Wenn der Weg zum Problem wird

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Beispiel Bouxwiller Straße: zu hoher Bordstein, hier kann die Babenhäuserin Karola Reichmann alleine nicht hoch und nicht runter. Gisela Sloboda hilft ihr.

Babenhausen ‐ Hindernisse – meist unüberwindbar – lauern für gehbehinderte Menschen überall, auch in Babenhausen. Karola Reichmann und Margarete Weinzetl sitzen beide im Rollstuhl. Und das schon lange genug, um sich auszukennen. Doch vor Borsteinkannten und Stufen müssen auch die beiden erfahrenen Frauen zwangsmäßig Halt machen. Von Katrin Görg

„Hier komme ich nicht hoch“, sagt Karola Reichmann, während sie versucht von der Straße auf den Bürgersteig zu rollen. „Zwar ist die Kante hier abgerundet, aber das nützt mir nichts“, erklärt sie und schüttelt den Kopf.

Was wirklich hilft, seien Bordsteinabsenkungen, wie Reichmann und Weinzetl eine vor ihrem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Haus haben. Sie erlaubt es den Rollstuhlfahrerinnen, einfach und bequem von der Straße auf den Bürgersteig zu rollen, und umgekehrt. Es sei denn, solche Absenkungen und Rampen sind zu steil. „Eine Steigung von sechs Prozent ist die Obergrenze. Schon ab acht Prozent hat sogar mein Elektro-Rollstuhl große Probleme“, so Reichmann. Weiter sagt sie: „Wenn es um das Herunterrollen von einer zu steilen Rampe geht, besteht die Gefahr, mit dem Rollstuhl umzukippen.“

Brücke ist positives Gegenbeispiel

Dies treffe zum Beispiel auf die gut gemeinte Bordsteinabsenkung an der Ampel Ecke Bouxwiller Straße und Bürgermeister-Willand-Straße zu. „Und hier müssen wir mehrmals wöchentlich die Straße überqueren“, sagen sie, die beide Vorstandsmitglieder des „Interessenkreises Behinderter Dieburg und Umgebung“ sind und sich schon jahrzehntelang im Verein engagieren.

Ein positives Gegenbeispiel sei eine vor etwa zwei Jahren erneuerte Brücke im Wohngebiet Ost. „Diese Brücke hat nur einen minimalen Rundbogen, hier kann ich ohne Probleme drüber fahren“, freut sich Karola Reichmann. Wenn nur überall so gut mitgedacht würde. „Ja das wäre schön“, meinen Margarete Weinzetl, Karola Reichmann und Gisela Sloboda, ebenfalls Vorstandsmitglied des IKD und eine gute Freundin der beiden. Sie ist auf einen Rollator angewiesen, lässt ihn nur für kurze Strecken, wie etwa vom Auto ins Haus ihrer Freundinnen stehen. Was sich Rollstuhlfahrern im Alltag in den Weg stellt, macht auch ihr zu schaffen.

„Barrierefreiheit wäre perfekt“

„Perfekt wäre natürlich, wenn es auch hier in Babenhausen eine Barrierefreiheit wie in einem Kurort geben würde“, findet sie, weiß aber auch, dass dieser Wunschtraum wohl einer bleiben wird.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin wurde von der IKD zu einer Sitzung eingeladen. Sie sagte zu, diese Anliegen in der Verwaltung zu besprechen mit dem Ziel, diese schrittweise abzuarbeiten - so werde die Bordsteinabsenkung an der „kleinen Unterführung“ im Rahmen der Deckenerneuerung B26 vorgenommen, und noch davor erfolge der Umbau der steilen Rampe. Weiterführende Ideen sollten als Denkanstoß dienen. Außerdem regte Coutandin einen „Runden Tisch“ oder Beirat zum demografischen Wandel für das zweite Halbjahr an.

Quelle: op-online.de

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