Wird mit LED die Nacht zum Tage?

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Babenhausen avanciert mit 26 Laternen, die auf die neue Technik umgestellt werden, zum größten Versuchsplatz in ganz Südhessen.

Babenhausen - Was bei Autoscheinwerfern und im Kleinformat bei Taschenlampen längst Standard ist, kommt nun auch bei Straßenlaternen: „LED heißt die Lichttechnik der Zukunft“ weiß Jürgen Hein-Benz, Bereichsleiter der HEAG, Südhessische Energie AG (HSE). Von Michael Just

Am Dienstagmorgen steht er zusammen mit seinem Kollegen Rudolf Erbeldinger, Bürgermeisterin Gabi Coutandin sowie Katharina Freckmann vom städtischen Fachbereich für Bau- und Stadtplanung in der Ziegelhüttenstraße und hat den Kopf zurückgelegt. Zusammen begutachtet das Quartett eine von gut zwei Dutzend Laternen, in deren Inneren sich neuartige LED-Platinen befinden.

LED steht für lichtemittierende Diode – und ist auf dem Vormarsch. Wie sich die Technik jedoch als Straßenbeleuchtung im flächendeckenden Einsatz bewährt, darüber haben Betreiber und Kommunen noch keine ausreichende Erkenntnis. Die Stadt und der Energieversorger HSE testen deswegen in einem Pilotprojekt modernste Straßenlampen auf LED-Basis im Alltagsbetrieb. Dafür hat die HSE in der Ziegelhüttenstraße, Heinrich-Heine-Straße und im Schwabenweg insgesamt 26 Leuchten von zwei unterschiedlichen Herstellern installiert, die auf Leuchtstärke, Effizienz und Witterungseinflüsse überprüft werden.

Straßenlampen sollen 30 Jahre halten

„Derzeit ist eine flächendeckende Einführung schwierig, da es noch keine einheitlichen Standards und damit verbindliche Normen gibt“, erklärt Hein-Benz. Schaffe man jetzt an, bedeute das eine langfristige Abhängigkeit vom jeweiligen Hersteller, da Straßenlampen 30 Jahre halten sollen. Dazu kommen die Mehrkosten, die mit 80 Prozent fast doppelt so hoch liegen wie bei den herkömmlichen Natriumdampflampen.

Im Gegenzug versprechen die Hersteller eine hohe Energieeffizienz mit Einsparungen um die 50 Prozent. Die Stadt bezeichnet ihre Kooperation mit der HSE als einen konsequenten Schritt Richtung Nachhaltigkeit. „Mit dem LED-Projekt wollen wir den Einstieg in eine Zukunftstechnologie schaffen. Dabei geht die Hoffnung über eine Entlastung des Haushalts mit weniger Energiekosten einher. Zudem streben wir einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz an“, so die Bürgermeisterin. Hein-Benz bereiten die derzeit noch hohen Anschaffungskosten keine Sorgen: „Wie bei allen Neuerungen werden die im Lauf der Zeit fallen“, sagt er voraus.

Mit der LED-Technik sind noch weiterer Vorteile, wie etwa geringere Wartungskosten samt einer längeren Lebensdauer, verbunden. Dazu fällt bei dem neuen Leuchtmittel das bisherige Hochbrennen weg. Weniger Streuverluste ist ein weiteres Argument. Als nachteilig erweist sich die Blendgefahr durch eine sehr hohe, fast grelle Leuchtdichte. Für weitere Erkenntnisse forscht die HSE auf diesem Gebiet gemeinsam mit dem Institut für Lichttechnik der TU Darmstadt. In Arheilgen hat man bereits eine LED-Modellstraße eingerichtet, in Mörfelden-Walldorf laufen Tests am Bahnhof. Daneben gibt es kleinere Projekte wie etwa in Michelstadt.

Rückmeldung der Bürger erwünscht

Babenhausen gilt mit 26 Leuchten als der größte Versuchsplatz in Südhessen. An allen Orten nehmen vor allem die Lichtkegel der neuen Lampen einen wichtigen Stellenwert ein. Denn strahlen diese nicht weit genug, müssten im ungünstigsten Fall die Masten versetzt werden. Mit den beiden unterschiedlichen Herstellern in Babenhausen werden deshalb auch zwei verschiedene Spiegeltechniken untersucht. Kommen die neuen Lampen tatsächlich in Zukunft, gehen diese auf Kosten der Stadt, die HSE übernimmt den im Straßenbeleuchtungsvertrag geregelten Betrieb. „Eine Anschaffung verläuft in der Regel Schritt für Schritt“, erläutert Katharina Freckmann.

Bis zum Frühjahr 2012 soll das Projekt weitere Erfahrungen bringen. Dazu ist auch eine Rückmeldung der Bürger erwünscht. Wie Hein-Benz betont, ist das Thema Straßenbeleuchtung generell ein sensibler Bereich. So soll das erzeugte Licht sowohl ein Sicherheitsempfinden als auch ein Wohlgefühl auslösen. Dem steht allerdings der moderne Begriff der „Lichtverschmutzung“ gegenüber: Er bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch die starken, künstlichen Lichtquellen des Menschen, wie sie vom All aus gut zu sehen sind. Weil sie die natürliche Dunkelheit verdrängen, gelten sie als neuzeitliche Umweltverschmutzer. In Ballungszentren sind Kritiker deshalb gegen Lampen, die die Nacht zum Tage machen.

Quelle: op-online.de

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