Wildpferde auch in Babenhausen?

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Neun Przewalski-Pferde grasen in Großauheim. Als Standort für die Anpassung der Tiere an ihren natürlichen Lebensraum vor ihrer Auswilderung ist auch Babenhausen im Gespräch.

Babenhausen ‐ Sie haben eine Widerristhöhe bis höchstens 1,46 Meter, eine Stehmähne, ein „Mehlmaul“ und einen Aalstrich auf dem Rücken; sie sind immer Falben - und äußerst selten. Seit fast 40 Jahren gelten die Przewalski-Pferde in der freien Wildbahn als ausgestorben. Von Stefan Scharkopf

Benannt sind die wegen ihres Körperbaus etwas gedrungen wirkenden Vierbeiner nach dem russischen Zoologen und General Nikolaj Przewalski, der die mongolischen Wildpferde 1879 bei Forschungsreisen am Rande der Wüste Gobi entdeckte. Sie gelten im Übrigen als Vorfahren unserer Hauspferderassen.

Die Nachzüchtung dieser letzten lebenden Urwildpferde und deren Auswilderung in ihren ursprünglichen Lebensraum ist ein Projekt von weltweiter Bedeutung. Der Münchner Tierpark Hellabrunn nimmt sich seit längerer Zeit der Przewalski-Pferde an und hat viele Exemplare in Asien ausgewildert.

In Deutschland gibt es zwei Standorte, die für die Anpassung der Tiere an ihren natürlichen Lebensraum ausgewählt wurden - einer in Erlangen, einer auf dem Campo Pond-Gelände in Großauheim. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Armee leben mittlerweile neun dieser Pferde.

Ein „Projekt von Weltrang“ passt gut zu Babenhausen

Ein dritter Standort könnte Babenhausen sein, da die Vegetation auf dem ehemaligen Militärgelände - ähnlich wie in Großauheim - sich für die Beweidung eignen würde. Der Sandmagerrasen „In den Rödern“ ist als Flora-Fauna-Habitat eingestuft und genießt europäischen Naturschutz-Status.

Wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin mitteilt, gab es ein erstes Sondierungsgespräch mit dem Bundesforst als Träger des Projekts. Dieser ist einer Abteilung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Eigentümerin des Kasernengeländes. Beteiligt waren auch die Untere Naturschutzbehörde und der heimische Forst sowie der Luftsportclub (LSC). Die Stadt, so Coutandin, habe ihre Bereitschaft zur Unterstützung zugesagt. Dieses „Projekt von Weltrang“ passe sehr gut zum Image Babenhausens als pferdefreundliche Stadt. Das Vorhaben soll auch beim nächsten Runden Tisch der Reiterhöfe vorgestellt werden.

„Wir haben vorgeschlagen, mit anliegenden Reiterhöfen zu sprechen, was die Lagerung von Heu für harte Winter anbelangt; so könnte der Bundesforst auf die Errichtung eines Unterstandes verzichten. Auch die Betreuung der Pferde könnte möglicherweise über engagierte Pferdeliebhaber sichergestellt werden: Hanau übernimmt hierfür Kosten für einen Mini-Job. Die Kosten, die für die Errichtung der Zaunanlage, eines Wildfangs, der Wasserversorgung sowie für tierärztliche Versorgung entstehen, übernimmt in jedem Fall der Bundesforst“, sagt Coutandin.

Positiv überrascht von der breiten Zustimmung

Damit ging die Rathauschefin auch auf Bedenken der CDU ein, die die Ansiedlung der Wildpferde grundsätzlich begrüßt, die Klärung der Frage, wer was bezahlt, aber geklärt haben will. Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm: „Es bedarf keiner großen Phantasie, dass der Bundesforst und die Untere Naturschutzbehörde dieses Projekt nicht alleine finanzieren werden.“ Die Stadt werde in ihrer Rolle als Nutznießer dieses Projekts auch finanziell gefordert werden.

Der Vertreter des Bundesforsts habe sich positiv überrascht gezeigt von der breiten Zustimmung, die von allen Behördenvertretern und dem LSC signalisiert wurde, denn ohne kommunale Unterstützung insbesondere in organisatorischer Hinsicht lasse sich ein solches Vorhaben nicht realisieren. Arbeitsaufträge sollen bis zum nächsten Treffen die praktische Umsetzung des Wildpferde-Projekts konkretisieren.

Das Thema „Besucherzentrum“ im Zusammenhang mit dem „Wassererlebnisband Gersprenz“ und der Förderung des Tagestourismus wurde ebenfalls angesprochen. „In der Vernetzung von Klimaschutz-Projekten des ‚Wassererlebnisbandes‘ und der Ansiedlung von Przewalski-Pferden im Natura-2000-Gebiet sehe ich die große Chance, Fördermittel aus verschiedenen Töpfen zusammenzuführen. Dies soll in den nächsten Wochen mit den Geldgebern abgewogen werden“, so Coutandin.

Quelle: op-online.de

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