Weiter Wirbel um Sirenenmast

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Der Initiator der Unterschriften-Aktion, Günter Klar, mit dem Gegenstand der Debatte im Hintergrund.

Harreshausen - Seit zwei Wochen steht der Mast gut sichtbar im Ort - und erregt die Gemüter. Der etwa 17 Meter hohe Stahlspargel beim Kindergarten dient zur Befestigung elektronischer Hochleistungssirenen, mit denen die Feuerwehren nach und nach ausgerüstet werden. Von Stefan Scharkopf

 Hintergrund der Maßnahme ist die Einführung der Alarmierung der Brandschützer via Digitalfunk – eine gesetzliche Vorgabe, die die Kommunen umzusetzen und zu bezahlen haben. Nach Auskunft aus dem Rathaus hat die Stadt 250.000 Euro für die Anschaffung der erforderlichen Digitalfunkgeräte bereitgestellt - ein Preis, der noch relativ günstig ist, weil im Paket gekauft. Nach und nach werden die Geräte in der Kernstadt und den Stadtteilen nun nachgerüstet.

Dass die Feuerwehr mit der neuen Technik aufgerüstet wird, ist auch nicht Gegenstand der Kritik. Anwohner wehren sich aber gegen den Standort und sprechen von einem „Monster-Mast, der die umstehenden Häuser überragt“. „Der neue Schandfleck ist zum Gespött vieler Bürger geworden“, sagt Günter Klar, der zusammen mit Anwohnerin Anne Schimsheimer am 11. November eine Unterschriftenaktion gestartet hat. Die direkten Anwohner, Bürger, Eltern und Mitarbeiterinnen des Kindergartens wehren sich mit Unterschriften gegen dieses Projekt und fordern eine Umsetzung der Anlage an einen geeigneten Platz.

Im Ernstfall durch Sirenenlärm und Blitzeinschlag gefährdet?

Die Initiatoren fürchten, dass Kinder und Anwesende im Kindergarten im Ernstfall durch Sirenenlärm und Blitzeinschlag gefährdet würden. Zudem verschandele die 17 Meter hohe Anlage nachhaltig das Ortsbild in direkter Umgebung zu denkmalgeschützten Objekten.

Weder der Ortsbeirat noch die Bürger seien sachgerecht über das Vorhaben, den genauen Standort und die Größe der Anlage informiert worden. Die Magistratsmitglieder seien über das Ausmaß des Vorhabens nicht informiert und die eigentliche Entscheidung im Magistrat auch nicht beraten worden. Das Vorhaben sei an den betroffenen Bürgern und den vorgesehenen Beteiligungsgremien vorbei „durchgezogen“ worden, so Klar.

Der Aufruf der Anwohner zur Unterschriften-Aktion sei überparteilich und mit Mitgliedern des Ortsbeirates und auch einigen Magistratsmitgliedern abgestimmt worden. Er und seine Mitstreiter wollten nun wissen, wer den Standort festgelegt hat, welche Alternativen wann, von wem und mit welchem Ergebnis untersucht wurden, und wie es sein könne, dass das Bauamt in einem Landschaftsschutzgebiet mit vielen Auflagen ein solches Bauwerk genehmigt hat. Weder die betroffenen Eltern, Mitarbeiterinnen des Kindergartens, Ortsbeiräte noch die Magistratsmitglieder seien über das Vorhaben sachgerecht informiert worden.

Am Mittwoch gab es ein Gespräch, an dem neben Klar Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Stadtbrandinspektor Mario Wörner, Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht, Stadtrat Volker Mürle und die Ortsbeiräte Irmgard Petit und Joachim Funk teilnahmen. Coutandin sagte auf Anfrage, dass der Mast natürlich nicht ästhetisch ansprechend sei, für sie aber der Sicherheitsaspekt die entscheidende Rolle spiele. Die Entscheidung für den Standort hätten das Fachamt und die Feuerwehr herbeigeführt, diese seien die Experten. Darauf müsse sie sich verlassen. Der Bauantrag habe die zuständigen Instanzen durchlaufen und auch der Magistrat habe davon gewusst. In den Beratungen zu den Etats 2010 und 2011 sei das Thema angesprochen worden und sie habe presseöffentlich im Februar darauf hingewiesen, dass die ersten Masten nun kämen.

Alternativen wurden geprüft

Im Vorfeld seien Alternativen zwar geprüft, aber letztlich verworfen worden: der Hof im ehemaligen Feuerwehrhaus (zu eng), der Oberwölzer Platz (kein Strom), die Mehrzweckhalle (zu weit entfernt), das Dach auf dem alten Rathaus (nicht hoch genug).

Coutandin will jetzt die Angelegenheit nochmal im Rathaus behandelt wissen. Geprüft werden soll nun, ob der Mast doch an den Oberwölzer Platz verlagert werden kann und der Magistrat dem zustimmt. Das Problem laut Stadtbrandinspektor Mario Wörner: Der Elektronikschrank und die Sirenen können weiter verwendet werden, die Stahlelemente vermutlich nicht; sie sind miteinander verzahnt und müssten verschrottet werden, was freilich die Kosten noch mal nach oben schraubt.

Klar berichtet von einem konstruktiven Gespräch, bleibt aber bei seinem Standpunkt und will seine Unterschriftenaktion – bisher haben über 100 Harreshäuser unterschrieben – bis zum Wochenende weiterführen. In seiner Garage gegenüber des Kindergartens gibt es einen Info-Stand.

Coutandin und Mario Wörner wundern sich über die Klagen aus Harreshausen. In Sickenhofen stehe ein Mast ebenfalls am Kindergarten; niemand habe dort ein kritisches Wort verloren. Überdies würden die Sirenen nur bei großen Schadensfällen eingesetzt, der Einsatz der Feuerwehr basiere in den meisten Fällen auf stillem Alarm.

Quelle: op-online.de

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