„Wir wollen eine Einheit schaffen“

Babenhausen (jd) ‐ Das Schlusswort sprach Landrat Klaus Peter Schellhaas selbst – gerichtet an die rund 70 Schüler und Verantwortlichen der Bachgauschule Babenhausen, die am Donnerstagnachmittag den Kreisausschuss für Schule, Kultur und Sport besuchten.

Immerhin hatte er kurz zuvor in viele unzufriedene Gesichter geblickt.

„Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen und Sie mitnehmen auf den Weg zum Ziel. Es ist keine Entscheidung gegen ihre Interessen.“ Das Ziel lautet: Zusammenlegung der Bachgauschule (BGS) und der Joachim-Schumann-Schule (JSS) Babenhausen. Oberstufengymnasium zu Mittelstufe also – am besten dann, wenn die JSS in voraussichtlich etwa fünf Jahren ihre neuen Gebäude auf dem bisherigen Areal bezieht.

Wichtiger als das Versprechen des Landrats, die Schule bei der Ausgestaltung des Wegs mit ins Boot zu holen, dürfte für die BGS selbst die Tatsache sein: Das, was am 13. Dezember an Fusionsplänen im Schulentwicklungsplan (SEP) verabschiedet werden dürfte, ist keine Entscheidung. Es handelt sich lediglich um eine Absichtserklärung, aus der – und so hofft es die BGS zum jetzigen Zeitpunkt – nicht zwingend etwas Konkretes entstehen muss. Denn die BGS lehnt einen gemeinsamen Standort und eine organisatorische Einheit jenseits der derzeit bestehenden Kooperation ab.

„Stellungnahme der BGS war für uns ausschlaggebend“

Dass der Kreis und zumindest die meisten der stimmberechtigten Ausschussmitglieder eine gemeinsame Zukunft der beiden Babenhäuser Schulen gutheißen, zeigte die Debatte mit Abstimmung über Aufnahme der Absichtserklärung in den SEP. FDP und Freie Wähler mochten sich mit dem Fusionsvorhaben nicht anfreunden, fanden zusammen mit verbaler Unterstützung der Fraktion Die Linke/DKP aber keine Mehrheit für ihr Anliegen, die organisatorische Bindung der BGS an die JSS aus dem SEP zurückzunehmen. Auf das Abstimmungsverhalten von FDP und Freien Wähler in punkto Entscheidung zum SEP werde das aber keinen Einfluss haben – von der „Fusionskröte“, die Liberale und Freie schlucken mussten, hängt ihr Votum nicht ab. Ganz anders sieht das Werner Bischoff (Linke/DKP): Er werde am 13. Dezember im Kreistag schon aus diesem Grund – trotz guter Ansätze an anderer Stelle – gegen den SEP stimmen.

Nachdem die FDP über ihre schulpolitische Sprecherin Sigrid-Inge Slabon noch einmal die in unserer Zeitung bereits berichtete Ablehnung der Fusion deutlich gemacht hatte, stieß Brigitte Tesch von den Freien Wählern ins selbe Horn: „Die Stellungnahme der BGS war für uns ausschlaggebend. Dieser Schulwunsch hat für uns oberste Priorität.“ Da mochte Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) noch so oft betonen, dass die Verwaltung „eine Einheit“ anstrebe. Der größte Vorteil sei zunächst einmal, dass diese Einheit keine Nachteile mit sich bringe, hieß es seitens der CDU-Fraktion.

„Sehr geschätzte Lern- und Arbeitsatmosphäre“

Fleischmann hat auch bauliche Aspekte im Hinterkopf, sieht Chancen für Synergien an einem Standort. Zudem könne so eine Sanierung der jetzigen BGS gespart werden. Die SPD teilte zusammen mit den Grünen mit, man hoffe, die Opposition werde nicht aus wahlkampftaktischen Gründen gegen den SEP votieren. Die Zusammenlegung von BGS und JSS biete eine „große Chance“. Immerhin seien die meisten Schüler der BGS frühere JSSler.

Skeptisch blieben nicht nur Lehrer und Schulleiter der BGS, sondern auch die jetzigen Schüler – obwohl die ihr Abitur nicht mehr an der JSS machen werden. Sie verteilten im Ausschuss eine schriftliche Stellungnahme gegen die Zusammenlegung und wiesen etwa auf die „sehr geschätzte Lern- und Arbeitsatmosphäre“ hin. Zudem seien die pädagogischen Konzepte eines Oberstufengymnasiums und einer integrierten Gesamtschule „absolut nicht vereinbar“.

Die JSS selbst, von der laut Fleischmann im Sommer 28 Schüler nach Dieburg (17 auf die Landrat-Gruber-Schule und elf auf die Alfred-Delp-Schule) statt auf die gegenüber beiden Schulen kleinere BGS gingen, sieht die Diskussionen unterdessen entspannt: „Wir könnten mit beiden Lösungen leben“, sagte Uwe Schimsheimer, der Kommissarische Schulleiter, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Lehrer der JSS würden das Thema kontrovers sehen. Außerdem wolle man nicht mitten im Wahlkampf in die Diskussion einsteigen. Gegenüber dem Kreisausschuss hatte die JSS aus diesen Gründen keine Stellungnahme abgegeben.

Quelle: op-online.de

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