Wieder fallen Schüsse am Tatort

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Die Soko FES 36 erhofft sich durch die Schussabgaben am Mittwoch neue Erkenntnisse im Mordfall. Die Friedrich-Ebert-Straße war vorübergehend gesperrt.

Babenhausen - Erneut fallen Schüsse in der Friedrich-Ebert-Straße 36. Diesmal sind es aber nicht die Bösen, die zur Waffe greifen, sondern die Guten. Experten der Sonderkommission zur Aufklärung des Verbrechens an der Familie Toll rekonstruieren Tatabläufe und wollen damit Erkenntnisse gewinnen, die im Zusammenhang mit den Schüssen stehen. +++ Fotostrecke +++ Von Stefan Scharkopf

Wir haben eine genaue Vorstellung davon, wie die Tat abgelaufen ist, das haben die Spurenlage und die Untersuchungen unseres Teams ergeben“, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, Karl Kärchner. Die Beamten wollen nachstellen, wie die Schüsse in der Nachbarschaft zu hören gewesen sind. Die Hoffnung: Weitere Hinweise von den Anwohnern zu erhalten. Wie waren die Schüsse durch Mauern und Fenster zu hören? Können die Nachbarn die Todesschüsse überhaupt wahrgenommen haben? In den umliegenden Häusern sind vorübergehend Kripoleute mit Messgeräten postiert.

Eine heiße Spur im Doppelmordfall gibt es noch nicht, die 30-köpfige Soko FES 36 arbeitet auf Hochtouren. „Für uns ist das ein Mosaikstein, der zur Aufklärung beitragen kann, es geht heute lediglich um die Akustik“, sagt Kärchner. Zu viele Details will der Pressesprecher nicht preisgeben. „Wir wollen nichts Mystifizieren, aber vieles ist Täterwissen, das wir aus Ermittlungsgründen nicht weitergeben können.“

Sechs Wochen ist der Doppelmord an den Eheleuten Klaus und Petra Toll (62 und 58 Jahre alt) her. Ihre Tochter Astrid (37) wurde damals schwer verletzt. Sie ist noch immer in einem Krankenhaus und wird psychologisch betreut, heißt es von der Polizei. Dass sie etwas zur Aufklärung beitragen kann, gilt als eher unwahrscheinlich, die 37-Jährige ist Autistin und durch das Verbrechen traumatisiert.

Um 18 Uhr beginnt die Soko mit ihrer Aktion. Die Straße ist abgesperrt, mit Handzetteln wurden am Dienstag die Anwohner in der näheren Umgebung über die Aktion informiert.

Auch für uns ist die Untersuchung, die heute hier abläuft, kein Alltagsgeschäft“, sagt Kärchner.

Von der Kaserne aus beobachteten Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen das Geschehen.

Um 18.40 Uhr fällt der erste Schuss. In unregelmäßigen Abständen folgen weitere. Mal ist nur ein dumpfes „Plopp“ zu hören, mal klingt das Geräusch klarer. Der Täter hat einen selbst gebauten Schalldämpfer mit Dämmstoffen verwendet. Noch unklar ist die Beschaffenheit des Eigenbaus und die Art des Dämmstoffs, die labortechnischen Untersuchungen dauern noch an. Die Schüsse der Soko fallen mal mit herkömmlichem Schalldämpfer, mal ohne, mal mit einem selbst gebauten Typ. Die Beamten verwenden ein Modell der Tatwaffe, eine Walther P 38. Geschossen wird mit scharfer Munition. „Wir nehmen aber keine Dummys“, merkt Kärchner lachend an. Die Projektile treffen auf handelsübliche Verbandswatte.

Die genaue Zahl der abgegebenen Schüsse will die Polizei nicht nennen. Nur so viel: Der Täter hat mehrmals auf seine Opfer gefeuert. Zwischen der Bluttat und dem auffinden der Opfer ist damals einige Zeit vergangen. die Tochter, so Kärchner, muss längere Zeit durch das Haus geirrt sein.

Techniker des Bundeskriminalamts haben Mikrofone postiert, sie wechseln des Öfteren die Stellung. Mal sind die Rollläden im Haus geschlossen, mal geöffnet. Ein paar Passanten wollen die Straße queren, sie werden von Beamten begleitet.

Verfolgt wird die Polizeiaktion auch von Vertretern von Presse, Funk und Fernsehen. Die Journalisten stehen auf dem Gelände der Kaserne gegenüber, halten Kameras und Mikros über den Maschendrahtzaun. Ein paar Jungs aus der Nachbarschaft sind gekommen. „Manchmal ist mir schon etwas unheimlich, wenn ich am Abend hier entlang laufe“, meint einer.

Um 19.40 Uhr packen Soko und BKA ihre Sachen zusammen. Jetzt beginnt die Auswertung. Derweil gibt es weder eine heiße Spur noch ein Motiv für den Doppelmord. „Wir ermitteln im privaten und beruflichen Bereich. Vor uns liegt noch viel Fleißarbeit“, sagt der Kriposprecher.

Quelle: op-online.de

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