Mal wilde Löwen, mal zahme Stubentiger

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Erika Giehl favorisiert Pastellkreide als Material. Damit gelingen die Tierporträts.

Münster ‐ In eine Welt der Phantasie eintauchen, und das mitten im winterlichen Münster - das geschieht beim Betrachten der Gemälde von Erika Giehl. Prächtige Blüten, märchenhafte Landschaften und gefährliche Drachen bevölkern die Bilderrahmen an den Wänden des schmucken Münsterer Einfamilienhauses. Von Jasmin Frank

Ich male Dinge zu Themen, die mich beschäftigen. Als der Tsunami viele Menschen in den Tod riss, habe ich ein Gemälde geschaffen, auf dem eine zarte Frau von einem Delfin vor der heranrollenden Welle gerettet wird“, erzählt die junggebliebene 53-Jährige von ihrer Motivsuche.

Die dargestellte Dame war zunächst unbekleidet, bis Giehl auf ein Produkt aufmerksam wurde, dass sie seither fasziniert: abgeworfene Schlangenhaut. „Ich habe im Zooladen danach gefragt und daraus den Bikini angefertigt, der auf dem Bild zu sehen ist. Dieses Material ist ja an sich ein Abfallprodukt, aber dennoch vielseitig verwendbar. Und es tut dem Tier ja auch nicht weh“, plaudert die zweifache Mutter, die mittlerweile sogar schon Großmutter geworden ist.

Tiere liegen ihr überhaupt sehr am Herzen und sind auch ihre beliebtesten Motive. Pferde, Wölfe und Elefanten hat sie schon zu Papier gebracht, aber auch Haustiere sind ihr Metier, denn in diesem Bereich bekommt sie häufig Auftragsarbeiten. „Diese Katze hier mit dem silbrigen Fell und den strahlend blauen Augen ist gerade fertig geworden. Ich habe schon einige vierbeinige Lieblinge gemalt, mache aber natürlich auch menschliche Porträts“, schmunzelt Giehl. Je nach Größe und Aufwand liegen die Kosten für ein Werk zwischen 100 und 300 Euro. Die Bilder der Malerin unterscheiden sich nicht nur in den vielseitigen Motiven, sondern auch in der Technik, erläutert die Künstlerin: „Schon bei der Skizze muss ich wissen, wie ich vorgehen will, denn je nachdem mit welchen Farben ich malen will, wähle ich den Untergrund aus. Mit Ölfarben male ich auf Leinwand, bei Pastellkreide verwende ich raues Papier, das dem Bild mehr Tiefe verleiht.“

Auch Schützenscheiben gehören zum Sortiment

Gerade Arbeiten mit der von Giehl favorisierten Pastellkreide sind sehr aufwändig, muss die Farbe doch in mehreren Schichten aufgetragen und immer wieder mit Haarspray befestigt werden. Da die Kreide sehr pulverig ist, würde sie sonst mit der Zeit von ihrem Untergrund abfallen. Neben diesen bekannten Materialien bemalt Giehl auch Milchkannen mit realistischen Motiven, die zwar modern gehalten, aber niemals abstrakt sind.

Auch Schützenscheiben gehören zu ihrem Sortiment. „Oft bekomme ich von Schützenvereinen Aufträge für diese Holzscheiben, die mit Motiven aus der Jägerei bemalt werden und als Präsente anlässlich von Jubiläen und Geburtstagen dienen. Besonders gerne male ich für Trapperfeste, da werden Indianer, Wölfe und Pferde verlangt, und die interessieren mich besonders.“

Langweilig wird ihr also nicht, ist die ruhige und gelassene Frau doch immer auf der Suche nach neuen Ideen und Projekten. Manchmal bastelt sie auch, so stellt sie in der Vorweihnachtszeit kleine Engel aus Nudeln her, die sie mit Autolack überzieht oder kreiert Sterne aus Draht und Perlen.

Obwohl sie am liebsten konzentriert und für sich alleine ans Werk geht, macht ihr auch die Arbeit mit Kindern viel Spaß: „Vor allem während meinen Ausstellungen nutze ich die Zeit und male gemeinsam mit Kindern. Sonst sitze ich ja die meiste Zeit nur herum und so kann ich den Kindern die verschiedenen Farben und Stile zeigen“, begeistert sich Giehl, die aus dem heute polnischen Schlesien stammt.

Gemäldeschauen hat sie schon zahlreiche hinter sich, malt sie doch seit ihrer frühesten Kindheit: „Schon in der Schule wurde ich stark gefördert und hatte eine eigene Ausstellung. Nachdem ich 1972 nach Deutschland gekommen bin, habe ich unter anderem in Nieder-Roden, Rödermark, Schotten und eben auch in Münster meine Bilder gezeigt.“ Auch bei Kunst zwischen der Kerb ist die Künstlerin von Anfang an vertreten und freut sich schon auf das zehnjährige Jubiläum des Projekts in diesem Jahr.

Quelle: op-online.de

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