Wenn’s in Chemie mal richtig kracht

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Auch Wehrmänner sollten mit Verletzten umgehen können.

Babenhausen - Vor Schmerz stöhnende und weinende Kinder, ein völlig verrauchtes Schulgebäude, eine blutende Lehrerin, ein brennendes Fahrzeug: Hier gilt es für die Feuerwehr, schnell zu handeln. Von Ursula Friedrich

Damit jeder Handgriff passt und die Hilfe im Team greift, widmeten sich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Babenshausen am Wochenende einem zweitägigen Intensivtraining. „Wichtigster Schritt zum Erfolg ist bei Übungen und Einsätzen die erfolgreiche Teamarbeit, die ständige Neubewertung sich verändernder Situationen und das Diskutieren verschiedener Operationsmöglichkeiten“, sagte Werner Flechsenhar, Pressesprecher der Wehr.

Mit kniffligen Aufgaben hatten die 58 Einsatzkräfte Babenhausens die Chance, pragmatisch zu lernen. Technische Hilfeleistung, das Bewegen von Lasten, um etwa eine eingeklemmte Person unter einem Fahrzeug zu bergen, standen auf dem Programm. Heben, drücken oder ziehen? „Vor jedem Arbeitsschritt muss eine Bewertung der Lage vorgenommen werden“, so Flechsenhar, denn inzwischen stehen auch viele technische Geräte wie Hydraulikstempel, Seilwinde, Hebekissen und mehr zur Verfügung.

Feuerwehr und Co. üben Ernstfall

Rauch, Feuer und Opfer: Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes hatten im Altbau der Schumann-Schule in Babenhausen jede Menge zu tun. Wir waren bei der Übung mit der Kamera dabei.

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Spektakulär war der Einsatz in der Schule im Kirchgarten, wo nach einem missglückten Experiment im Chemieunterricht viele Opfer zu beklagen waren. Um die Kinder mit verätzten Atemwegen, aber auch mit Schnittwunden und Halswirbeltraumen zu bergen, wurde die Hilfe verzahnt. Bei der Evakuierung war die Johanniter-Unfall-Hilfe Dieburg mit von Partie und eine Delegation der Continental-VDO Werksfeuerwehr, die ein neues Fahrzeug zur Verfügung stellte.

Menschenrettung und Brandbekämpfung parallel leisten: eine knifflige Mission, die auf dem Flugplatz anstand. Hier kollidierte ein Auto mit einem anfliegenden Aeroplan. In einer Welt mit rasant wachsender Technik und stets neuen Herausforderungen bei Unfällen und Katastrophen sind stetiges Lernen für die 56 Männer und zwei Frauen der Babenhäuser Wehr Alltag. Zwischen 120 und 150 Mal rückt die Wehr im Schnitt jährlich aus – das Gros der Einsätze sind technische Hilfeleistungen. „Zunehmend schwieriger“, gestalte sich die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte tagsüber, die vielfach außerhalb des Wohnortes einem geregelten Beruf nachgehen, so der stellvertretende Wehrführer Siegfried Kinz.

Feuerwehr im Einsatz - Bilder von der Übung im März

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Positiv entwickelt sich die Nachwuchsarbeit, gut zwei Dutzend junge Menschen sind in der Jugendwehr aktiv. Technisch aufgerüstet wird außerdem im September, wenn ein neuer Teleskopmast mit Tragekorb für Brandbekämpfung und Menschenrettung geliefert wird. Den turbulenten Einsatztag am Samstag rundeten die Einsatzkräfte mit einem gemeinsamen Grillabend ab, zudem freilich auch Partner und Familien kamen. Menschen, die zum Teil viel Toleranz aufbringen müssen, wenn Nachts der Wecker den schlafenden Partner zum Einsatz alarmiert.

Quelle: op-online.de

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