„Wir kämpfen für die Zukunft“

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Die OP hat Pfarrer Ulrich Möbus vorweg über die Lage der kleinen aber eigenständigen Kirchengemeinde befragt.

Harpertshausen ‐ Zurückgehende Mitgliederzahlen und fast ausschließlich ältere Gottesdienstbesucher – in Deutschland haben viele Kirchengemeinden derzeit einen schweren Stand. In Harpertshausen zeigt sich die Situation ähnlich verschärft. Von Michael Just

Am Freitagabend soll das Thema im Rahmen einer Gemeindeversammlung diskutiert werden, zu der alle Mitglieder angeschrieben wurden. Die OP hat Pfarrer Ulrich Möbus vorweg über die Lage der kleinen aber eigenständigen Kirchengemeinde befragt.

Was ist der Grund für die Versammlung?

Wie die Gesamtbevölkerung nimmt auch die Zahl der Kirchenmitglieder ab. Letztere lag vor zehn Jahren in Harpertshausen noch über 320, jetzt liegen wir bei 255. In Zahlen klingt der Verlust wenig, in Prozent ist es deutlicher. So stellt sich die Frage, wo stehen wir in ein paar Jahren und was bedeutet der Rückgang finanziell und personell.

Wie prekär ist die finanzielle Situation?

Mit den Ausgaben für die Küsterin sowie Gas und Strom sind wir mit unserem Handlungsspielraum schnell am Ende. Vor drei Jahren war der Haushalt bereits nur über eine Rücklagenentnahme zu finanzieren. Durch die neue, sparsame Gasheizung haben wir etwas mehr Luft.

Trotzdem ist die finanzielle Zukunft ungewiss. Warum?

Unsere kirchlichen Zuweisungen setzen sich derzeit aus einem Pauschalbetrag für kleine Gemeinden zusammen. Es wird aber angedacht, die Gelder zukünftig an den Mitgliederzahlen auszurichten. Das wäre für Harpertshausen folgenschwer.

In Großstädten ist es gang und gäbe, ungenutzte Kirchen zu verkaufen. Auf dem Land ist das wegen mangelnder Nachfrage schwieriger. So erhielten wir den Vorschlag, die Kirche eventuell in eine profane Trauerstätte umzubauen, wo sich in die Wände Urnen einsetzen lassen. Dem Kirchenvorstand trieb diese Idee Tränen in die Augen.

Wie realistisch ist dieses Szenario?

Viele Finanzfragen sind noch ungelegte Eier. Sollte es wirklich soweit kommen, lässt sich das Problem erstmal aussitzen: Wir haben Rücklagen, die wir zuerst verbrauchen können.

Wo liegen die Ursachen für Situation in Harpertshausen?

Es sind drei Faktoren: Mehr Kirchenaus- als eintritte, mehr Beerdigungen als Taufen, mehr Wegzüge als Zuzüge. Alles macht unter dem Strich weniger Mitglieder.

Die Ursachenbekämpfung liegt in vielen Fällen nicht in ihrer Hand.

Wir haben im Ort keine Schule, keinen Kindergarten mehr und auch die Zukunft des Einkaufslädchens ist ungewiss. Ich weiß von Leuten, die von hier wegen einer mangelnden DSL-Verbindung weggezogen sind. Dazu kommt die Weisheit, dass auch mit Elterngeld nicht mehr Kinder geboren werden. So stellt sich nur allzu oft die Frage, welche Zukunft hat dieses Örtchen?

Was liegt in ihrer Hand?

Sowohl im Gottesdienst als auch bei den Veranstaltungen fehlt uns die mittlere Generation, die ich grob zwischen 25 und 60 Jahren einstufe. Viele Dinge wie etwa Konzerte mit vorwiegend englischen Texten haben dazu auch keinen Erfolg gebracht. Am Freitag steht deshalb nicht zuletzt die Frage im Raum, wie viel Interesse die Menschen an der Kirche hegen und was sie für Angebote haben wollen. Wenn es uns zukünftig nicht gelingt, den Anteil der mittleren Generation zu steigern, müssen und werden wir Angebote zurückfahren.

Was erwarten sie von der Versammlung?

Das wird sich zeigen. Der Kirchenvorstand und ich sind zumindest fest entschlossen für die Zukunft der Harpertshäuser Kirchengemeinde zu kämpfen.

Quelle: op-online.de

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