Gemütlichkeit auf dem Schaafheimer Weihnachtsmarkt

„Wie eine Kerb mitten im Winter“

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Französische Spezialitäten zum Advent boten die Freunde aus Richelieu mit Bernard Lambinet (Mitte) an ihrer Spitze. Marina Hübner vom Partnerschaftskomitee und Bürgermeister Reinhold Hehmann freuten sich über den Besuch.

Schaafheim - Als am Sonntagnachmittag beim Schaafheimer Weihnachtsmarkt ein kurzer Regenschauer über die Buden zieht, fängt ein älterer Besucher an zu träumen: „Stellt euch vor, das wäre jetzt Schnee“, sagt er zu Tochter und Enkelin, die sich beide lächelnd die weiße Flockenpracht vorstellen. Von Michael Just 

Kurz darauf verwirft die Tochter aber wieder die Fantasie: „Dann müssen die Räumfahrzeuge raus. An das Chaos auf den Straßen möchte ich lieber nicht denken." Bei Temperaturen um die neun Grad blieb beim 32. Schaafheimer Weihnachtsmarkt der Gedanke an Schnee und Eiskristalle eine weit entfernte Vorstellung. Rund 50 Stände hatte die Gemeinde, die den Markt zusammen mit dem Gewerbeverein ausrichtet, im alten Ortskern vergeben. Einer davon betrieben die Freunde aus der Partnergemeinde Richelieu in Frankreich.

Unter der Leitung von ihrem Präsidenten Bernard Lambinet war eine kleine Delegation gekommen, die Wein, Käse und Rillettes für die Auslage dabei hatte. Rillettes ist eine Schweinefleischspezialität, die als streichfeste Masse in Gläsern oder kleinen „Dippchen“ angeboten wird. „Zum Gegenbesuch sind wir auch auf dem Weihnachtsmarkt in Richelieu präsent“, berichtete Marina Hübner vom Verschwisterungskomitee. Dort biete man deutsches Bier an, was sehr gut ankommt. Die zusätzlichen Bratwürste im Gepäck seien für den dortigen Radfahrverein, der diese verkauft. Ungewöhnlich ist laut Hübner, dass es in Richelieu ein Feuerwerk zum Weihnachtsmarkt gibt.

Wie gewohnt hauchten dem Schaafheimer Weihnachtsmarkt Gewerbetreibende aus dem Ort und der Nachbarschaft Leben ein, indem sie die von der Gemeinde aufgestellten Büdchen mieteten. Um das Rahmenprogramm kümmerten sich die Vereine. Ab beiden Tagen wurde auf der Bühne gesungen oder musiziert. Für ein dicht gestaffeltes Programm sorgten die Sängervereinigung, die Bruderkette, die Mosbacher Musikanten, Gaby Schobert, die Jagdhornbläser des Reit- und Fahrverein, die Kita Sailing Ship, die Christliche Gemeinschaft, der Musikzug der Feuerwehr oder der evangelische Posaunenchor. Auch wenn kurzzeitig die Regenschirme ausgepackt werden mussten, wurde der Markt am Samstagabend und am späteren Sonntagnachmittag gut besucht.

Bilder: Weihnachtsmarkt in Eppertshausen

Lediglich zu einem Kurzbesuch kam Tina Theiß: „Ich habe einen illuminierten Bergkristall sowie eine Metallarbeit in Rost gesucht und gefunden“, erzählte die 39-Jährige. Nach einer Stunde gings für sie schon wieder nach Hause, was auch daran lag, dass sie tags zuvor mit Kind und Lebensgefährte schon die Weihnachtsmärkte in Würzburg und Schwetzingen besuchte. Deutlich länger, und das an zwei Tagen, blieb Romina Bono-Demertzis mit ihrer Familie. „Für mich ist das hier die Kerb im Winter“, hob sie hervor, während ihre beiden Kinder sich über die gekaufte Pizza hermachten. „Vor allem geht’s hier um Essen, Trinken, Flanieren und ums Beisammenstehen“, verdeutlichte Manuela Pfannmüller ihre Beweggründe, den Markt zu besuchen. Wenn man Glück habe, lasse sich sogar noch ein kleines Zusatzgeschenk für Weihnachten finden.

Die wohl weiteste Anreise mit rund 300 Kilometern verbuchten Michael Bürger, seine Frau Angela und deren Cousine Nicole Schäfer. Sie machten sich aus Höxter und Beverungen (im Dreiländereck Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen) auf den Weg. Michael Bürger stammt ursprünglich aus Schaafheim und zog der Liebe wegen in den Norden. Der Weihnachtsmarkt lockte ihn und seine weibliche Begleitung für zwei Tage in die alte Heimat. „So einen tollen Markt wie hier gibt es in Höxter nicht“, sagt er. Gerademal eine handvoll Büdchen bekomme man dort zusammen. Größer sei der Weihnachtsmarkt in Kassel, dafür aber von Gemütlichkeit weit entfernt. Das bestätigte auch Nicole Schäfer: Die 43-Jährige war zum ersten Mal in Schaafheim und schloss den Ort samt dem heimeligen Weihnachtsrummel gleich in ihr Herz. „Vielleicht folgt im nächsten Jahr der zweite Besuch an Kerb“, stellte sie in Aussicht.

Quelle: op-online.de

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