Welcher Standort soll es sein?

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Der Ortsbeirat Harreshausen mit Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht (rechts) und viele Bürger besichtigten drei potenzielle Baugebiete. Bei dem Rundgang wurden Vorteile und Nachteile der Varianten erörtert

Harreshausen - Seit Jahren drängt Harreshausen auf die Ausweisung eines neuen Baugebiets. Drei mögliche Standorte hat die Stadtverwaltung von Babenhausen inzwischen ausgeguckt. Von Ulrike Bernauer

Am Freitagabend besichtigte der Ortsbeirat von Harreshausen zusammen mit gut 40 interessierten Bürgern die in Frage kommenden Gebiete. „Mir ist es ganz wichtig, früh die Bürger einzubinden“, sagte Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht, „ich will nicht, dass nach der Ausweisung eines neuen Baugebietes ein Riss durch das Dorf geht und die Bürgerschaft sich uneins ist.“ Ausdrücklich erwünscht waren deshalb auch die Stellungnahmen der Bürger, die zur Begehung gekommen waren.

Die hielten sich bei der ersten Variante noch zurück. Sehr klein ist es mit 3800 Quadratmetern, dafür idyllisch gelegen zwischen dem Auweg und der Mehrzweckhalle. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist es als Grünzug ausgewiesen, bisher sind für diesen Bereich also keine Wohnbauflächen vorgesehen. Das ließe sich aber leicht ändern, wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin erklärte. „Flächen dieser Größe können von der Stadtverordnetenversammlung in ihrer Nutzung verändert werden.“ Das gelte für alle drei Areale, die die Verwaltung ins Auge gefasst hat.

Nachteile des potenziellen Baugebiets

Nachteile dieses potenziellen Baugebiets seien die Nähe zur Gersprenz – damit bestehe Überflutungsgefahr – und dass später keine Ausweitung möglich sei. Zudem sei bei einer Baugebietsausweisung eine umfangreiche Erweiterung des Kanalnetzes nötig. Dies betrifft mutmaßlich allerdings alle drei Baugebiete, Ortsvorsteherin Koch-Vollbracht geht davon aus, dass auch bei einem nur geringen Zubau die Kapazität des Kanals in der Gersprenzstraße, also dem Endstück vor der Kläranlage, überfordert ist.

Das wäre auch bei dem Baugebiet „Östlich des Friedhofs“ der Fall, hier handelt es sich mit 13.000 Quadratmetern um das größte Stück. Auch hier sieht der Flächennutzungsplan ein Areal für die Landwirtschaft vor. Die Verwaltung geht von einer kostenintensiven Erschließung aus. Lediglich die Anbindung stelle sich relativ einfach dar, sie könnte über den Aschaffenburger Weg erfolgen. Ein Nachteil hier liegt darin, dass in diesem Gebiet keine Flächen in städtischem Besitz sind.

Das wäre beim Baugebiet „Südliche Bürgermeister-Hartmann-Straße“ mit 7700 Quadratmetern Größe der Fall, im Flächennutzungsplan ist dieses Gebiet bereits als Wohnbauland ausgewiesen. Hier wäre auch die unmittelbare Anbindung an den Kanal kein Problem, da hier Überkapazitäten bestehen. Lediglich der Endkanal bereitet mutmaßlich Sorgen. Um dieses Problem zu klären, wird Bürgermeisterin Coutandin dem Ortsbeirat noch vor seiner Sitzung am Mittwoch die genauen Fakten über die Kanalsituation in Harreshausen zukommen lassen.

Anregungen der Bürger

Einige Anregungen der Bürger konnte der Ortsbeirat von dieser Begehung mitnehmen. So warb ein Bürger dafür, dass die Anbindung des Baugebiets „Südliche Bürgermeister-Hartmann-Straße“ doch über östlich gelegene Straßen erfolgen solle, da die westlich gelegenen Straßen mit dem Kinderspielplatz und schon jetzt hohem Verkehr bereits deutlich überlastet seien.

Eine ganz andere grundsätzliche Frage und Anregung eines Bürgers mochten die Mitglieder des Ortsbeirates und auch die Bürgermeisterin nicht teilen. „Ist es in Zeiten des demografischen Wandels überhaupt sinnvoll, ein neues Baugebiet auszuweisen?“, wollte der Harreshäuser wissen, „in ländlichen Gegenden herrscht schon jetzt Landflucht und die Dörfer veröden.“ „Wir sind im Rhein-Main-Gebiet, hier wird immer noch Wohnraum gesucht“, so die Antwort von Coutandin.

Voraussichtlich bei der nächsten öffentlichen Ortsbeiratssitzung am Mittwoch, 26. September, um 20 Uhr im Alten Rathaus wird die Empfehlung für ein Baugebiet getroffen. Letztendlich wird allerdings nicht der Ortsbeirat, sondern die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, welche Fläche ausgewiesen werden soll.

Quelle: op-online.de

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