Das Wer-ist-wer von Babenhausen

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„Wenn ich was gefunden habe, muss es aus dem Kopf raus“, sagt Dieter Aumann und blättert in seinem vierten und neusten Geschichtsbuch.

Babenhausen - Archive durchforsten, Dokumente inspizieren, altdeutsche Handschrift entziffern – ein Jahr Arbeit steckt in Dieter Aumanns neustem Werk „Das Babenhäuser Mannbuch“. Von Katharina Hempel

Dieter Aumann geht gerne in Archive. Dort begibt sich der 73-Jährige auf die Spurensuche der Vergangenheit. Im Marburger Staatsarchiv entdeckte er die Mannbücher zu Babenhausen. „In den Mannbüchern wurden die Lehnsverhältnisse chronologisch festgehalten. Wer Lehn hatte, war ein Manne“, erklärt er.

„ Das Babenhäuser Mannbuch“ gibt es beim Heimat- und Geschichtsverein und in der Buchhandlung Auslese.

Sechs Bände förderte der Babenhäuser Hobbyhistoriker ans Tageslicht. Über einen Zeitraum von 211 Jahren (1458-1669) dokumentieren sie die Herrschafts- und Besitzverhältnisse in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg.

Auf ihnen basiert sein neustes Werk, „Das Babenhäuser Mannbuch“. Aumann: „Besonders der erste Band ist für mich wichtig, denn 1458 ist ein besonderes Datum für Babenhausen. In diesem Jahr heiratete Philipp der Ältere von Hanau Anna von Lichtenberg aus dem Elsass. Sein Vater teilte die Grafschaft Hanau und mit der Teilung wurde Babenhausen Residenzstadt.

Geschichte des Grafenhauses

Im Mannbuch erzählt Heimatforscher Aumann zunächst die Geschichte des Grafenhauses, dann kommt der eigentliche Teil über die Mannbücher. Für diesen Abschnitt hat er sich exemplarisch fünf Familien herausgepickt. Darunter die Namen Groschlag, von Wasen oder von Gayling.

„Da kann man mal sehen, wer alles einen Bezug zu Babenhausen hatte. Wer hier war und welchen Einfluss er hatte. Ein Who-is-who der Stadtgeschichte sozusagen“, sagt er und lacht.

Das Mannbuch als Original aus dem Marburger Staatsarchiv.

Nachforschungen zur eigenen Familie brachten den Diplomingenieur zu seiner Leidenschaft. „In der Jugend habe ich mich für sowas gar nicht interessiert. Das hat erst mit dem Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen unserer Firma angefangen. Dann wollte ich wissen: Wer waren die Personen dahinter?“, erzählt Aumann. Der eigene Stammbaum ist erforscht. „Bis 1480. Lückenlos.“

Da sich dort so schnell nichts mehr tut, hat er sich der Heimatgeschichte zugewandt. Und nun sein viertes Buch veröffentlicht. „Die Bücher, die ich geschrieben habe, haben alle mit Geschichte zu tun. Wenn ich was gefunden habe, muss es aus dem Kopf raus. So bleibt es auch erhalten.“

„Wir sind ein Team“

Zeit dafür findet Dieter Aumann, der noch berufstätig ist, im Urlaub oder an freien Tagen. Dann schreibt er oder er geht ins Archiv. „Zusammen mit meiner Frau. Wir sind ein Team. Außerdem sehen vier Augen mehr als zwei.“

Das ist besonders hilfreich, wenn sie alte, oft krakelige Handschriften entziffern müssen. Doch bei den Mannbüchern hat Dieter Aumann Glück gehabt. Sie sind zwar in altdeutscher Schrift verfasst, jedoch sehr sauber geschrieben. „Aber kann man üben, die alte Schrift lesen zu können. Ich habe 1995 angefangen. Das sind jetzt 17 Jahre. Man liest sich da mit der Zeit schon rein. Aber der Anfang ist schwer.“ Dieter Aumanns Frau Barbara muss nicht nur in Archiven die Krakel und Schnörkel entziffern können, sondern auch die Schrift ihres Mannes. „Ich schreibe meine Bücher immer von Hand, sie tippt alles ab.“

„Das Babenhäuser Mannbuch“ gibt es beim Heimat- und Geschichtsverein und in der Buchhandlung Auslese, Fahrstraße 33. Preis: 18,50 Euro.

Quelle: op-online.de

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