Wenn die Diagnose Krebs lautet

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Sozialarbeiterin Angela Schäfer und Psychologin und Vorstandsmitglied Nicole Bolitsch vom Verein Weiterleben.

Babenhausen - „Diagnose Krebs“ – kaum eine Krankheit ist mit so vielen Ängsten verbunden. Werden Betroffene mit der Diagnose konfrontiert, fallen sie oft zunächst in ein tiefes Loch. Von Verena Scholze

Den meisten drängt sich die Frage auf: „Warum gerade ich?“ Dann setzt die Angst ein, Gedanken an Operationen und die lange Behandlung mit einer Chemotherapie, die Schmerzen, Nebenwirkungen und das Leid, Angst vor Klinikaufenthalten und der Gedanke an den Tod folgen. Hinzu kommen die Sorgen um die Familie und welche Auswirkungen die Diagnose im privaten und beruflichen Bereich haben kann. Auch das Warten auf bevorstehende medizinische Untersuchungen und die Ergebnisse werden als Nerven aufreibend empfunden.

Helfen und unterstützen kann in dieser belastenden Situation die Möglichkeit, sich über den Krebs und die damit verbundenen Folgen möglichst frühzeitig zu informieren.

Verein Weiterleben bietet Beratung für alle Beteiligten

Der Verein Weiterleben bietet Krebspatienten diese Möglichkeiten der begleitenden psychosozialen Beratung. Ein achtköpfiges Team, bestehend aus drei Psychologinnen, einer Ärztin und einer Sozialarbeiterin, einer Familientherapeutin, einer Integrationsassistentin und Lauftrainerin sowie einer Minijob-Bürokraft hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betroffene, Angehörige oder Freunde umfassend und vielfältig zu informieren. Gegründet wurde der Verein 2008 auf Bestreben der Ärztin, Psychodramatherapeutin und Psychoonkologin Cornelia Hinrichsen, die gemeinsam mit weiteren Gründungsmitgliedern den Bedarf dieses Vereins im Landkreis erkannte.

„Das Bedürfnis der Patienten, die Flut an Informationen und die Möglichkeit, Betroffenen Zeit und Raum für sich und ihre Krankheit zu geben war der Gründungsgedanke“, blickt Diplom-Psychologin und Vorstandsmitglied Nicole Bolitsch zurück.

Den Kranken von Beginn an Wege aufzeigen

Der Verein mit Hauptsitz in Darmstadt hat es innerhalb der vergangenen Jahre geschafft, sich nicht nur räumlich zu vergrößern, sondern auch das Angebot zu erweitern. Den Kranken von Beginn an Wege aufzeigen, wie mit den vielfältigen Belastungen besser umgegangen werden kann und Unterstützung leisten, das ist das Ziel des multidisziplinären Teams. Die kostenlosen Beratungen sind vielfältig und erstrecken sich über alle Fachbereiche: Begleitung durch Einzel- und Paar- sowie Familiengespräche, Erläuterung bei Befunden, Antragsstellungen und Beratung zur Härtefallregelung und Bewilligungen, Informationen rund um Therapiemöglichkeiten und RehaMaßnahmen, Selbsthilfe- oder Sportgruppen, Integration und wirtschaftliche Regelungen. Eine telefonische Terminvereinbarung ist über die Geschäftsstelle möglich.

„Wir haben in unseren Beratungen den Vorteil des wesentlich größeren Zeitfensters, als dies bei einer Klinikberatung der Fall sein kann“, weiß Diplom-Sozialarbeiterin Angela Schäfer, die seit Jahresbeginn einmal pro Woche Beratungsstunden in Babenhausen anbietet. Unterstützung kam von der Stadt Babenhausen, die die Nutzung der Räumlichkeiten in der Bürgermeister-Rühl-Straße anbot. Auch beim Ostermarkt war der Verein präsent und konnte seine Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren. „Wir konnten erleben, wie groß der Zuspruch war und wie viele Menschen uns mit Ideen und Taten unterstützen wollen“, sagt Bolitsch. Durch einen Impuls entstand der Gedanke an die Gründung eines Lauftreffs in Babenhausen, von denen der Verein in Darmstadt bereits zwei ins Leben gerufen hat. Der TV Babenhausen bietet diesen Lauftreff an, jetzt kommen regelmäßig jeden Donnerstagnachmittag Krebspatienten zum gemeinsamen Laufen zusammen. Derzeit gibt es Gespräche für weitere Aktivitäten in Babenhausen.

Auf Spenden oder Mitgliedschaften angewiesen

Die Arbeit des Trägervereins wird nur im geringen Umfang durch öffentliche Fördergelder finanziert und daher ist man auf Spenden oder Mitgliedschaften angewiesen. „Wir werden zu Vortragsveranstaltungen eingeladen und letztes Jahr gab es in Roßdorf den erfolgreichen Benefizlauf ,Gib dem Leben eine Chance‘“, berichtete Bolitsch, wieß jedoch darauf hin, dass der Verein nur weiterhin mit Unterstützung bestehen kann. „Wir würden uns freuen, auch Hilfe durch Vereine, Künstler oder Gruppen zu erhalten, die sich finanziell oder mit Ideen einbringen“, sagt Bolitsch. Denn die Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung ist ein Prozess, der mit Höhen und Tiefen verbunden ist. Die psychoonkologische Begleitung während einer Krebserkrankung erhöht die Lebensqualität und senkt das Risiko, erneut zu erkranken – dies ist durch Studien belegt.

Alle Termine werden über Darmstadt koordiniert. Kostenfreie Beratungen gibt es außer in Darmstadt und Babenhausen auch in Groß-Umstadt, Reinheim und Griesheim. Infos rund um den Verein und das Beratungsangebot gibt es im Internet.

Quelle: op-online.de

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