Weit mehr als nur Betreuung

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Tagesmütter werden derzeit gebraucht und gesucht. Eine Ausstellung in der Seniorenresidenz wirbt gerade um den „Bildungsort Kindertagespflege“.

Babenhausen - Die Tage sind gezählt: Ab 1. August wird sich zeigen, ob es den Städten, Gemeinden und Landkreisen gelingt, die Vorgabe der Bundesregierung zu erfüllen, für jedes Kind unter drei Jahren einen Krippenplatz zu schaffen. Von Michael Just

„Wir setzen uns jeden Tag mit den neuesten Wasserstandsmeldungen auseinander“, beschreibt Babenhausens Bürgermeisterin Gabi Coutandin bildlich den Druck, der mit der Prüfung oder Ausweitung der Plätze in den lokalen Kitas verbunden ist. Eine weitere Möglichkeit, Kleinkinder unterzubringen, sind Tagesmütter und -väter. Ihr Bedeutung ist mit dem gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz enorm gestiegen.

Doch wie wird man Tagesmutter? Wichtige Informationen dazu gibt nun eine Wanderaustellung in der Seniorenresidenz. Seit Mittwoch stehen dort 15 große Infoständer, die vom Hessischen Sozialministerium, der Karl-Kübel-Stiftung sowie dem Hessischen Kindertagespflegebüro konzipiert wurden. Stadtverordnete Monika Heinlein (CDU) setzte sich dafür ein, dass die Schau nach Babenhausen kommt. Von der Stadtverwaltung wurden die Rahmenbedingungen geschaffen, die in der Seniorenresidenz einen Partner für die Lokation fand. Zur Eröffnung kamen unter anderem Evelyn Klemt, zuständig beim Landkreis für Familienförderung/Kindertagespflege, Ute Miszewski von der Karl-Kübel- Stiftung sowie Olga Janzen vom Hessischen Kindertagespflegebüro.

„Derzeit haben wir 120 Tagesmütter im Landkreis. Die stellen 250 Plätze für U3 zur Verfügung“ sagt Evelyn Klemt. Sie berichtet von einem anfänglich großen Zuwachs an Tagesmüttern, mittlerweile stagniere es aber. Hinzu käme eine hohe Fluktuation. „Da in der Regel zuhause betreut wird, muss die Sache ganz genau zu den familiären Bedingungen passen“, so die Expertin. Einige Tagesmütter widmeten sich der Sache zudem nur so lange, bis die eigenen Kinder in die Schule kommen.

Klemt hatte auch Zahlen für Babenhausen parat: In der Gersprenzstadt gibt es derzeit acht Tagesmütter und einen Tagesvater, die insgesamt 31 Plätze offerieren. 22 seien von unter Dreijährigen belegt.

Für die Tagespflege haben Land und Kreis Fördertöpfe eingerichtet. Die Eltern, die ihre Kinder abgeben, tragen ebenfalls zum Einkommen der Tagesmütter bei. Maximal werden fünf Kinder betreut. Für Eltern bietet sich vor allem der Vorteil, dass die Tagespflege sich als äußerst flexibel mit individuellen Betreuungszeiten zeigt.

Doch wie wird man denn nun Tagesmutter? „Zu Beginn sollte eine Beratung stehen, was da genau auf mich zukommt“, erklärt Klemt. Dann folgen gegenwärtig 45 Zeitstunden Qualifizierungsunterricht sowie ein Erste-Hilfe-Kurs. Pro Jahr gesellen sich 20 Weiterbildungsstunden hinzu. Die Ausbildung ist kostenlos und wird komplett vom Landkreis bezahlt. Dazu sind Zuschüsse für die häusliche Ausstattung möglich. Bevor die Tagesmütter starten, prüft der Kreis nochmal deren persönliche Eignung sowie die Räume. Laut Klemt bringt das Berufsbild diverse Herausforderungen mit sich: die psychologische Handhabe der Kinder, Pädagogik, Kochen und Verpflegung, die Selbstständigkeit und eine Reihe rechtlicher Fragen seien alles andere als unwichtig. Kindertagespflege ist weit mehr als nur Betreuung. Der Bildungs- und Erziehungsaspekt steigt stetig. Ob es deshalb bei den derzeit 45 Ausbildungsstunden bleibt, ist abzuwarten.

Laut dem Kinderförderungsgesetz will die Landesregierung diese auf 160 Stunden für eine Qualifikation erhöhen. Die Opposition sieht das als Einstiegshindernis und ist dagegen. Die Weiterentwicklung wird sich nach der Landtagswahl im Herbst zeigen.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg geht man derzeit bei der Bedarfsplanung von 42 Prozent für U3 aus. Diese Zahl hat sich die letzten Monate kontinuierlich gesteigert. So gibt es Kommunen mit 60 Prozent, aber auch andere mit lediglich 25 Prozent. Egal wo die Prozentzahl letztlich liegt – Tagesmütter sind gefragter denn de. Die Stadt Babenhausen will dem Thema jetzt mit einer Anlaufstelle gerecht werden. Das Frauenforum hat seine Mitarbeit bereits zugesichert und will sich um die Beratung kümmern. Die Info-Ausstellung macht zwei Wochen Station. Sie kann täglich, auch an den Wochenenden, von 8 bis 18 Uhr in der Seniorenresidenz, Ostring 48, eingesehen werden. Am 28. Mai zieht sie weiter nach Kriftel.

Weitere Infos im Internet:

Quelle: op-online.de

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