Lob für die familiäre Atmosphäre

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Derweil gehört zur Freude der Marktleitung wieder ein Obst- und Gemüsehändler zum Wochenmarkt.

Babenhausen - Würde das Holz der Fachwerkbauten nicht in der Sonne glänzen, könnte man die Szene fast im Mittelmeerraum vermuten: Der Kreis von rund 20 Personen nippt an Weiß- und Rotwein, aber auch Cocktails und Bier werden getrunken. Von Michael Just

Dazu genießen sie ganz dünn geschnittenen Schinken, eingelegte Sardinen sowie Oliven und Weißbrot. Die kleine, überschaubare Runde zeichnet eine heitere Stimmung aus. Eingerahmt wird sie von einer Blumenverkäuferin, einem Obststand sowie drei Transportern, die, davor oder aus dem Wagen heraus, ihre Produkte verkaufen.

Jeden Donnerstag ist von 14 bis 19 Uhr Wochenmarkt. Seit neun Jahren lässt sich vor der Stadtkirche – auch im Winter – abseits von Discountern in persönlicher Atmosphäre von Mensch zu Mensch einkaufen. Dabei ist auch erwünscht, direkt vor Ort einen guten Wein oder einen leckeren Happen zu genießen.

Der Stammtisch ist regelmäßig gut besucht.

Den besten Grund sich niederzulassen liefert Weinhändler Günther Eichler mit seinen Tröpfchen vom Rhein. „Am Anfang bin ich vor allem wegen des herrlichen Marktplatzes gekommen“, erzählt er. Da habe er noch Verluste eingefahren, bis nach und nach mehr Leute kamen. „Viel verdienen und reich werden kann man derzeit immer noch nicht“, erzählt der 58-Jährige. Woanders sehe man mal paar ein paar neue Gesichter, das sei in Babenhausen anders. „Eigentlich seltsam“, merkt der Mann mit den Hosenträgern und der Nickelbrille an, der sich im Sommer, wenn es ihm zu warm wird, einfach in die Stadtkirche setzt. Trotzdem möchte er den Markt nicht missen, weil sich alle kennen und duzen.

Glücklich über neuen Gemüsehändler

Nebenan offeriert Karl-Heinz Brückner, der aus Schöllkrippen eine Stunde Anfahrt hat, ein buntes Sortiment: Er mixt Cocktails, verkauft zudem Nudeln, Essig und Öle. „Es fehlen die Einkäufer zwischen 40 und 60. Mittzwanziger kriegen wir ohnehin nicht hierher“, sagt der 53-Jährige. „Die Zeiten mit dem Handel sind eben rum und die Wochenmärkte auf einem absteigenden Ast. Aber es reicht noch“, schickt er hinterher und lobt die familiäre Atmosphäre und die Gespräche, die zwischen gut und „weniger sinnvoll“ rangierten.

Mit Hildegard Propach aus Dietzenbach gibt es eine eigene Marktmeisterin. Sie vertritt eine Marktgilde und ist stolz auf „ihren“ Markt, dessen Produkte nicht teurer seien als die im Kaufhaus. „Wir haben konstant sechs bis sieben Stände. Die Fischfrau macht derzeit Sommerurlaub, an einer Käsefrau bin ich dran“, erzählt sie.

Glücklich ist sie über den neuen Gemüsehändler. Beim Metzgereiwagen muss sie nicht viele positive Worte verlieren: „Der hat Top-Sachen und stets die größte Schlange.“ Mit der Akzeptanz des Marktes ist sie zufrieden, auch wenn es jetzt in den Ferien schwieriger sei.

So laufe es anderenorts schlechter, wie in Urberach, wo sie nur zwei Verkaufswagen hat. Liebgewonnen hat sie vor allem den Stammtisch und damit jene Babenhäuser, die Zeit zum Verweilen mitbringen.

Vor der Stadthalle wäre mehr Laufkundschaft

Zu ihnen gehört Reinhard Weitzel. „Wenn wir nicht kommen, wäre das hier schon gestorben“, hebt der 73-Jährige hervor, der einst im Strafvollzug und danach in Babenhausen als Hilfspolizist gearbeitet hat. Für ihn ist es ein Anliegen geworden, den Markt zu erhalten. Selbst im Winter schaut er vorbei. „Dann hat der Günther meist ein paar Decken dabei“, berichtet der Pensionär.

Zu der verschworen Truppe gehört ebenfalls Gretel Klein (78). Sie wohnt in der Altstadt und hat es nicht weit. „Es gibt hier angenehme Leute, keine Krawallmacher“, lobt sie die Tischnachbarn. Hier erfahre man neues, „wer gestorben ist oder bankrott macht“. Auch ihre Nachbarin ist da, die wie die anderen Rentner hier Geselligkeit sucht und findet. Den meisten Verkäufern bleibt genügend Zeit für einen Plausch mit ihren Kunden. Während der neue Obstverkäufer zufrieden ist, läuft es bei der Blumenfrau laut ihrer Aussage eher ins Minus. Auch für Massimo Verano mit seinen italienischen Spezialitäten könnten es ein paar Kunden mehr sein. „Ich bin Donnerstagmorgen noch in Erlenbach. Sonst würde sich der Tag nicht lohnen“, berichtet er. Wie er glaubt, würde vielleicht ein Umzug vor die Stadthalle helfen, weil dort mehr Laufkundschaft ist. So habe die Fischfrau dort schon neben dem Hähnchenmann gestanden und dreimal mehr Umsatz vermeldet. Einen Umzug möchte der Stammtisch eigentlich nicht. Für den gibt es keinen schöneren Platz als zwischen Rathaus und Stadtkirche. In dem Kreis versteht man es ohnehin kaum, dass nicht mehr Babenhäuser das Angebot genießen.

„Das ist eben ein sparsames Völkchen“, glaubt Weitzel. Einige hätten wohl Angst, beim Nichtstun beobachtet zu werden oder dabei, dass sie sich einen guten Tropfen gönnen. „Dabei hat doch gerade Babenhausen ein solches Angebot nötiger denn je.“

Quelle: op-online.de

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