Die Tour für den Magen

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Der Stadtführerin im Kostüm folgt die Schlemmertruppe durch die Bummelgasse.

Babenhausen - Stadtführerin Ute Wittenberger, stilecht gewandet als Anna, die 1590 erste urkundlich erwähnte Wirtin des Schwartzen Löwen, führte eine achtköpfige Gruppe auf eine Schlemmertour, die mit Handkäs’ mit Musik und Äppelwoi im Hanauer Tor begann. Von Petra Grimm

Wer historisch interessiert und kulinarischen Genüssen in geselliger Runde nicht abgeneigt ist, für den ist das neue Angebot der Stadt und des Heimat- und Geschichtsvereins genau das Richtige. Am Sonntag sorgte die erfolgreiche Premiere der kulinarischen Führung durch Babenhausen für gut gefüllte Mägen und angeregte Gespräche.

Bevor sich die aus Ober-Roden und Dieburg angereisten Gäste jedoch die beliebte, hessische Spezialität schmecken ließen, fütterte Ute Wittenberger sie auf dem Marktplatz mit historischen Schmankerln.

Die Teilnehmer erfuhren, dass Anna als Wirtin des traditionsreichen Gasthauses sehr wohlhabend war und ein gutes Gastgeschäft hatte. Sie hatte die Lizenz zum Schnaps brennen und Bier brauen. „Sie zahlte ordentlich Steuern an Graf Philipp V., der diese auch für das Allgemeinwohl ausgegeben hat“, sagte Ute Wittenberger, die gemeinsam mit ihrem Mann Georg die Idee für diese ungewöhnliche Stadtführung hatte.

Viele leer stehende Geschäfte

„Wir haben zwar viele leer stehende Geschäfte, aber einige sehr gute Gasthäuser in Babenhausen. Das kann man auf diesem Weg doch mal bekannt machen“, sagte Ute Wittenberger. Neben den beiden Traditionshäusern aus dem 16. Jahrhundert, dem Hotel-Restaurant Schwartzer Löwe und der Gaststätte Zum Hanauer Tor, gehörte auch das Bistro in der geschichts-trächtigen Stadtmühle zur Tour. Für die Auswahl entscheidend war, ob die Gebäude historisch etwas hergeben. Denn es geht ja nicht nur ums Essen. Doch das war in Form eines dreigängigen Menüs wichtiger Bestandteil des Events. Wirte und Veranstalter freuten sich, dass es den Teilnehmern gut schmeckte.

Nach der liebevoll angerichteten Vorspeise im Hanauer Tor, das seit drei Wochen von Daniela Henning als neuer Geschäftsführerin geleitet wird, mundete die Hauptspeise in der Stadtmühle. Hier tischte Wirt Winfried Gotta einen Hexatorbraten, einen Schweinebraten mit brauner Biersoße, Semmelknödel und Gemüse auf.

Für die Nachspeise waren Katarina Lagagna und ihr Team im Schwartzen Löwen verantwortlich. Der gemischte Nachspeisenteller mit Pa-latschinken, Eis, Kuchen und Kaffee, so viel die Leckermäuler mochten, rundete den kulinarischen Teil der Führung ab.

Babenhausen von einer unbekannten Seite kennenlernen

Die Teilnehmer, die auf Einladung von Gabriele Pick aus Ober-Roden schlemmten, haben Babenhausen sicher von einer ihnen bisher unbekannten Seite kennen gelernt. „Ich habe in der Offenbach-Post von diesem Angebot gelesen und die Tour als Dankeschön für meine Umzugshelfer gebucht“, sagte Gabriele Pick, die mit dem Fahrrad schon öfter in Babenhausen war. Sie sei selbst als Familienforscherin an der Heimatgeschichte interessiert. „Und oft kennt man ja die nähere Umgebung weniger als die ferne.“

Handkäs" und Äppelwoi werden im Hanauer Tor serviert.

Gemeinsam mit ihren Freunden erfuhr sie nicht nur allerhand über die Geschichte traditionsreicher Babenhäuser Gasthäuser, sondern auch über verschiedene Spezialitäten der Region. Über die Kunst des Brotbackens, die zurückgeht bis auf die Chatten, die Vorfahren der heutigen Hessen, oder die Wurstspezialitäten, die die im 5. und 6. Jahrhundert eingewanderten Franken mitbrachten, sprachen sie ebenso wie über die Grüne Soße. „Ich behaupte jetzt mal, dass die in Babenhausen und nicht in Frankfurt erfunden wurde“, sagte Ute Wittenberger lachend. Mit welchen historischen Tatsachen sie ihre These stützt, kann man bei der kulinarischen Stadtführung erfahren.

‹ Gebucht werden kann die Führung, die pro Person 25 Euro kostet und jeden letzten Sonntag im Monat von 11 bis 14 Uhr oder nach Vereinbarung stattfindet, im i-Punkt der Stadt Babenhausen und telefonisch unter 06073/60274.

Quelle: op-online.de

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