Erfolgreiche Gründung der Bürgerinitiative „nowest“ / Befürchteter Verlust an Lebensqualität ist Antriebsfeder

Widerstand gegen Westumgehung

Kommt die Westumgehung, rechnet die BI mit mehr Verkehr für umliegende Stadtteile. Repro: ula

Babenhausen - In der Bevölkerung regt sich Widerstand gegen eine mögliche Westumgehung Babenhausens. Am Donnerstagabend gründete sich eine Bürgerinitiative, die den Bau der Trasse verhindern will. Von Ursula Friedrich

Natur wird zerstört. Die Lebensqualität der Anwohner erheblich geschmälert. Und der städtische Ortskern nicht einmal effektiv vom Verkehr entlastet. Dies war die kritische Essenz des Treffens von rund 30 Bürgern aus Kernstadt und Ortsteilen, die sich unter dem Motto „Ohne Westumgehung Babenhausen besser leben“ in der Stadthalle trafen.

„nowest“ lautet prägnant der Name der neuen Bürgerinitiative, die im Laufe des Abends aus der Taufe gehoben wurde, um den Bau der Straße zu verhindern. Ihre Befürchtung: Die Trassenführung von der B 26 bei Sickenhofen entlang der „Konfurter Mühle“ gen Ziegelhüttenstraße, „Erloch“ und schließlich zur Landesstraße 3116 würde die Natur der gekürten „Reiterstadt“ sprichwörtlich zerschneiden und die Bevölkerung in diesem Bereich Babenhausens belasten. An der entlastenden Wirkung der Umgehungsstraße äußerten die Anwesenden große Zweifel. 50 Prozent des Verkehrs etwa auf der Bouxwiller Straße sei „hausgemacht“, so der Hinweis auf kürzlich vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) durchgeführte Verkehrsmessungen. „Die Lärmgrenzwerte wurden dort außerdem zu keiner Zeit überschritten“, wusste Ralf Guinet, der für die Bündnisgrünen im Stadtparlament sitzt. Ausgerechnet die Beschwerden der Anwohner Bouxwiller Straße, die sich 2006 im Bündnis BISL zusammenschlossen, hätten jedoch die Debatte um die Westumgehung neu belebt. „Dabei dachte ich, das Thema wäre nach einem 1996 erstellten Gutachten vom Tisch“, so Guinet - damals hatte das Planungsbüro „Hacker & Schorr“ im Auftrag der Stadt einen Leitplan zur Stadtentwicklung erstellt. Die Westumgehung wurde durch die Bewertung der Fachleute ad acta gelegt. „Hohe Kosten, geringe Entlastungsfunktion und massive städtebauliche Nachteile“, hatten die Planer 1996 für diese Trassenführung prognostiziert.

Forciert wurde hingegen eine Ostumfahrung, die von der Bundesstraße südöstlich von B 26 und Aschaffenburger Straße sowie westlich des Kasernengeländes verlaufen würde und in Höhe Harreshäuser Allee auf die Bouxviller Straße münden würde. Die Kosten eines teuren Tunnels an der Bahnlinie würden durch die wesentlich kürzere Trasse kompensiert, sagte Guinet. Wer die Westumfahrung zahlen solle, stehe ohnehin in den Sternen. Drei Brückenbauwerke für die dortigen Fließgewässer, unter anderem die Gesprenz, schlügen allein mit neun Millionen Euro zu Buche, so seine Prognose - „20 Millionen Euro“, lauten seine Schätzungen für den Gesamtbau.

Aufgrund eines Verkehrsaufkommens von rund 13 000 Fahrzeugen auf der Bouxviller Straße täglich und der visavis der Straße liegenden Schulen ist das Thema Umgehungsstraße seit Monaten ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Im Verkehrsentwicklungsplan genießt es mittlere Priorität. Im März votierte das Stadtparlament mehrheitlich für einen SPD-Antrag, der das Land Hessen zur Prüfung der städtebaulichen und ökologischen Verträglichkeit der Westumfahrung auffordert. An der von Bürgermeisterin Gabi Coutandin „ergebnisoffenen“ Prüfung hat die neue BI jedoch erhebliche Zweifel. Denn: Am 5. Mai beschloss das Parlament, die für die Ostumfahrung nötige Fläche am Kasernengelände zum Verkauf anzubieten. „Damit werden Tatsachen geschaffen“, monierte Bettina Mathes. Ihr Credo: „Es geht um die Zukunft Babenhausens – aber wir werden kein Industriestandort und die Kultur nicht neu erfinden. Unser Potenzial ist unsere Natur.“ Sie plädierte für Lärmschutzwände, einen Kreisel statt der Ampelregelung im Kreuzungsbereich und Flüsterbelag auf der Bouxviller Straße, um die Bevölkerung dort zu entlasten, sowie ein durchgängiges Radwegenetz. In der kommenden Sitzung der BI „nowest“ am Donnerstag, 9. Juni, sollen nicht nur Mittel ersonnen werden, wie die Westumfahrung zu verhindern ist, sondern Alternativen ausgearbeitet werden. Weitere Informationen liefert die Homepage der neuen Bürgerbewegung unter www.nowest.de.

Quelle: op-online.de

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