„Geld ist nicht alles“

Babenhausen - Finanzielle Mittel sind keine Patentlösung, um mehr Ärzte in die Stadt Babenhausen zu locken. Zu dieser Erkenntnis kamen am Donnerstagabend die Teilnehmer der gemeinsamen Sitzung von Sozial- und Finanzausschuss im Rathaus. Von Domenico Sciurti

„Der Weg ist noch ein weiter“, sagte die Vorsitzende Maria Steinmetz-Hesselbach nach fast zweistündiger Informationsveranstaltung mit Diskussion abschließend.

Den Anlass gab die CDU-Fraktion mit ihrem Antrag vom 19. Januar, 50.000 Euro für das Jahr 2012 und 10.000 Euro für 2013 in den Haushalt zu stellen – um „Ärzte anzuwerben“ und durch „Finanzierungshilfen die Ansiedlung zu erleichtern“. Vor allem das Alter der derzeitig praktizierenden Ärzte und auch, dass bald ein neues Seniorenwohnheim mit mehr als 100 Plätzen in Betrieb genommen würde, seien Gründe, wieso recht schnell etwas unternommen und nach neuen Ärzten Ausschau gehalten werden müsse. Am Ende der Sitzung kündigte der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedel Sahm an, den Antrag entsprechend der neuen Erkenntnisse zu ändern.

Überversorgung im Kreis

Eingeladen zu dem Treffen waren zwei Experten, die mit Erfahrungen bereicherten und die Teilnehmer mit statistischem Wissen ausstatteten. Zunächst sprach Petra Kaczmarek von der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie ernüchterte die Anwesenden vor allem mit der Aussage, Babenhausen könne nicht so einfach eine Konzession für einen Facharzt erwarten. Da der Landkreis Darmstadt-Dieburg bereits eine Überversorgung habe, müsse die Zulassung schon von einem anderen Kollegen übernommen werden.

Für „Ärzte im hausärztlichen Bereich“ allerdings stünden noch 16 Neuzulassungen offen, ergänzte sie. Kaczmarek plädierte dafür, derartige Vorhaben, wie sie in Babenhausen gerade aufkommen, um die gesundheitliche Versorgung der Bürger zu garantieren, gut zu durchdenken. „Nicht, dass am Ende aus einem Ärztehaus eine Bauruine wird.“

Das Vorhaben gründlich und gut überlegt anzugehen, bekräftigte auch der zweite Sprecher des Abends, Kardiologe Matthias Göbel aus Ober-Ramstadt. Er betonte zudem, dass der Aspekt Geld für die Niederlassung eines Arztes weniger ausschlaggebend sei. Familienfreundliche Arbeitszeiten müssten garantiert sein, auch deswegen, da in Zukunft viele Frauen Ärzte werden. So könnte sich beispielsweise die Stadt einmischen, wenn es um die Regulierung der Rundumversorgung der Bürger ginge, also auch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Das sind Dinge, die eher locken, als die direkte finanzielle Unterstützung.“

CDU wünscht sich Ärztehaus

Göbel gab im Verlauf des Abends noch viele Tipps. Ein gutes Vorbild für ein mögliches Ärztehaus, das im CDU-Antrag ebenfalls gewünscht wird, sei das Haus Schaatz in Schaafheim. Die Planung dazu habe etwa fünf Jahre gedauert. Eine gute Organisation des ganzen Vorhabens, Absprachen mit potenziellen Ärzten, juristische Beratungen und die Zusammenarbeit mit Landkreis und dessen Krankenhäuser seinen unabdingbar. Eine Arbeitsgruppe müsste sich bilden, um das Projekt zu stemmen, schlug der Arzt vor.

„Grundsätzliche Dinge müssen geklärt werden“, sagte auch Erster Stadtrat Kurt Lambert (FWB), „um unrealistische Gegebenheiten zu vermeiden.“ Die Ärzte-Situation in Babenhausen wird sich nicht so schnell ändern. Erst einmal ist Planung gefragt. Über die Erkenntnis, dass der ganze Prozess nicht so einfach anzustoßen ist und vor allem Zeit benötigt, schien Friedhelm Sahm nicht besonders glücklich. Den Antrag wird er dennoch überarbeiten. Er bemerkte noch, dass die geplanten Summen für das Ärzte-Vorhaben in den folgenden zwei Haushalten der Gemeinde trotzdem sinnvoll seien, denn auch um die Stadt für sie attraktiver zu machen, benötige es finanzielle Mittel.

Quelle: op-online.de

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