Der wilde Müll und der Frust

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Die Dachisolierung wurde am Dienstag auf dem Holzwertplatz Richtung Zellhausen entdeckt.

Babenhausen - Kaum eine Woche, in der im Ordnungsamt der Stadt nicht eine oder mehrere Stellen gemeldet werden, wo wilder Müll abgeladen wurde. Gerade am Dienstag machte ein Bürger eine Entdeckung im Wald Richtung Zellhausen. Von Stefan Scharkopf

Eine komplette Dachisolierung lag auf dem Waldfestplatz: Haus renoviert, das alte Zeug einfach abgekippt, fertig. Kein Kavaliersdelikt. Alles in allem kostet die Abfuhr und Verwertung des illegalen Mülls den Babenhäuser Steuerzahler jährlich rund 42 .000 Euro.

Einen Fall schildert auch der Ortsvorsteher der Kernstadt, Adolf Breer. So waren die Anwohner der Marienstraße kürzlich sehr verärgert. „Ein hässlicher, stinkender Müllhaufen im Wohngebiet Erloch, direkt am Gehweg und Zugang zu einem Wohnblock, an der Seitenwand einer Reihe von Garagen, auf einem etwa zehn Quadratmeter großen städtischen Areal“, schildert Breer.

Noch während er mit seinem Bekannten, der ihn informiert hatte, darüber beriet, was zu tun sei, hatte sich eine Gruppe von Anwohnern der Marienstraße um die beiden versammelt. „Ihre Äußerungen klangen nicht gerade begeistert und lauteten etwa: liegt schon mehr als zwei Monate, mehrmals im Rathaus angerufen, persönlich vorstellig geworden, und ähnlich. Kurz gesagt, die Anwohner der Marienstraße waren stinksauer“, sagt Breer.

„Der Berg im Erloch jedoch hat alles übertroffen“

Die Wohnungseinrichtung wurde Mitte Mai am Wasserbrunnen im Feld zwischen Sickenhofen und Langstadt entdeckt. 

Der Ortsvorsteher sagte zu, sich tags drauf beim städtischen Ordnungsamt um die Entsorgung des Mülls zu bemühen oder ihn notfalls auf seinen Pkw-Anhänger zu laden und zum Bauhof zu bringen. Doch damit nicht genug. Einer der Anwohner sagte, dass am Containerplatz ein weit größerer Müllhaufen herum liege – zu voluminös für einen kleinen Anhänger.

„Ich weiß, wie die Wertstoffcontainerplätze mitunter aussehen und dass die Mitarbeiter des Bauhofs gut zu tun haben, um alles abzutransportieren. Der Berg im Erloch jedoch hat alles übertroffen“, sagt Breer. Von ganz normalem Hausmüll bis zu einer kompletten Wohnzimmereinrichtung lag dort alles aufgetürmt – mitten im Wohngebiet. Alles in allem etwa eine Lkw-Ladung voll Zeug, in dem sich, wie eine Frau schilderte, auch die Ratten wohl fühlten.

Nach dem Anruf beim Ordnungsamt waren wenige Stunden später beide Flächen vom Unrat befreit. Im Namen der Anwohner dankte Breer dem Ordnungsamt und dem Team des Bauhofs, stellt nun aber auch Fragen: Alle Wertstoffcontainerplätze der Stadt würden jede Woche ein- oder sogar zweimal durch Mitarbeiter des Bauhofes angefahren, der illegal abgeladene Müll abtransportiert. Geschieht dies auch am Containerplatz im Wohngebiet Erloch? Die Anwohner dort sagten Nein und fühlten sich „zweitrangig“ behandelt.

Wohngebiet Erloch stark betroffen

Breers Einschätzung: „Es zeigt sich, dass im Erloch noch lange nicht alles zusammengewachsen ist, was eigentlich zusammen gehört. Trotz intensiver Sozial- und engagierter Jugendarbeit sollte auch dem gepflegten und sauberen öffentlichen Bereichen in diesem so dicht besiedelten Viertel mehr Beachtung beigemessen werden.“

Heiko Duda, Leiter des Ordnungsamts, bestätigt den Fall auf Anfrage unserer Zeitung. Gerade im ohnehin problembehafteten Wohngebiet Erloch kämen illegale Entsorgungen vor. Duda verwehrt sich aber gegen den Vorwurf, dort bleibe der Unrat länger liegen als anderswo in der Stadt. „Natürlich holen wir die Sachen ab. Allerdings haben wir die Beobachtung gemacht, dass schnell neuer Müll abgeladen wird, wenn der alte erst abgefahren wird.“ Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, dass der Unrat einfach irgendwo abgekippt werden könne, weil die Stadt sowieso komme, um den Krempel abzuholen. „Wir müssen auch mal die Frage stellen, warum es in anderen Wohngebieten in der Stadt nicht so aussieht“, sagt Duda. Für das Ordnungsamt bleibe nur die Möglichkeit des ständigen Appells an die Bürger: „Wir haben im Erloch schon Zettel in verschiedenen Sprachen verteilt und erklärt, wie Mülltrennung funktioniert und wohin sich die Bürger wenden können. Wir haben uns mit Hausmeistern zusammengesetzt und erklärt, in welche Tonnen was reinkommt.“

„Klar, dass die Leute das ärgert.“

 Dass die Anwohner rund ums Erloch – und diejenigen im Wohngebiet selbst, die ihren Müll ordnungsgemäß entsorgen – sauer sind, kann Duda nachvollziehen: „Klar, dass die Leute das ärgert. Uns ärgert es auch, dass vieles, was wir vorbringen, ignoriert wird.“

Es komme sogar vor, so Breer und Duda unisono, dass der eine oder andere Schmutzfink bekannt sei, aber niemand aus Angst vor Repressalien etwas sage. „Wir stecken manchmal regelrecht unsere Nase in den Abfall, um irgendetwas zu finden, was den Täter entlarvt“, berichtet Duda.

Es gibt aber auch Erfolge: Natürlich wurden schon einige Leute erwischt. Sie mussten ihre Hinterlassenschaften selbst entsorgen und ein Bußgeld zahlen. Derweil sieht Duda noch ein weiteres Problem. Ablagerungen gibt es überall in der Gemarkung, nicht nur im Erloch. So habe das Ordnungsamt immer öfter mit Firmen zu tun, die ihren Müll gleich containerweise in Wald und Flur entsorgen.

Infos: Recyclinghof der Stadt Babenhausen:Langenbrücker Weg 6, unter der Nummer  687297, www.babenhausen.deunter „Umwelt“; ZAW unter der Nummer  06159/9160-0, www.zaw-online.de

Quelle: op-online.de

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