„Wir machen die Romantik mit“

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Trotz 20 Zentimetern Neuschnee machten sich etwa 60 Interessierte auf zum 32. Harpertshäuser Grenzgang. Auf der Route informierten Förster Tino Manthey und Ortsvorsteher Kurt Kratz über Wissenswertes.

Harpertshausen ‐ Um in Harpertshausen einen Grenzgang abzusagen, muss die Natur schon schwerere Geschütze auffahren als die Schneefront „Daisy“. Von Michael Just

Wir machen die Romantik mit“, sagte Ortsvorsteher Kurt Kratz gut gelaunt am Samstagmorgen mit Blick auf die rund 20 Zentimeter Neuschnee, die es auf zum Teil ungeräumten Feld- und Waldwegen zu durchwandern galt. Aufgrund der Fülle der weißen Pracht verkürzte man allerdings die Route von vormals zwei auf eineinhalb Stunden. Und auch den Mittagstisch mit Erbsensuppe und Würstchen, den die Feuerwehr als Mitorganisator wie immer vorbereitet hatte, wurde diesmal nicht auf der Strecke und damit an der Waldarbeiterhütte, sondern im Feuerwehrhaus eingenommen. „Dann kann es uns nicht in die Suppe schneien“, so der gutgelaunter Ortsvorsteher. Am Nachmittag warte noch Kaffee und Kuchen sowie eine Multi-Media-Show über die vergangenen Veranstaltungen im Ort.

Das Wetter und einen kraftraubenden Marsch schienen nur wenige zu fürchten, wie die Teilnehmerzahl verriet: Die ließ sich immerhin mit über 60 Wanderern festmachen. Darunter waren auch die neue erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück aus Langstadt, Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger Manowski.

Einen Blick zurück aufs Wetter warf Ortsvorsteher Kurt Kratz: Man habe in 32 Jahren Grenzgang schon diverse Wetter gehabt. An Schneehöhen wie heute könne er sich aber nicht erinnern. „Es war mit minus 20 Grad schon bitterkalt und auch regnerisch. Wenn kein Wind aufkommt bin ich sehr zufrieden und sehe das Wetter zum Laufen als angenehm“, so der Politiker. Die Strecke zog sich diesmal entlang der Grenze zu Hergershausen, dann zur Kiesgrube Krichbaum und im Anschluss an der Hißlache entlang Richtung Langstadt, bevor der abkürzende Schlenker ins Feuerwehrhaus erfolgte. Aber am Ende war die Gruppe dann doch zwei Stunden unterwegs.

Über die nicht ernstgemeinte Frage, ob die Feuerwehr als guter Gastgeber in den frühen Morgenstunden die Strecke ein wenig geräumt habe, musste Wehrführer Bernd Sauerwein schmunzeln. „Das ist natürlich nicht möglich gewesen“, so der Harpertshäuser. Trotzdem unterstütze man die Wanderer unterwegs mit warmen Getränken. Wer wolle, könne sich auch in den Mannschaftsbus zum Ausruhen setzen oder werde bei konditionellen Problemen wieder zurückgefahren.

Gut eingepackt war die sechs Monate alte Julia Ohlhofer für den Grenzgang.

Auf der Tour hatte Förster Tino Manthey Wissenswertes zur Waldwirtschaft parat und auch Kurt Kratz erwies sich am Schwalbensee in puncto lokaler Fauna firm, als er über die dortigen Naturschutzmaßnahmen sowie die Höckerschwäne und Nilgänse referierte. Zu Beginn hatte der Ortsvorsteher zudem erheiternde Informationen aus dem Harpertshäuser Ortsgerichtsbuch parat, das vor 500 Jahren bei juristischen Streitigkeiten herangezogen wurde. Beim Rückblick, was 2009 in Harpertshausen an Vorhaben umgesetzt wurde, bezog sich Kratz auf die realisierten Dinge und nicht, was aufgrund leerer Kassen nur langsam vorwärts geht. „Ich bin in den vergangenen Jahren leidensfähig geworden“, verwies er auf die nötige Geduld. Optimismus verbreitete Bürgermeisterin Gabi Coutandin: Die Stadt unterstütze eine schnelle Umsetzung der beiden neuen Baugebiete in Harpertshausen, um junge Familien in den Stadtteil zu bekommen. Damit verfolge man auch das Ziel, den geschlossenen Kindergarten wieder zu öffnen und ein neues Angebot im Ort zu etablieren. Die Renovierung des alten Schulhauses beziehungsweise des vorherigen Kiga-Domizils bezifferte Coutandin mit Kosten von rund 500 000 Euro.

Als am Samstagmorgen um kurz vor halb elf der Abmarsch anstand, sind die meisten Wanderer froh. Miriam Schäfer tritt bereits auf der Stelle. „Eigentlich sollte ich die Eigentemperatur halten können. Schließlich laufen wir beim Grenzgang seit elf Jahren mit und als Motorradfahrerin bin ich Outdoor-Aktivitäten gewöhnt“, lacht sie. „Wir schaffen uns warm“, sagt Heinz-Herbert Lehmhaus, der mit Walking-Stöcken gekommen ist. „Solange wir kein Matsch haben ist die Sache in Ordnung“, postuliert Bernd Baran. „Mir ist wärmer als gedacht“, informiert Uwe Büttner, der in einem Skianzug mit langer Unterhose steckt. Und auch der jüngsten Teilnehmerin, die sechs Monate alte Julia Ohlhofer, scheint „Daisy“ nichts anhaben zu können. „Sie ist gut eingepackt und sieht ganz glücklich aus“, sagt ihr Vater Markus.

Quelle: op-online.de

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