Wenn´s bei „Frau Müller“ spukt...

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Imposant ist der alte Wasserturm aus dem Jahr 1901.

Babenhausen - Vor vier Jahren räumte die US Army den Militärstandort Babenhausen. Dennoch blieb das weitläufige Kasernengelände vor den Augen der Bevölkerung verborgen. Von Ursula Friedrich

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals genehmigten die neuen Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), einen Blick hinter Militärzäune und verschlossene Türen.

Hunderte von Besuchern pilgerten auf das verwaiste Kasernengelände, um Eindrücke vergangener Militärepochen mitzunehmen und eigene Träume zur Zukunft des über 144 Hektar großen Areals zu entwerfen. Ein Kino für Babenhausen, ein Kinderparadies, eine Halle für den Turnverein, ein Heimatmuseum, ja gar eine Universität könne sich ansiedeln – so die Visionen. Beim Rundgang unter Führung des Heimat- und Geschichtsvereins über den 60 Hektar großen bebauten Teil des Kasernengeländes gewannen Besucher den Eindruck einer ganzen Stadt innerhalb Babenhausens.

Auf 15 Hektar Fläche wohnten die US-Soldaten mit ihren Familien, ebenso viel war technisch genutzt. 18 Hektar dienten als Areal für Verwaltungs- und Versorgungsgebäude und stehen unter Denkmalschutz. 15 Hektar sind Grün- und Verkehrsfläche. 84 Hektar misst der Truppenübungsplatz.

Wasserturm durfte nicht bestiegen werden

„Hier war der Apellplatz“, erläuterte Lokalhistoriker Donald McKenna vom Heimatverein seinen Gästen. Die Farbe an einem mächtigen Steinquader mit den Wappen der stationierten Einheiten blättert ebenso ab, wie die Wandfarbe im benachbarten Hotel. Der Wasserturm aus dem Gründungsjahr 1901 durfte aus Sicherheitsgründen nicht bestiegen werden.

Im Offizierskasino ließen Kristalllüster den einstigen Charme diese Saales erahnen. „Und hier spukt es!“, wies Donald McKenna auf das Nachbarhaus, das heute den Namen „Frau Müller“ trägt. Die junge Frau soll einst ihren Liebsten und drei weitere Soldaten versteckt haben, als das Bataillon am 7. August 1914 zum Frankreichfeldzug ausrücken sollte. Die Deserteure wurden jedoch gefasst und hingerichtet. Frau Müller wählte mit gebrochenem Herzen den Freitod aus einem der oberen Zimmer. Noch 1970 weigerten sich amerikanische Amtsträger, das Haus zu betreten. Die Zeitung Stars & Stripes recherchierte nach vermeintlichen Geistern.

Die um 1900 für eine Million Reichsmark erbaute Kaserne hat eine schillernde Historie, um die sich viele Geschichten ranken. „Gibt es einen Tunnel zur Muna nach Münster?“ Beim Rundgang konnte dieses Geheimnis nicht gelüftet werden.

Bilder vom Kasernenrundgang

„Tag des offenen Denkmals“ in der Kaserne 

Nach dem Ersten Weltkrieg dienten die Gebäude als Krankenhaus, Tierklinik, Quartier französischer Soldaten und Hessische Polizeischule. 1930 wurde gar ein Bereich der Universität Darmstadt hierhin ausgelagert. 1933 eröffnete die SA eine Sportschule in Babenhausen, die Kavallerie nutzte das Areal als Reitschule mit und selbst die deutsche Luftwaffe war stationiert.

Rund 30.000 deutsche Kriegsgefangene harrten nach dem Zweiten Weltkrieg ihrer ungewissen Zukunft entgegen. 1951 zog die US Army ein. 4.000 Soldaten waren in Babenhausen stationiert und waren dabei zahlenmäßig den 4.500 Babenhäusern kaum unterlegen.

Nun sind die Liegenschaften verwaist und alles war bislang dem Verfall preis gegeben. Jetzt sucht die BimA einen Investor. „Es wäre schade, wenn sie das Gelände einfach wieder zuschließen“, schloss Donald McKenna.

Quelle: op-online.de

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