Weihnachtskonzert des Hergershäuser Blasorchesters

Zum Abschied „Gruß an Kiel“

Das Weihnachtskonzert der Hergershäuser Bläser war auch Abschiedsvorstellung von Dirigent Mathias Müller. - Foto: Just

Hergershausen -  Das Weihnachtskonzert des Hergershäuser Blasorchesters bot die ganze Bandbreite sinfonischer Blasmusik und glänzte durch unterhaltsame Moderation. Von Michael Just

Wo liegt Dschibuti? Die wenigsten Hergershäuser kennen dieses Land oder werden jemals dorthin kommen. Und trotzdem kam beim Weihnachtskonzert des Hergershäuser Blasorchesters plötzlich Interesse für die kleine afrikanische Republik auf. Moderator Tobias Kämmerer packte es nämlich in seine Ankündigung für den Titel „Gruß an Kiel“, einen Marsch von Friedrich Spohr. Dabei schlug er eine Brücke zu Dirigent Mathias Müller: Der war kürzlich in Ostafrika und spielte dort als Mitglied des Bundeswehr Heeresmusikkorps Veitshöchheim zum Empfang der Fregatte Bayern genau dieses Stück.

Bei dieser Information ließ sich staunen, wo es Profi-Musiker überall hin verschlägt. Die meiste Zeit verbringt der Dudenhöfer, der seit seinem achten Lebensjahr Trompete spielt, aber in Deutschland. Schließlich fungiert er in seiner Freizeit als engagierter Orchesterleiter.

Davon ließ sich beim jüngsten Weihnachtskonzert erneut ein Bild machen. Wie die Jahre zuvor, zeigte sich das Bürgerhaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Besucher erwartete ein Ausflug in verschiedene Stilrichtungen und höchst unterschiedliche Genres. Ausgesucht hatte sie Dirigent Mathias Müller, der bekanntermaßen kein Freund von Motto-Konzerten ist. „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sollte man dem Publikum stets die ganze Bandbreite sinfonischer Blasmusik demonstrieren“, sagt er.

Los ging es mit „Unity Fanfare“ von Otto M. Schwarz, einem Stück, das feierlich Großes ankündigt. Auf die Ouvertüre aus Nabucco folgte berühmte Filmmusik mit „Can you feel the love tonight“ aus dem König der Löwen. Hier wartete das Konzert mit einer Überraschung auf: Markus Lenhardt sang plötzlich den Oscar-Klassiker von Elton John. Damit wurde ein Überraschungseffekt gelandet, denn Gesangsintermezzi sind bei Blaskonzerten in Babenhausen eher ungewöhnlich. Mit Markus Lenhardt stand ein Sänger auf der Bühne, der ebenfalls zum Heeresmusikkorps Veitshöchheim gehört und den Mathias Müller zur Unterstützung gewinnen konnte.

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Nach der Pause durfte sich das Publikum ein zweites Mal freuen, als Lenhardt sich einem Medley von Michael Buble mit reichlich Swing- und Latinelementen widmete. Das unbeschwerte Lebensgefühl, das dabei versprüht würde, sogen die meisten Zuhörer nur so auf. Moderator Kämmerer hatte das Publikum zuvor schon dazu aufgefordert, die vier Stücke des Medleys ganz unbeschwert zu genießen. Wer wolle, könne gerne aufstehen, tanzen, ekstatisch sein und „die Biester rauslassen“. Im fünften Jahr als Moderator blieb Kämmerer, der im Babenhäuser Ortsteil wohnt und beim Hessischen Rundfunk seine Brötchen verdient, seiner Linie treu, frei und unbeschwert von der Leber weg zu plaudern und eine steife Etikette an der Garderobe abzugeben. Höchst informativ, aber sehr direkt, hat sein Mitwirken stets einen eigenen Unterhaltungswert.

Während Kämmerer dem Blasorchester wohl auch kommendes Jahr als Moderator erhalten bleibt, müssen sich Musiker und Publikum von Dirigent Mathias Müller verabschieden: Nach fünf Jahren will er eine neue Aufgabe bei der Stadtkapelle Seligenstadt angehen. Davor demonstrierte er aber nochmal seine ganze Kompetenz als Dirigent und Programmgestalter beim Weihnachtskonzert. Nachdem das Jugendorchester, dirigiert von Kilian Kumpf, den zweiten Teil eröffnet hatte, erklang vom Hauptorchester Filmmusik aus „Beauty and the Beast“. Mit Music von John Miles wurde abermals tief die Emotionen des Publikums angesprochen. Bis dahin war noch nichts Weihnachtliches zu hören gewesen. Erst bei der Zugabe wurde es adventlich, darunter mit einem Medley großer und bekannter Stücke zum Fest. Das passte zum Bogen, den das Orchester schlagen wollte: Erst der ganze Kosmos sinfonischer Blasmusik, dann das weihnachtliche i-Tüpfelchen. „Mission erfolgreich“, ließ sich in den Gesichtern der Zuhörer auf deren Nachhauseweg ablesen.

Quelle: op-online.de

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