Das Weltlädchen feiert und erinnert sich

Die Pullover: viel zu klein

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Ein Teil des engagierten Weltlädchenteams

Babenhausen - Eine kleine Feier zum Jubiläum: Das Weltlädchen in Babenhausen gibt es nun schon seit 20 Jahren. Da kamen einige Erinnerungen auf. Von Petra Grimm

„Vor 20 Jahren wurde das Weltlädchen gegründet“, sagte Helga Heintzenberg. Sie war Gründungsmitglied und ist die Vorsitzende des „Eine-Welt-Vereins“, der den Laden mit fair gehandelten Produkten in der Schlossgasse 2 in Babenhausen betreibt. Viele Freunde, Mitglieder und Kunden des gemeinnützigen Projekts waren zur kleinen Feier vorbeigekommen. An die Anfänge erinnert sich Renate Mertens, ebenfalls eine Frau der ersten Stunde, noch gut: „Begonnen hat alles mit Tapeziertischen in der Fußgängerzone, auf denen wir fair gehandelten Kaffee, Honig, Tee und andere Grundprodukte verkauft haben. Das fand im Rahmen der Aktion ,Brot für die Welt’ der evangelischen Kirchengemeinde statt. Daraus, und weil es im Winter so kalt war, ist die Idee für den Laden entstanden“, erzählte Mertens. Eine wichtige Rolle als Initiatoren haben Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein und Pfarrerin Karin Greifenstein gespielt, die damals als Geistliche der evangelischen Gemeinde im Einsatz waren.

Seither hat sich einiges geändert. Zweimal wechselte der Laden, der zuerst als Untermieter von Naturkost Diehl in der Amtsgasse 7 zuhause war, seinen Standort. „1989 sind wir in die Fahrgasse 28, in die früheren Räume der Bäckerei Spiehl umgezogen, und seit 2010 sind wir in der Schlossgasse 2“, sagte Marga Jonas, die zweite Vorsitzende des Trägervereins, der rund 40 Mitglieder zählt. Davon machen 25 auch Dienst im Laden, dessen Sortiment sich über die Jahre ebenfalls geändert hat. Während am Anfang vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern produzierte Nahrungsmittel wie Kaffee, Tee, Gewürze und Schokolade in den Regalen standen, finden die Kunden inzwischen auch Geschenkartikel wie Taschen, Schmuck, Tücher, Spielzeug und andere Handwerksprodukte.

Partnerschaftliche Handelsbeziehungen

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Diesen Waren gemeinsam sind die sozial- und umweltverträglichen Produktionsmethoden und Arbeitsbedingungen, die den Menschen in den südlichen Ländern ein menschenwürdiges Leben sichern sollen. Vom „normalen“ Handel unterscheiden sich die partnerschaftlichen Handelsbeziehungen durch höhere Erlöse für die Produzenten, Vorfinanzierung der Ernten und finanzielle Unterstützung für soziale Verbesserungen.

Informationen darüber, was sich in Deutschland verkaufen lässt, was dem Geschmack der Kunden entspricht, werden inzwischen stärker zu den Produzenten transportiert. „Ich erinnere mich noch gut an die ersten Pullover aus Alpakawolle, die wir bekommen haben. Die waren alle viel zu klein. Die Hersteller wussten nicht, wie groß und kräftig die Deutschen sind“, sagte Renate Mertens schmunzelnd und zeigte auf ein Keramik-Geschirrservice aus Thailand. Das sei für Mikrowellen und Spühlmaschinen geeignet, weil der hiesige Markt es erfordere. Da muss ein Spagat gemacht werden. Denn es soll den Menschen, die die Sachen produzieren, ja gleichzeitig möglich sein, ihre traditionellen Handwerks- und Kulturtechniken einzubringen. Aber mit Ladenhütern ist auch niemandem geholfen.

Das Lädchen trägt sich selbst

Das Weltlädchen in Babenhausen trägt sich. Das heißt, die nötigen Mittel für die Finanzierung der Waren, die Miete und den Strom kommen durch den Verkauf rein. Aus den Beiträgen der Vereinsmitglieder werden zusätzlich noch verschiedene Projekte unterstützt. „Unser Hauptprojekt ist ein Gesundheitsprojekt in Bolivien, das Consejo de Saludad Rural Andino, das wir seit 1993 unterstützen“, sagte Helga Heintzenberg. Für weitere Hilfsprojekte in Afrika und die Aktion „Ferien vom Krieg“ spenden sie ebenfalls regelmäßig. Um den fairen Handel in Babenhausen bekannter zu machen, laden die Frauen zu Kochabenden und Infoveranstaltungen. Beliebt ist auch das traditionelle „Frühstück uff de Gass“.

Durchhaltevermögen können sich auch die Gründungsmitglieder bescheinigen: Fast alle engagieren sich heute noch. Neben Helga Heintzenberg, Marga Jonas und Renate Mertens sind Hanne Marschall, Claudia Matthias, Gudrun Müller, Beate Klotz-Reichel, Anne Schimsheimer und Ruth Selzer-Breuninger vom ersten Tag an dabei. Weitere Helfer, die das Team des Weltlädchens unterstützen wollen, sind willkommen.

Quelle: op-online.de

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