Langstädter Ochsenstadl will weiter wachsen

Wenn Bayern auf Cowboys treffen

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Volker Krapp vor seinem Ochsenstadl, der bald ergänzt wird: Ein riesiges Blockhaus aus Finnland wird die Möglichkeiten zum Feiern in der Kleestädter Straße erweitern.

Babenhausen - Der Langstädter Ochsenstadl expandiert und will weiter wachsen - und zwar nicht, wie der Name vermuten lässt, durch mehr Rindviecher, sondern als Veranstaltungs- und Partylocation mit bayrischem Flair. Von Michael Just 

Wer sich der Langstädter Ortseinfahrt von Babenhausen her nähert, dem wird linker Hand das Silo mit der Kuh auf dem Dach auffallen. Erst der zweite Blick verrät, dass die Kuh keine Kuh, sondern einen Ochsen darstellt. Das Stadl-Erkennungsmerkmal, das nachts beleuchtet ist, hat Besitzer Volker Krapp vor Kurzem aus Bielefeld bei einem Spezialhersteller geholt, der vom Dinosaurier in Lebensgröße bis zum sieben Meter langen weißen Hai so ziemlich alles fertigt, was als Blickfang begehrt oder gewünscht wird. Mit dicken Seilen und ein paar Freunden zog Krapp das lebensechte Exemplar aufs Dach.

„Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um einen Ochsenstall in einen Ochsenstadl zu verwandeln“, erklärt der waschechte Langstädter, Jahrgang 1962. Wer ihn kennt, der weiß, dass er schon immer Sachen angegangen ist, die ungewöhnlich sind oder die Mut verlangen. 1989 begann er bereits mit dem Aufbau einer kleinen Spedition, die bis heute Sonderfahrten durchführt. 2008 machte er sich dran, den einstigen Ochsenstall der Familie, den der Vater 1980 errichteten ließ und in dem tatsächlich fast 30 Jahre lang 70 bis 80 Hornträger standen, in einen Ort für Veranstaltungen umzubauen. In der Landwirtschaft des Vaters sah er keine Zukunft. „Zuerst war die Idee, einen größeren Hofladen zu eröffnen. Aber dann bin ich in die Gastronomie gerutscht“, berichtet Krapp schmunzelnd.

Es ist vor allem das urige und das gemütliche, das die Leute in den Stadl zieht. Jener Sehnsucht von Menschen nördlich des Mains nach „blau-weiß“ hat Krapp, der selbst die bayrische Lebensart liebt, mit der Verwendung von reichlich Holz auf den insgesamt 350 Quadratmetern Rechnung getragen. Ein großer, präparierter Ochsen-Kopf und alte Ackergeräte schmücken mit anderem Utensilien, wie sie für den Freisstaat typisch sind, die Wände und die Decke. Von Frühjahr bis Silvester ist die Lokalität zu 80 bis 85 Prozent bestens gebucht. Vor allem Hochzeitsgesellschaften und Firmen kommen zum „Feiern wie in Bayern“, dazwischen gibt es immer wieder Geburtstage. Im Herbst stehen mehrere Oktoberfeste an. Zum Karnevalsbeginn ist eine Frauensitzung angesagt, später noch eine Apres-Ski-Party. Vor ein paar Monaten stellte Kulttrainer Dragoslav Stepanovic sein neues Buch hier vor. Lediglich nach Neujahr wird‘s für ein paar Wochen ruhiger, was für Renovierungsarbeiten genutzt wird. Nach fünf Jahren Stadl ist klar: Die Aufmachung füllt eine Marktlücke, dazu ist die Randlage ideal, was parken oder auch mal laute Musik angeht. „Im Ort würde sowas gar nicht mehr genehmigt werden“, weiß Krapp. Als zweites Standbein neben der Spedition angedacht, ist der Stadl für ihn längst zum Haupterwerb geworden.

Bisher ist Werbung nicht notwendig, da zufriedene Gäste das Angebot in alle Himmelsrichtungen tragen. Auf dieser Grundlage wird in der Kleestädter Straße 2 nun expandiert: In den nächsten Tagen kommt vor den Stadl noch ein Blockhaus. Mehrere Lkw bringen Baumstämme, die die finnische Herstellerfirma für ihr Holzhaus im XXL-Format vorgesehen hat. Ein Kran wird den Aufbau übernehmen. Dafür hat die Babenhäuser Stadtverordnetenversammlung kürzlich grünes Licht gegeben. Das Haus bietet künftig kleineren Gruppen um die 30 Personen Platz, die sich bisher im riesigen Stadl, trotz dem Einsatz von Trennwänden, verliefen.

Im Winter soll die Neuerung als Skihütte mit großem Kamin begeistern. Auch einen Weihnachtsmarkt kann sich Krapp vorstellen. Im Sommer erhofft er sich den Nebeneffekt, dass das Blockhaus den Biergarten aus seinem Dornröschenschlaf weckt. Der Biergarten stellt bislang das Sorgenkind dar und wird während der Öffnungszeiten am Wochenende kaum angenommen. Das soll 2015 anders werden: Für Blockhaus und Biergarten will Krapp gezielt werben und ein Programm mit regelmäßig geöffneter Gastronomie erstellen. Eine weitere Neuerung ist ab September mit einem monatlichen Country-Frühschoppen angesagt. Viele Line-Dancer aus der Region suchen derzeit nach Räumlichkeiten. Klappt alles wie erhofft, tanzen und singen die künftig im Ochsenstadl. Die Verbindung von Cowboyhut und bayrischem Filzhut ist für Krapp kein Problem. Derzeit kann er sich auch vorstellen, in einer Ecke im Hof Sand aufzuschütten und mit Liegestühlen im Sommer eine Beach-Atmosphäre zu schaffen. Die Ideen scheinen dem Langstädter nicht auszugehen, um den Ochsenstadl zu einem der beliebtesten Veranstaltungsorte in Babenhausen und Umgebung zu machen.

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Quelle: op-online.de

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