„Weniger, weiblicher und älter“

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Kann eine „Kommunale Sportentwicklungsplanung“ für besser genutzte Hallenkapazitäten in Babenhausen sorgen? Hier das Basketball-Camp des TV Babenhausen in einer der beiden Schulsporthallen.

Babenhausen ‐ Man glaubt es kaum: Lediglich 3,4 Prozent aller sportlichen Aktivitäten finden auf dem Sportplatz statt. Rennen im Wald, Radeln auf der Straße, Bahnen ziehen im Schwimmbad: Von Jens Dörr

All das nimmt quantitativ einen höheren Rang ein als etwa der Kick auf dem grünen Rasen. Auch Orte wie der Schulhof oder der Spielplatz mit Tischtennisplatte im Wohnviertel können für Kinder Orte für sportliche Aktivität sein. Dies und vieles mehr gilt es zu berücksichtigen, wenn sich eine Stadt Gedanken um ihre sportliche Zukunft macht.

Babenhausen hat erkannt, dass es eine Strategie für diese Zukunft braucht: Deshalb beauftragte der Magistrat im vergangenen Jahr das „Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung“ (IKPS), das gemeinsam mit Stadt und Vereinen eine „Kommunale Sportentwicklungsplanung“ für Babenhausen erstellen soll. Erste nähere Informationen holten sich rund 30 Frauen und Männer – überwiegend Vertreter von Babenhäuser Sportvereinen – bei einer Einführungsveranstaltung im Rathaus-Sitzungssaal am Dienstagabend.

Vereine erhielten Fragebogen

Dr. Jörg Wetterich vom IKPS, „alter Fußballer“ und wie das Institut unüberhörbar aus dem Schwäbischen, schilderte das geplante Vorgehen für Babenhausen. Erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme – Mitgliederentwicklung der Vereine, verfügbare Sportstätten, aber auch die Entwicklung des Schulstandorts Babenhausen. Die Vereine erhielten zur Ermittlung der Daten bereits einen Fragebogen, der aber noch nicht flächendeckend zurückgelaufen und damit noch nicht ausgewertet ist.

Analysiert werden kann somit erst später auch der Bedarf, den die Vereine nennen: Reicht das Angebot etwa an Hallenzeiten oder gibt es hier Handlungsbedarf? Wenn ja, zu welchen Zeiten und in welchem Umfang werden Hallenkapazitäten benötigt? Zusammen mit einer Gruppe lokaler Experten soll dann eine kooperative Planung entstehen, die das Ziel hat: fundierte Handlungsempfehlungen für Stadt und Lokalpolitik. Durch den professionellen, von der Stadt Babenhausen bezahlten Partner IKPS erhöht sich der Stellenwert der Aussagen, deren Sinn und Richtigkeit dann kaum noch angezweifelt werden dürfte.

Wie insbesondere die Babenhäuser Sportvereine den Status quo beurteilen und welche Wünsche sie hegen, wird die Auswertung der noch zu liefernden Daten zeigen. Klar ist jetzt schon: Die Stadt muss sich an den Strukturwandel anpassen. Entsprechend, das betonte auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin am Dienstag noch einmal, ist Babenhausen auch im „Stadtumbauprogramm“ des Landes Hessen drin. Zu dem gehören etwa der Bahnhofs- und der Kasernenumbau – aber eben auch das Gebiet südlich der Bahnlinie, rund um das Freibad und das Germania-Gelände.

Beschilderung von Joggingstrecken

Wie dieser Strukturwandel aussieht, veranschaulichte IKPS-Mann Wetterich im Rathaus auf verständliche Weise. Auf den Punkt gebracht: „Wir werden weniger, weiblicher, älter, internationaler.“ Zudem gebe es eine Erweiterung des Sportartenspektrums, was man nicht nur mit ganz exotischen Angeboten wie dem Sport-Stacking (sportliches Becherstapeln) des TV Babenhausen unterstreichen kann. Immer mehr Anbieter jenseits der Vereine – Fitness-Studios und Personal-Trainer etwa – mischen im Geschäft Sport mit, was auch Einfluss auf die Vielfalt der Sportstätten hat. Ganz wichtig: Die Zielgruppen sind vielfältiger als früher.

Neben dem Klettergerüst für den Fünf- und dem Kraftraum für den 20-Jährigen sind auch Angebote – und damit Räumlichkeiten - für den 70-Jährigen Gesundheitssporttreibenden vonnöten. Stets im Blick zu behalten: Auch wenn es in Harreshausen (Tennis), Langstadt (Tischtennis) und Babenhausen (Baseball) herausragende Exempel für Mannschaftssport gibt – womit die Liste erst angefangen wäre -, sind die meisten Menschen doch zumindest auch Individualsportler. Radfahren, Laufen, Schwimmen und Gymnastik erreichen die Masse noch stärker als Fußball, Handball, Basketball und Co. Manchmal genügt also auch eine gute Beschilderung von Joggingstrecken oder der Ausbau des Radwegenetzes.

Außerdem gilt es sich bewusst zu machen: Drei Viertel aller Sporttreibenden bezeichnen sich selber als „regelmäßige Freizeitsportler“. Die Nachfrage nach Wettkampfstätten für ambitionierte Athleten sollte bei der Sportentwicklungsplanung einer Stadt ergo weniger im Mittelpunkt stehen. Wie diese und weitere Erkenntnisse mit den Rückmeldungen aus Babenhausen zu einer für alle akzeptablen „Kommunalen Sportentwicklungsplanung“ für die Stadt führen können, wird die Aufgabe der Expertengruppe und des IKPS sein. Das letzte Wort liegt indes immer bei Politik und Verwaltung.

Quelle: op-online.de

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