Westernreiten bei Akazienhof Open

Einblick in Cowboy-Alltag

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Claudia Gräbner Heeg wird die Akazienhof-Open 2013 in guter Erinnerung behalten.

Babenhausen - Manchmal ist die Nacht um vier Uhr vorbei. Für Hans-Dieter Hardt, Chef des Akazienhofs, war das am Wochenende der Fall. Von Michael Just

In aller Herrgottsfrühe präparierte er am Samstagmorgen – oder besser gesagt in der Nacht von Freitag auf Samstag – mit dem Traktor das Geläuf für die Akazienhof Open 2013. Durch die Wetterkapriolen der letzten Tage war man sich auf Organisatorenseite bis zuletzt nicht ganz sicher, ob die Wettbewerbe besser in die Halle oder im Freien aufgehoben sind. Gingen die ersten Reiter noch in der Halle an den Start, entschloss man sich am späten Vormittag dann doch für „open-air“. „Von oben soll ja jetzt nichts mehr kommen“, sagte Hardt mit einem Unterton, der kein großes Vertrauen in das Wetter und die Meteorologen bewies. Am Ende sollte sich seine Nachtarbeit dennoch gelohnt haben.

Der Akazienhof gilt seit Jahren als kleines Mekka für die Westernreiter. Die dortigen Turniere, die im Fachbegriff Shows heißen, sind beliebt. „Das dürfte mittlerweile das zwölfte oder 13. Mal sein“, so Hardt. Mit dem Wetter haben die Macher vor den Toren Babenhausens nicht immer Glück. „Ich habe hier schon minus 15 Grad erlebt“, sagt Turnierleiter Uwe Bader. Zum Ausweichen steht noch eine Halle parat. Die ist aber recht einfach und deshalb mehr zum Trainingsbetrieb als für einen Wettbewerb geeignet. So wird stets das Außengelände – sofern es das Wetter nur halbwegs zulässt – favorisiert.

Westernreiten mit verschiedenen Aufgaben

Am Samstag war der Frühling noch nicht eingekehrt: Gelegentlicher Regen und kalte Böen sorgten für garstiges Wetter. Die Folge: Von den 50 bis 60 Nennungen im Vorfeld waren am Ende nur 35 Pferde übrig. „Da wird dann immer angerufen und das Pferd als verletzt gemeldet“, erzählt Bader zu den „Schönwetterreitern.“ So präsentierte sich das Akazienhof Open 2013 als recht überschaubar. Dennoch konnte man die stolze Zahl von 78 verschiedenen Klassen und Prüfungen vermelden, die genauso viele Siegerehrungen bedeuteten. Viele Reiter starteten in mehreren Klassen, die – bedingt durch die Absagen – manchmal nur zwei oder drei Teilnehmer hatten.

Beim Westernreiten gibt es Aufgaben zu erfüllen, die den Cowboy-Alltag bestimmen. Dazu gehörten beim „Trail“ ein Gatter im Sattel zu öffnen, Hindernisse zu umgehen oder das Pferd über eine Brücke zu dirigieren. Die Zuschauer lieben vor allem das „Reining“, das ausschließlich im Galopp geritten wird. Beim „Sliding Stop“ bremst das Pferd aus schnellem Ritt so ab, dass es auf den angewinkelten Hinterbeinen rutscht. Der Cowboy-Hut hat keinesfalls die Aufgabe, den Wilden Westen zu verklären: Wie das langärmelige Hemd ist er für die Prüfungen vorgeschrieben. Alle Westernreiter haben in erster Linie das Ziel, ihre gut ausgebildeten Pferde zu präsentieren. Das sind vor allem „Quarter-Horses“ – eine Rasse, die durch ihr ruhiges, nervenstarkes und lernfähiges Wesen überzeugt.

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„Die Akazienhof-Open sind sowohl bei Einsteigern und Amateuren aus dem Umkreis von 100 Kilometern beliebt. Wir haben aber auch Berufsreiter, die ihre jungen Pferde an die Wettbewerbe gewöhnen wollen“, berichtet Bader. Von den Einstellern auf dem Akazienhof waren rund ein halbes Dutzend Reiter am Start, darunter Claudia Gräbner Heeg auf „Taris Sugar Sue“. Die gelernte Bankkauffrau, die jetzt Wein verkauft, wohnt in Aschaffenburg. „Der Akazienhof ist renommiert. Ich fühle mich hier vor allem durch die Stallgemeinschaft sehr wohl“, sagt sie.

Im Alter von zwölf Jahren fing die 44-Jährige mit Reitstunden an, mit 18 stieg sie dann, „richtig in den Reitsport ein“. Beim Westernreiten liebt sie die Vielseitigkeit der Prüfungen. Hier tritt sie beim Trail, Halter, Showmanship at Halter, Western Horsemanship, Ranchhorse Pleasure oder Hunter under Saddle an. „Da man nicht springt, ist das Westernreiten viel rückenfreundlicher“, weiß sie. Ihre bisher größten Erfolge waren ein Grand Champion, bei der ihre Stute die besten Zuchtnoten bekam, und ein erster Preis wegen der Vielseitigkeit ihrer Starts. Bei den Akazienhof-Open konnte sie nun Beachtenswertes draufpacken: Durch mehrere vordere Plätze nahm sie die Titel „Novice Amateur“ und „Amateur All-Around-Champion“ mit nach Hause.

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Quelle: op-online.de

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