FDP-Ortsverband feiert 40-jähriges Bestehen

„Wir liegen nicht im Sterbebett“

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Ortsverbandsvorsitzender Thorsten Kind (links) ernannte Georg Wittenberger zum Ehrenmitglied der Babenhäuser Liberalen.

Babenhausen - Der kleine Saal der Stadthalle füllte sich schnell. Der Ortsverband der FDP hatte zur Feier seines 40-jährigen Bestehens eingeladen und über 80 Gäste waren gekommen, um den Babenhäuser Freidemokraten zu gratulieren und mit ihnen zu feiern. Von Petra Grimm 

„Wenn so viele Gäste kommen, heißt das doch auch, wir Liberalen liegen nicht auf dem Sterbebett“, sagte der Vorsitzende Torsten Kind und begrüßte Landrat Klaus Peter Schellhaas, FDP-Vertreter von Bezirks- und Kreisebene, Babenhäuser Kommunalpolitiker, darunter den Ersten Stadtrat Kurt Lambert, Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg und den zukünftigen Bürgermeister Achim Knoke. Als besonderen Ehrengast des Abends hieß er Dr. Wolfgang Gerhardt, Staatsminister a.D und Vorstandsvorsitzender der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit willkommen, der die Festrede hielt. Musik steuerte die Band Saxophonia Vier bei.

Im Oktober 1974 begann in der Gaststätte „Michelsbräu“, dem heutigen „Roten Hahn“, die Geschichte der FDP in Babenhausen. Als Gründungsmitglied kam der bekannte Babenhäuser Georg Wittenberger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins und Leiter des Stadtarchivs, zu Ehren. Thorsten Kind verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft im Ortsverband. Wittenberger war bereits 1968 an seinem damaligen Wohnort Offenbach der FDP beigetreten. In Babenhausen war er nach dem Erfolg der Liberalen bei der Kommunalwahl 1977, neben Werner Arndt, der nicht mehr in Babenhausen wohnt, bei der Feier am Freitag aber dabei war, einer der beiden ersten FDP-Stadtverordneten im örtlichen Parlament.

Über 30 Jahre Treue

Bei den Ortsverbandsmitgliedern Petra Palm, Manfred Klaes, Dietrich Wolter und Dr. Heinrich Kolb bedankte Thorsten Kind sich für über 30 Jahre Treue zur Partei. Wolfgang Gerhardt wandte sich in seiner Ansprache gegen den „gouvernantenhaften Staat“, der alles für die Bürger regele und absichere und damit jede Selbstverantwortung, Eigeninitiative und die Fähigkeit, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, ersticke. Ein Leben auf Kosten zukünftiger Generationen lehnte er mit deutlichen Worten ab. „Mut zum Unpopulären“ sei nötig, um der jetzigen Generation zu sagen, „dass sie nicht Zugriff auf alles hat“. Zukünftigen Generationen müsse ein „intakter Kapitalstock“ hinterlassen werden, zu dem gehöre selbstverständlich die Qualität der Umwelt, aber eben auch das erreichte Niveau des technologischen, ökonomischen und sozialen Wissens, der Bildungsstand, öffentliche Infrastruktur, der Stand der Staatsschulden sowie das Niveau der Besteuerung, das die zukünftigen Generationen durch gegenwärtige politische Entscheidungen erben.

Zu diesem hochkarätigen Redner war der aktuell 13 Mitglieder zählende Ortsverband über den Babenhäuser Dr. Heinrich Kolb gekommen, mit dem Gerhardt viele Jahre im Bundestag und in Hessen zusammen gearbeitet hat. Seit die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten ist, hat Kolb „das politische Hamsterrad nach 23 Jahren verlassen und alle politischen Ämter abgegeben“, wie er am Freitagabend sagte und es sei ein gutes Gefühl, einfaches Mitglied in einem Ortsverband zu sein. Wie andere Redner auch stellte der Babenhäuser laut die Frage, warum Freiheit derzeit bei den Deutschen kein wichtiger Wert sei: „Werden die Menschen von dieser Freiheit und der damit einhergehenden Selbstverantwortung überfordert?“

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Kolb erinnerte an den Fall der Mauer vor 25 Jahren und den „überschwänglichen Durst der Menschen nach Freiheit“. Wie könne es sein, dass von diesen Menschen, die in der ehemaligen DDR keine wirklich demokratischen Wahlen hatten, jetzt nur noch jeder zweite zur Wahl gehe, fragte er. „Bloß weil Liberale es im Moment schwer haben, wollen wir die letzten 40 Jahre doch nicht vergessen“, sagte Kind und zitierte Theodor Heuss: „Es ist keine Schande hinzufallen, aber eine Schande liegen zu bleiben.“

Vielleicht zählt das Wort eines Politikers, der selbst kein Mitglied der FDP ist, bei einem solchen Anlass besonders: Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) hob bei seinem Grußwort hervor, dass die FDP zur parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik gehöre. Sie habe über viele Jahr hinweg Akzente gesetzt. „Was sich im Moment im Parteienspektrum tut, ist beängstigend. Die FDP muss wieder erstarken“, sagte der Landrat.

Quelle: op-online.de

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