Weltmeisterliche Weinverkostung

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Feucht-fröhliche Weinverkostung im Jahr der Fußball-WM: Auch hier ging es um Punkte und Tore.

Harpertshausen ‐ Kann ein Wein Tore schießen? Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft ist alles möglich und auf dem Papier sowieso. Bei genauerem Blick erwies sich die „Harpertshäuser Wein-WM 2010“ als ausgeklügelte Weinprobe, die vom evangelischen Kirchenvorstand organisiert wurde. Von Michael Just

Freunde des vergorenen Rebensaftes konnten dabei nicht nur reichlich probieren, sondern mittels Punkte, die kurzerhand als Tore ausgewiesen wurden, zum Schluss sogar einen Weltmeister küren. Die Idee zu diesem außergewöhnlichen „sportlichen Aufeinandertreffen“ kam von Kirchenvorsteher Willi Schäfer, der verkostete Wein von einem Händler in Münster.

Wie Schäfer erzählt, war dies nicht der erste konkurrierende Vergleich dieser Art. Bereits im Januar fand die erste Wein-WM bei der Klausurtagung des neugewählten Harpertshäuser Kirchenvorstandes statt. Die Idee: Bei einem guten Tropfen lässt sich doch viel leichter die Kollegen kennen lernen. Als damaliger Wein-Weltmeister entpuppte sich übrigens Deutschland.

Die Idee zur „Vino-WM“ findet auch Doris Bubeck, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand, gut: „Die Wohnzimmeratmosphäre hier fördert in besonderer Weise die Gemeinschaft“, sagt sie. Da die Einladung an alle Bürger ausging, erhalte man zudem Kontakte zu Menschen, die sonst keine Kirchgänger sind.

Acht Länder mit je einem Rot- und Weißwein dabei

„2010 passt für eine Wein-WM besonders gut“, führt Schäfer an und begründet dies gleich zweifach: „Südafrika ist nicht nur WM-Ausrichter sondern parallel auch eine junge, aufstrebende Weinnation.“ Insgesamt gingen acht Länder - darunter Frankreich, Italien, Spanien, Chile oder Australien - mit je einem Rot- und einem Weißwein ähnlicher Qualität und Preisklasse ins Turnier. Der Clou: Die Nationen traten im direkten Vergleich gegeneinander an, so dass jeder Gast stets zwei Gläser vor sich hatte. Mit Vorrunde und Finale standen insgesamt zwölf Weine zum Probieren an.

Schon beim Eröffnungsspiel Südafrika gegen Italien fallen die Tore recht unterschiedlich: 3:4 für Italien hat Rentner Norbert Fertig auf seinem Bewertungszettel, der etwas jüngere Alf Grimm notiert 4:2 für das Kap. „Da war sogar ein Hattrick dabei“, drückt Grimm seine Begeisterung für den Wein vom schwarzen Kontinent aus. Von einem Tor für Flop bis sechs Tore für Top können die Treffer vergeben werden.

Die unterschiedlichen Geschmäcker kommen im Verlauf des Abends immer wieder zum Vorschein. „Das wäre auch verwunderlich, wenn’s ausgerechnet beim Wein nicht um Geschmackssache geht“, wirft Schäfer ein, als über Aromen, Abgang und Holzfässer diskutiert wird. Der Organisator hat zu jedem Wein auch ein paar Infos parat. Wie er aufklärt, wird der in Deutschland so geschätzte „liebliche Wein“ international nur höchst selten getrunken. „Der süßliche Rebensaft ist eine deutsche Eigenart, dem in den anderen Ländern nur eine Außenseiterrolle zukommt“, weiß der Harpertshäuser.

„Weine müssen alle ausgetrunken werden“

Mit dem Finale vor Augen steigt zunehmend auch die Stimmung im Sälchen über der Kirche: „Die angebrochenen Weine müssen alle ausgetrunken werden“, erschallt es von Seiten des Gastgebers. „Wer bringt mich dann heim?“, kommt postwendend die mit vielen Lachern verbundene Antwort aus der Runde. Der neue Wein-Weltmeister bringt eine alte Wein- und Fußballnation auf den Thron: Frankreich holt den Titel vor Australien.

Für Alf Grimm hinkt das Turnier ein bisschen: „Eigentlich müsste Holland auch dabei sein. Die spielen doch den genialsten Fußball“, sagt er überzeugt. „Die haben aber keinen Wein“, zuckt eine Besucherin mit den Achseln und schickt hinterher: „Da bliebe nur ein Turnier mit Tomatensaft.“

Quelle: op-online.de

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