Wettkampf gibt es hier nicht

„Das Training ist abwechslungsreich“, sagen die Teilnehmer und kommen immer wieder gerne.

Babenhausen ‐ Rund 25 Männer und Frauen in der Schulsporthalle werfen und schießen sich paarweise Bälle zu, laufen dribbelnd ein paar Runden in der Halle - dazwischen wird auch gescherzt und gelacht. Von Petra Grimm

Statt Leistungsdruck stehen bei diesem Training Koordinations-, Ausdauer- und Beweglichkeitsübungen im Vordergrund. Aber bei den meisten laufen nach einer Weile doch ein paar Schweißperlen über die Stirn. Anstrengend ist es schon, aber in Maßen. Denn hier trainiert die Herzsportgruppe des Babenhäuser Turnvereins unter Anleitung des Übungsleiters und TVB-Vorsitzenden Bert Bernhardt. „Der Wettkampfcharakter bleibt außen vor“, bekräftigt Bernhardt, es stehen nicht Schnelligkeit und Krafttraining im Vordergrund, sondern die bessere Sauerstoffversorgung des Körpers, langsame und gezielte Verbesserung von Koordination, Beweglichkeit und Kondition.

Ärzteteam immer in der Halle im Einsatz

Kürzlich wurde auch gefeiert. Denn seit 20 Jahren gibt es die Herzsport-Gruppe beim TVB, die sich von anfangs fünf Teilnehmern auf inzwischen 40 vergrößert hat. Der Verein besitzt für die Herzsportgruppe das Qualitätssiegel „Rehabilitationsgruppe, geprüft und anerkannt“ des Deutschen Sportbundes (DSB) als Zeichen für die Qualifikation des Übungsleiters und den hohen Standard des Übungsangebotes. Bert Bernhardt, der die Gruppe von Anfang an betreut, ist Fachübungsleiter Rehabilitation mit der Fachrichtung „Innere Medizin“.

Um den Teilnehmern zwischen 45 und 82 Jahren - mehrheitlich Männer - größtmögliche Sicherheit zu geben, ist ein Ärzteteam immer im Wechsel in der Halle im Einsatz. Am Montag überwachte die Schaafheimer Ärztin Helga Welbers das Geschehen. Dr. Ralf Backhaus, Dr. Stephan Orlemann und Gudrun Klühr sind die anderen drei Mediziner, die für ärztliche Unterstützung sorgen. „Ohne sie darf keine Stunde stattfinden, schließlich hat fast jeder der Teilnehmer seine persönliche Krankengeschichte: Bypass, Angina pectoris, Herzschrittmacher, Diabetes oder künstliche Herzklappe - wer sich hier überanstrengt, bringt sich in Lebensgefahr“, sagt Bert Bernhardt. Telefon, Arztkoffer und Defibrillator müssen immer in Reichweite sein. „Gebraucht haben wir den Defibrillator zum Glück noch nie“, sagt der Übungsleiter. Und seine Co-Trainerin Amélie Kley ergänzt: „Wir hatten bisher noch nie ein Problem im Bereich des Herzens, höchstens mal einen ausgekugelten Arm, einen verstauchten Fuß oder ähnliche Sportverletzungen.“

Und den Teilnehmern macht es Spaß, wie sie sagen. „Das Training ist sehr abwechslungsreich. Wir machen eigentlich jedes Mal etwas anderes. Außerdem ist es in der Gruppe leichter. Da macht man eher was, als alleine zuhause“, sagt ein 75-Jähriger, der seit 13 Jahren einen Bypass hat und auch ebenso lange dabei ist. „Ich hatte vor zwei Jahren einen schweren Herzinfarkt und möchte noch ein paar Jahre länger leben“, sagt der mit 82 Jahren älteste Teilnehmer über seine Motivation.

Infos zum Herzsport gibt Bert Bernhardt

Die Herzsportgruppe nahm von Beginn an ihren Übungsbetrieb nach medizinisch begründeten Regeln des Dachverbandes „Hessischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband“ (HBRS) auf. Seitdem finden in der Schulsporthalle regelmäßig jeden Montag von 19 bis 20.30 Uhr Übungsstunden statt.

„Die Teilnahme erfolgt auf hausärztliche Verordnung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Abschluss der ersten stationären Reha-Maßnahmen. AOK und Ersatzkassen übernehmen für die Dauer von zwei Jahren oder 90 Einheiten die Kosten“, erklärt Bernhardt. Wer danach noch weitermachen will oder keine Kostenübernahme durch seine Krankenkasse bekommt, wird TVB-Mitglied und kann an den Übungsstunden teilnehmen.

Infos zum Herzsport gibt Bert Bernhardt unter Tel.: 06073 4938. Wer einmal zuschauen möchte, ist jeden Montag in der Schulsporthalle willkommen (auch wer nicht TVB-Mitglied ist). Weitere Infos sind auf dder Internetseite des Vereins zu finden.

Quelle: op-online.de

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