Schlagkräftige Truppe

Hufschmiede bereichern Weihnachtsmarkt mit Eisenkunst

+
Mitglieder des Vereins Hufschmiede Vereinigung fertigten aus Hufeisen Kunstwerke. Anschließend wurden diese für den guten Zweck verkauft.

Beim Weihnachtsmarkt erklingt an vielen Ecken besinnliche Musik aus Lautsprechern oder von der Live-Bühne gegenüber dem Rathaus.

Babenhausen - Da wollen die lauten und dumpfen Schläge, die aus dem Biergarten der Stadtmühle zu hören sind, nicht so recht ins besinnliche Bild passen. Doch bei näherem Hinsehen findet dort nicht nur eine Premiere, sondern auch die Umsetzung einer außergewöhnlichen Idee statt: Fast zehn hauptberufliche Hufschmiede fertigen aus glühenden Hufeisen, deren Metall zuvor in glimmender Kohle weichgemacht wurde, Kunstwerke in ungewohnten Formen. Auf dem Amboss entstehen durch Aneinanderfügen und reichliches Klopfen Weihnachtsbaumsilhouetten ebenso wie Herzen und weitere Dinge.

„Wir sind ein Verein staatlich geprüfter Hufschmiede, die vom Vogelsberg bis in den Odenwald zuhause sind. Vom Netzwerk sollen vor allem unsere Kunden profitieren“, erläutert erster Vorsitzender Daniel Dejos. In Babenhausen steht allerdings der gewohnte Arbeitsalltag hintenan. „Jedes Jahr kommen wir in eine andere Stadt auf den Weihnachtsmarkt und schaffen dort Hufeisenkunstwerke, die wir für den guten Zweck abgeben“, ergänzt Dejos. Nachdem 2018 der Verein Sterntaler in Hanau profitierte, wurden für 2019 die Klinik-Clowns aus Aschaffenburg ausgewählt.

Weihnachtsmarkt Babenhausen (Hessen): Starke Truppe hilft kranken Kindern

„Meist kommen über 1 500 Euro zusammen. Die Materialkosten ziehen wir nicht ab, sondern übernehmen diese selbst“, erklärt die schlagkräftige Truppe. Vor allem die Live-Vorführung eines alten Handwerks, gepaart mit dem Ziel, kranken Kindern zu helfen, weckt unter Besuchern großes Interesse.

Den 47. Babenhäuser Weihnachtsmarkt richteten das örtliche Rote Kreuz mit Marktmeister Helmut Fendt aus. Die Wetterbedingungen hätten kaum besser ausfallen können. An beiden Tagen war es trocken, dazu sanken die Temperaturen am Sonntag in Gefrierpunktnähe: ideal für den ersten Glühwein des Jahres. Dementsprechend strömten die Massen.

In der Innenstadt warteten rund 70 Stände, die Hobbykünstler belegten in der Stadtmühle weitere 25 Tische. Diesmal musste Helmut Fendt bei den Hobbykünstlern ein wenig umplanen: aufgrund von Brandschutzvorgaben durfte die obere Etage in der Stadtmühle nicht benutzt werden. „Da die Gastronomie gerade leer steht, können wir jene Räumlichkeiten zum Glück mitbenutzen“, berichtet der Marktmeister. Die fast 100 Stände des Marktes sieht er als ausreichend und nicht mehr ausbaubar. „Wollen wir größer werden, brauchen wir auch mehr Besucher. Da fast jede Stadt oder Gemeinde mittlerweile über ihren eigenen Weihnachtsmarkt verfügt, sind solche Gedanken unrealistisch“, so Fendt.

Strahlende Vorfreude aufs Fest und auf schöne Weihnachtsbäume auf dem Weihnachtsmarkt.

Mit drei Bekannten aus dem Freundeskreis zieht am Samstagnachmittag der Harreshäuser Dieter Bleul über den Markt. „Weit gekommen sind wir noch nicht und haben relativ schnell am ersten Glühweinstand Halt gemacht“, sagt der 65-Jährige lachend. Wie das Quartett meint, wolle man an beiden Tagen kommen und mit essen und trinken die Vorweihnachtszeit genießen. Dass Weihnachtsmärkte zunehmend durch die Mägen gehen, macht vor allem Beschickern zu schaffen, die Weihnachts- und Gebrauchsartikel verkaufen. Für sie hatten die Babenhäuser Geschwister Ilse Hauff und Ute Hasenzahl eine gute Nachricht: „Wir schauen auch nach schönen Sachen zum Dekorieren und Verschenken“, führten sie an. Ute Hasenzahl trug ein leuchtendes Filz-Tannenbäumchen nach Hause, zudem überlegte sie, an einem Stand mit Fell- und Wollwaren Trachtensocken für ihren Mann und dessen nächsten Oktoberfestbesuch zu erwerben. Wunderschöne Ketten bildeten die Auslage von Gabriele Weishaupt.

Der Langstädter Posaunenchor spielte am Samstag auf dem Marktplatz.

Die Frau, die seit 30 Jahren in Babenhausen wohnt, trat zum ersten Mal beim lokalen Weihnachtsmarkt als Beschickerin auf. Vor etwa zehn Jahren begann sie als kreativen Ausgleich zu ihrem Beruf mit diesem Hobby. Verwendung finden hochwertige Süßwasser-, Biwa- und Austernperlen und Steine wie Jaspis, Türkise, Rosenquarz oder Onyx. Zu ihrem Hobby kam Weishaupt, als einmal die passende Kette zum Kleid fehlte. „Warum diese nicht einfach selbst machen?“, lautete die zukunftsweisende Frage. Als persönliches Erkennungsmerkmal wird jede Kette mit einem kleinen Engel versehen. „Jeder Mensch braucht einen Engel und in jedem Menschen steckt ein Engel“, ist das Credo von Weishaupt. Das passte nicht nur hervorragend Weihnachtsmarkt, sondern empfiehlt sich darüber hinaus als kleine Weisheit für jeden Tag.

VON MICHAEL JUST

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare