Angelika Fendts Puppe macht immer eine gute Figur

Joshua, das Krippenkind

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Angelika Fendt mit ihrer Puppe namens Joshua, die immer in der lebendigen Krippe auf dem Babenhäuser Weihnachtsmarkt liegt.

Babenhausen - Die lebendige Krippe an der Stadtmühle gehört seit vielen Jahren zum Babenhäuser Weihnachtsmarkt. In ihr stehen in unterschiedlicher Besetzung Esel, Rinder oder Schafe von einem Betrieb aus Pflaumheim. Und eine Puppe. Von Michael Just 

Wer auf dem Babenhäuser Weihnachtsmarkt zur lebendigen Krippe kommt, erfreut sich vor allem an den dort untergebrachten Tieren: Esel, Rinder oder Schafe. Betrachter, die ganz genau hinschauen, entdecken sogar ein Kind in der Krippe. Das ist nicht irgendeine Puppe, es ist Joshua, das Babenhäuser Christkind.

Bisher hat Angelika Fendt, die sich mit ihrem Mann Helmut um die Organisation des Marktes kümmert, nur wenigen erzählt, dass es mit dem äußerst echt aussehenden Baby eine besondere Bewandtnis hat. Denn der Kleine ist keinesfalls nur ein Püppchen, das ohne persönlichen Bezug und nach Belieben gewechselt wird. Für seine Aufgabe wurde der Wonneproppen einst bei Spielwaren-Trautmann in der Bummelgass’ ausgesucht. Während es das Geschäft längst nicht mehr gibt, liegt Joshua noch immer in der Krippe. Zum Glück ist er, im Gegensatz zu einem echten Menschenkind, über die Jahre nicht mitgewachsen. Denn dann wäre er heute 35 Jahre alt und würde nicht mehr in das Gestell passen. Als Angelika Fendt damals mit ihm zur Kasse marschierte, standen auf dem Preisschild stolze 75 Mark. Das war Anfang der 1980er Jahre viel Geld. Die Entscheidung für Qualität hat dafür gesorgt, dass das Babenhäuser Christkind bis heute jenen einzigartig scheuen und unschuldigen Blick trägt.

Das soll auch so bleiben: Bricht die dunkle Nacht über den Markt herein, bringt Helmut Fendt die Puppe von Samstag auf Sonntag sicherheitshalber in die Stadtmühle. Joshua soll schließlich nicht frieren und noch weniger von Langfingern einer neuen Bestimmung zugeführt werden. In der Krippe liegt das künstliche Menschenkind etwas komfortabler als sein Vorbild vor 2000 Jahren: Er trägt einen weißen, kuscheligen Fellanzug, auf dessen Mütze zwei Puschel sitzen. Fast kommt sein Dress einem Schutzanzug gleich, denn die Tiere reagieren manchmal recht neugierig auf das Werk der Firma Kruse. „Meist ist der Anzug am Ende des Marktes ein wenig zerzaust“, weiß Fendt. Das betrachtet die 61-Jährige mit Fassung. So wird der Strampler danach erstmal gewaschen und fürs nächste Jahr auf Vordermann gebracht.

Und Joshua? Nein, die Puppe verschwindet nicht in einer Kiste und verbringt die Tage bis zum nächsten Weihnachtsmarkt im dunklen Keller.

Joshua wird ebenfalls gewaschen und adrett eingekleidet. Dazu gehört eine kleine Jeans und ein Pullover. Über die Füßchen werden Turnschuhe in seiner Größe gestreift. Ist das Bübchen so schick, dass es man es am liebsten knuddeln möchte, wandert es auf die Couch ins Wohnzimmer. Dort bereitet es als Blickfang den Fendts und Besuchern tagtäglich Freude. Zeigt der Kalender den ersten Advent an, geht es für Joshua wieder für zwei Tage zu den Tieren.

Bleibt noch die Frage, wieso der Kleine, der sich seit 35 Jahren ewiger Kindheit erfreut, „Joshua“ heißt. Fast kann man es sich denken, dass der Name Angelika Fendt ganz gut gefallen hat. Neben dem Wohlklang passt aber auch die hebräische Herkunft mit der Ableitung von „Jehoschua“. In der hebräischen Bibel trägt ein großer, israelitischer Führer diesen Namen, weshalb Jehoschua für Jesus von Nazareth ebenfalls Verwendung fand.

Angelika Fendt sieht den Namen Joshua als gut gewählt, was mit einer anderen Begründung noch plausibler wird: „Karl-Heinz hätte irgendwie dann doch nicht ganz gepasst.“

Quelle: op-online.de

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