Zurückhaltung vor dem Nikolaus

+
Gut kam die lebende Krippe beim Babenhäuser Weihnachtsmarkt an. Den Esel hätte die zehnjährige Isabell am liebsten mitgenommen...

Babenhausen - Als der Nikolaus auf den Marktplatz kommt und die Kinder mit Lebkuchen beglücken will, sind nicht alle von seinem Anblick angetan: Vor allem den Kleinsten ist der fremde Geselle, der mit seinem echten weißen Bart eigentlich gar nicht so befremdlich wirkt, unheimlich. Von Michael Just

„Der macht nix. Da gehen auch andere Kinder hin“, ermutigt eine Mutter ihre Tochter, die wie angewurzelt dasteht. „Trau dich. Ich war nicht lieb, du schon!“, probiert es der Vater mit einem anderen Spruch aus der Trickkiste. Direkt daneben lässt sich ein anderes Kind trotz mehrmaliger Aufforderung der Eltern partout kein Dankeschön nach der Lebkuchenübergabe entlocken. „Der Papa sagt danke“, erklingt es seufzend. .

Rentner Rudolf Diehl, der unter dem roten Mantel steckt, sieht die zahlreichen Szenen gelassen: „Für kleine Kinder ist das Verhalten normal. Deshalb darf man sie nicht überrumpeln oder drängen“, sagt der ehemalige Sozialarbeiter.

Bei der dreijährigen Selin führen seine sanften Worte recht schnell zum Platzen des Knotens: Nach anfänglicher Zurückhaltung sagt sie dem Nikolaus ihren Namen und kurz darauf steht ihr ein Lächeln ins Gesicht geschrieben, als sie den Lebkuchen vor Augen hält. Mama Christin Sosniok und Papa Kay Kapraun sind erleichtert.

Mit dem Nikolaus kam am Samstag nicht nur die Dunkelheit, auch die meisten Besucher fanden nun den Weg - sehr zur Freude des ausrichtenden DRKs und des Cheforganisators Helmut Fendt. Rund 70 Stände hatte er erneut in der Innenstadt platziert. Eine besondere Freude bereitete ihm der Bühnenwagen vor der Stadtkirche, auf dem immer wieder lokale Musikanten und Sänger auftraten. „Anderenorts sieht man oft nur einen Posaunisten. Bei uns ist es vielfältiger, was aber nur geht, weil die Akteure finanziell die Kirche im Dorf lassen“, erklärt er. Das versuche auch das Organisations-Team: „Wir haben seit 20 Jahren die gleiche Standgebühr.“ Anders gehe es nicht: „Sonst bleiben die Geschenkartikelverkäufer fern, deren Geschäfte nicht mehr so wie früher laufen.“

Bilder vom Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmarkt lockt Besucher in die Altstadt

Wer noch nichts für unter den Christbaum hat, dem bot der 39. Weihnachtsmarkt reichlich Gelegenheit, fündig zu werden: Ob Pfannen oder Töpfe, Handtaschen, Silberschmuck, Kleidung, Gürtel, Spielsachen oder Hüte - vor allem die Schlossgasse hatte etwas von einer Einkaufsmeile mit mehr oder weniger hochwertigen Artikeln fliegender Händler. Während einigen Besuchern die Bandbreite zu groß erschien, hatten andere nichts gegen die Vielfalt. Die zeigte sich auch beim Essen, wo der Metzgereiwagen von Philipp Heist aus Fränkisch-Crumbach nicht weit vom Asia-Imbiss stand. „Der Schwartenmagen geht am besten“, sagte der Odenwälder mit Blick auf sein deftiges Sortiment. Wie das Nasi Goreng bei den Köchen aus Fernost gefragt war? Um 19 Uhr standen die Hungrigen in Dreier-Reihen vor dem Wagen.

Das Hungergefühl kam nicht von ungefähr: Zusammen mit dem Hobbykünstler-Markt in der Stadtmühle, bei dem auf drei Etagen zwei Dutzend Aussteller ein buntes Meer vor allem an Deko-Artikeln zeigten, ließen sich bei dem großen Angebot viele Meter zurücklegen. Insgesamt kam der Markt gut an, auch wenn einige Befragte mehr Bratwurststände erwartet hätten.

Mit dem Wetter hatten die Ausrichter Glück: Die ganze Woche verfolgte Fendt den Wetterbericht im Internet und sah, wie die Regenankündigungen sich stets nach hinten verschoben. Während sich einige Besucher Schnee gewünscht hätten, teilt der DRK-Vorsitzende diese Meinung nicht: „Es braucht keinen Schnee. Dann kommen nämlich nur wenige von auswärts.“ Dass das verhältnismäßig milde Wetter den Bierabsatz ankurbelt, erwies sich als Trugschluss. Obwohl es das kühle Blonde an vielen Ecken gab, bevorzugten die meisten Glühwein. Nur Holger Stutt hielt sich bei den SG-Handballern am Gerstensaft fest: „Bevor ich Glühwein trinke, muss es schon minus zehn Grad kalt sein“, sagt er.

Quelle: op-online.de

Kommentare