treffpunkt. Als Ausrichter fungierte der DRK-Ortsverband. Das passt schon deshalb, da dessen Vorsitzender Helmut Fendt heißt. Der Inhaber des gleichnamigen Fahr- und Vergnügungsbetriebes engagiert sich seit Jahren als Marktmeister bei den großen Festen in Babenhausen. Damit nimmt er der Stadt oder dem Gewerbeverein viel Arbeit ab. Bei fast 100 Ständen und dem großen Programm auf der Marktplatzbühne, das stets von vielen lokalen Vereinen wie dem evangelischen Posaunenchor Langstadt, dem Gesangverein Eintracht, dem Volkschor-Sängerbund, der katholischen Kirchenmusik oder dem Babenhäuser Blasorchester unterstützt wird, fällt viel Organisation an. Nachdem sich die Stadt zurückgezogen hat und keinerlei Unterstützung mehr leistet, stößt Fendt an seine Grenzen. „Der Aufwand ist enorm. Selbst das Aufstellen des Christbaumes oder der Beleuchtung muss mittlerweile privat organisiert werden“, sagt er.

Weihnachtsmarkt in der die Babenhäuser Altstadt: Bilder

Davon bekamen die wenigsten Besucher etwas mit: Sie genossen den vorweihnachtlichen Lichterglanz, der am Sonntag aufgrund des Schneefalls noch ein weißes Kleid erhielt. Für die Kinder kam der Nikolaus und zauberte aus seinem Sack leckeren Lebkuchen. Neben den professionellen Fremdbeschickern verliehen dem Markt vor allem die heimischen Teilnehmer Lokalkolorit. Neben Lydia Matousek aus Langstadt war das Ramona Sampaio aus Sickenhofen. Mit ihrer Nichte Darleen Kühnel bot sie Kartoffel-Reibekuchen, Apfelmus und heißen Apfelwein an. Sampaio, die sich sonst beim SV Sickenhofen engagiert, weiß, dass sich zahlreiche Menschen nach Kartoffelpuffern verzehren, da die in modernen Zeiten zuhause kaum noch auf die Speisekarte wandern. Als weitere Lokalmatadoren fielen vor der Kirche die Handballer und gegenüber dem Weltladen der Tennisclub ins Auge. Beim TCB bot man einen Landfraueneintopf, Schmalzbrot sowie zum Aufwärmen einen Obstler oder Eierlikör. Kim Schneider staunte mit Kollegen hinter der Theke am frühen Samstagnachmittag nicht schlecht, als sie zweimal unerwarteten Besuch bekam. Einmal stand jemand vom Gesundheitsamt da und meinte, beim Anfassen der Lebensmittel seien Gummihandschuhe anzuziehen. Beim zweiten Mal war’s ein Vertreter der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Er forderte, die Musik auszumachen, da sonst für den Verein Gebühren anfallen. In der Folge ging es an vielen Stellen des Weihnachtsmarktes beschaulich zu. Musik und Gesang gab es nur von und auf der Marktplatzbühne. „Dafür entrichten wir an die GEMA die Gebühren“, erklärt Fendt.

Quelle: op-online.de

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