„Wir müssen mehr für uns werben“

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Leitet das Babenhäuser Tier-Asyl: Beate Laudien.

Babenhausen ‐ 30 Jahre betreute der „Tierschutzverein Münster und Umgebung“ den kompletten Betrieb des Kreistierheims in Münster und bekam dafür eine finanzielle Unterstützung von den 13 Trägerkommunen.

Jetzt wurde der auslaufende Vertrag nicht mehr verlängert. Über ihren Zusammenschluss „Verein Kreistierheim in Münster“ haben die Kommunen nun selbst seit Mitte Dezember die Regie in die Hand genommen, um näher am Betrieb des Tier-Asyls dran zu sein. Dafür wurde eine neue Heimleitung angestellt. Der „Tierschutzverein Münster und Umgebung“ wird sich zukünftig nur noch um die vereinseigene Einrichtung in Babenhausen kümmern. Die OP hat sich mit der Vorsitzenden Beate Laudien über die Perspektiven in Harreshausen unterhalten.

Sie haben 15 Jahre in Münster als hauptamtliche Tierpflegerin gearbeitet. Deshalb die wichtigste Frage zuerst: Was wird aus Ihnen?

Ich bleibe erste Vorsitzende und übernehme die Tierheimleitung in Babenhausen, wo ich als Pflegerin arbeite. Wie in Münster ist hier auch ein Wohnbereich angegliedert. Für uns ändert sich nichts, nur dass wir fortan nicht mehr in dieser Form ausgenutzt werden wie es bisher geschah.

Die Kündigung wird mit 2006 in Verbindung gebracht, als das Veterinäramt des Landkreises Sie beschuldigte, dass herrenlose, spanische Hunde zur Vermittlung importiert wurden und diese mit falschen Impfpässen letztlich auf Kosten des Trägers versorgt wurden.

Für uns hat dieser angeführte Vertrauensbruch etwas Fadenscheiniges, weil es zu dem Vorwurf nie eine Anklage oder eine Verurteilung gegeben hat. Wir haben damals von unseren 400 Mitgliedern kein einziges durch Austritt aufgrund dieser Sache verloren. Wenn alles wirklich so gewesen wäre, wäre ich bestimmt heute nicht mehr da.

Herrscht nach 30 Jahren nun eher Aufbruchsstimmung oder Depression vor?

Natürlich ist der Abschied in Münster mit Wehmut verbunden, schon deshalb, weil das Kreistierheim damals aufgrund der Bestrebungen von unserem Verein gebaut wurde. Wir investierten dort nicht wenig Zeit und Kraft. Jetzt haben wir mit der Sache aber komplett abgeschlossen.

Trotzdem bleibt, wie Sie sagen, ein nicht schöner Beigeschmack zurück?

Die letzten Jahre haben wir regelrecht um Geld gebettelt. Immer wieder sind Zuschüsse gekürzt worden und man hat uns trotz Belegen außen vor gelassen. Nachdem nun die Städte und Gemeinden selbst wieder am Ruder sind, hat deren Trägerverein den Etat für das Tierheim erstmal erhöht. Nun ist plötzlich doch wieder Geld für die Tiere da. Der neue Etat bedeutet nun auch anteilig mehr Beitrag für die Kommunen. Da die Erhöhung, wie man hört, nicht gerade gering gewesen sein soll, dürfte das einigen Kommunen aufgrund klammer Kassen eher aufstoßen und mit einer Trauer über die alte Situation verbunden sein.

Für die Arbeit in Harreshausen ergeben sich nun neue Konstellationen. Wie so oft dürfte die Medaille auch hier zwei Seiten haben...

Zuvor waren wir verpflichtet, alle gebrachten Tiere aufzunehmen. Das ist in unserem vereinseigenen Heim nicht der Fall. Der bisherige Zwang hatte weitreichende Personalfragen: Während Tiere kommen und gehen, geht das bei den Mitarbeitern nicht, das heißt, unsere Arbeit war stets mit großen Fixkosten verbunden. Ohne eine verpflichtende Annahme können wir nun etwas flexibler agieren. Unser Anliegen ist dabei natürlich trotzdem, für die Tiere das Beste zu erreichen.

Wie sieht die negative Seite aus?

Die jährlichen, öffentlichen Zuschüsse fallen nun komplett weg. Alles geht fortan nur noch über Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Vermittlungsgebühr. Das macht die Kalkulationen in Harreshausen schwierig. Wir müssen jetzt mehr rotieren, weshalb wir ab Januar eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und diverse Feste im Heim initiieren wollen.

Werden Sie von der Stadt Babenhausen unterstützt?

Wir haben im letzten Jahr vom Magistrat eine gute Bezuschussung für unseren Umbau in Harreshausen gekriegt, womit die Stadt ihre Verbundenheit gezeigt hat. Dennoch ist Babenhausen auch an das Kreistierheim in Münster angeschlossen. Wir wissen von Bürgern, die sich fragen, was die Stadt im Verein Kreistierheim macht, obwohl wir hier vor Ort doch ein eigenes Tierheim haben. Da Babenhausen Münster mitbezahlt, müssten alle Fundtiere theoretisch auch dorthin gefahren werden. Vielen Bürgern ist eigentlich noch nicht bewusst, dass es hier nun zwei völlig verschiedene Betreibervereine gibt.

Sie müssen optimistisch nach vorne schauen und tun das auch. In der jüngsten Erklärung Ihres Vereins gewinnt man der Zukunft in Harreshausen sogar etwas Positives ab...

Ja, das stimmt. Unserem kleinen Verein mit wenigen aktiven Mitgliedern wird die Konzentration auf einen Standort sicherlich gut tun. So können wir unser Engagement für Tier und Tierschutz zukünftig in einem Tierheim bündeln und unabhängiger agieren.

Quelle: op-online.de

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