Winzerfest-Blick aus 1500 Fuß Höhe

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Die aufgeregten Freifluggewinner stellten sich mit dem LSC-Vorsitzenden Wulf Heintzenberg, dem zweiten Vorsitzenden der Verkehrswacht Dieburg, Erhard Kulb, Walter Faure, einer der Initiatoren der Veranstaltung, und dem Verkehrswachtvorsitzende Peter Christ (rechts) zum Gruppenbild.

Babenhausen - „Die nächsten Drei!“, ruft Jürgen Schneider vom Babenhäuser Luftsportclub. Der Pilot war am Samstagmittag für den Bodendienst zuständig. Von Petra Grimm

Er schnallte die Kinder in den kleinen Motorflugzeugen an, setzte ihnen die Kopfhörer auf und achtete darauf, dass die Türen richtig geschlossen waren. „Darum können sich die Piloten im Cockpit nicht auch noch kümmern, deshalb übernehme ich das. Da muss sich jeder auf jeden verlassen können“, sagte er, bevor das kleine Flugzeug mit einem Pilot und drei Kindern an Bord in Richtung Westen startete. Auf 1500 Fuß Höhe, also 500 bis 600 Meter, werden sie unterwegs sein. Flugwetter und die Sicht waren gut.

Warf einen Blick aufs Winzerfest: Saro aus Groß-Umstadt.

Zum 37. Mal lud die Verkehrswacht Dieburg gemeinsam mit dem LSC und dem Motorsportclub Wartturm Schaafheim zur Freiflugveranstaltung ein. Rund 1600 Viertklässler im Altkreis Dieburg hatten wieder ihre Fahrradprüfungen an den Jugendverkehrsschulen der Polizei in Dieburg und Reinheim abgelegt. Wer diese Verkehrserziehung erfolgreich absolviert, darf an der Verlosung der Freiflüge teilnehmen. „Aus jeder Grundschule darf ein Kind mitfliegen, insgesamt haben wir heute 22 Gewinner“, sagte Waltraud Buchsbaum, Geschäftsführerin der Verkehrswacht Dieburg . Rund 15 Minuten sind die Kinder in luftigen Höhen und überfliegen dabei ihren Heimatort.

LSC-Piloten sponsern sich selbst 

„Diese Veranstaltung ist im ganzen Bundesgebiet einmalig“, lobte Renate Knapp-Wulff, Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht Hessen. Nicht durchführbar wäre der Spaß für die Kinder ohne das Engagement der Piloten des LSC, die sich nicht nur die Zeit nehmen, sondern die Flüge auch aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Am Samstag sind zwei Motorflugzeuge und ein Motorsegler im Einsatz. Gegrillte Würstchen und Getränke spendiert der MSC Wartturm den Kindern traditionell. „Aber bewusst erst nach dem Flug“ scherzte der Verkehrswacht-Vorsitzende Peter Christ, der den Gewinnern gratuliere und sich bei den Piloten bedankte. „Der Ratschlag, dass man vor dem Flug nichts essen soll, ist eigentlich nicht haltbar. Wenn der Magen ganz leer ist, ist es unangenehmer“, räumte der LSC-Vorsitzende Wulf Heintzenberg mit einem Vorurteil auf. Er wies auf den runden Geburtstag des Vereins hin. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des LSC wird es am kommenden Samstag auf dem Flugplatz einen Tag der offenen Tür geben.

Klaus Pauls, der Leiter der Polizeistation Dieburg, forderte die Kinder auf, das, was sie bei ihrer Verkehrserziehung über Rücksichtnahme gelernt haben, auch weiterhin im Straßenverkehr zu beachten: „Geht vorsichtig miteinander um und haltet lieber einmal mehr an und schaut“.

Großes Abenteuer

Vom Nutzen der systematischen Verkehrserziehung sind alle Beteiligten überzeugt. „Theorie und Praxis gehören dazu. Die Kinder üben auf dem Platz der Verkehrsschulen und danach auch im Straßenverkehr. Sie lernen die Verkehrszeichen und Regeln, wie rechts vor links. Sie üben richtig abzubiegen, an Hindernissen vorbeifahren und wie sie sich auf dem Fahrradweg, an Ampeln und in Einbahnstraßen verhalten sollen. Man merkt auf jeden Fall einen Unterschied zwischen vor und nach der Verkehrserziehung“, erzählte die Polizeibeamtin Anja Loick, die an der Jugendverkehrsschule in Reinheim mit den Kindern arbeitet und ihnen die Prüfung für den Fahrradführerschein abnimmt.

Für die kleinen Freifluggewinner war die Sache ein großes Abenteuer. Aufgeregt kletterten sie in die Flugzeuge.

Einigen Müttern und Vätern, die am Boden warteten, waren die gemischten Gefühle am Gesicht abzulesen. „Ich bin froh, dass du wieder unten bist!“, rief die Mutter des elfjährigen Felix Herz aus Dieburg erleichtert lachend aus, als der Nachwuchs wieder festen Boden betrat. Sein Start war ein bisschen wackelig verlaufen. „Da habe ich ein bisschen Angst gehabt“, gibt der Junge offen zu. Aber es sei auf jeden Fall ein tolles Erlebnis gewesen. „Ich habe unser Haus und das Fußballspiel meines Freundes von oben gesehen“, erzählt er begeistert. Gemeinsam mit Felix in der Maschine saß der kleine Groß-Umstädter Saro. Er hatte das eher seltene Vergnügen, das Winzerfest einmal aus der Vogelperspektive zu sehen und hat den Flug genossen.

Quelle: op-online.de

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