Welten mit Zauberern und Mumien

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Die Ergebnisse der Schreibwerkstatt präsentierten jetzt 20 Schüler der Offenen Schule. Die Schreibwerkstatt soll gleichermaßen Interesse am Schreiben und am Lesen wecken.

Babenhausen - Wenn Königreiche, Meerjungfrauen, Zombies, wandelnde Skelette, Zauberer, Vampire, Mumien, Riesen und Zwerge oder Schleimmonster in großer Zahl auftauchen, muss reichlich Fantasie im Spiel sein. Von Michael Just

So geschehen bei der jüngsten Schreibwerkstatt der Offenen Schule, deren Ergebnisse jetzt präsentiert wurden. Rund 20 Schüler lasen ihren Mitschülern Passagen aus ihren erstellten Werken vor und gaben Einblicke in ihre Vorgehensweise.

Betreut wurde das Projekt von Deutschlehrer Wolfgang Seidl, fachliche Unterstützung gab es von Jens Schumacher. 1974 geboren, arbeitet der Mainzer seit Ende der neunziger Jahre als freier Autor von Kinder- und Erwachsenenstoffen. Bis heute erschienen rund 60 Buchtitel in unterschiedlichen Genres, darunter Gruselgeschichten, Krimis, interaktive Spielbücher und Jugendserien, die in zahlreiche internationale Sprachen übersetzt wurden.

Bei der siebten Neuauflage der Schreibwerkstatt konnten die Fünftklässler, die für die Teilnahme an diesem Projekt von ihren Deutsch-Lehrern vorgeschlagen wurden, sich im Fantasie-Bereich versuchen. Unter dem Titel „Der kleine Weltbaukasten – Fantasie-Erzählungen selbst gemacht“ wurde aber nicht gleich der Griffel in die Hand genommen und los geschrieben, was das Zeug hielt. Zuerst wurde auf einem Blatt Papier eine Fantasiewelt kreiert, meist in Form einer Insel mit Vulkanen, Wasserfällen und Regenwäldern, um eine räumliche Grundlage für die Handlung zu haben. „Das hat J. R. R. Tolkien bei seinem ,Herr der Ringe’ genauso gemacht“, weiß Schumacher. Gehe man nicht so vor, handele man zu abstrakt. Auch bei den Wesen schauten die Schüler, wie sie diese gestalten können – erst dann ging´s ans Schreiben. „Gerade bei Kindern und auch generell ist es wichtig, das Material vorneweg zu ordnen, um eine Struktur reinzubringen“, erläutert der Fachmann. Doch was wäre eine fantastische Erzählung ohne fantastische Namen? Hier bedienten sich die Nachwuchsautoren eines simplen wie wirkungsvollen Prinzips: Aus einem Latein-Wörterbuch wurden Begriffe herausgezogen und mit anderen Endungen versehen. So entstanden geheimnisvolle Inselnamen wie Sakuria, Prolixien oder Tripluania.

Die Ergebnisse der 20 Nachwuchsautoren können sich im doppelten Sinne sehen beziehungsweise nachlesen lassen: In der Bibliothek sind alle Kurzgeschichten in mehreren sogenannten „Readern“ gebunden, die 113 Seiten abwechslungsreichen und abenteuerlichen Lesestoff bieten.

Im nächsten Jahr wird es erneut eine Schreibwerkstatt geben, die dann zum dritten Mal unter der fachlichen Betreuung von Jens Schumacher steht. Das Thema lässt sich jetzt schon vorhersagen: Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit erneut um Fantasie-Geschichten gehen. „Das Thema kommt immer gut an“, lässt Schumacher keinen Zweifel am Genre. Dazu sei es für Kinder und Jugendliche prädestiniert: „Kinder sind bei diesem Thema viel kreativer als Erwachsene, weil sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und sich nicht so viele Gedanken machen.“ Und noch ein weiterer Grund komme hinzu: „Seit Harry Potter ist es recht einfach, auf diesem Gebiet Interesse zu wecken.“

Quelle: op-online.de

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