Wohngebiet Erloch im Fokus

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„Verdichtetes Wohnen“ nennt die Stadt die Situation im Erloch. Für Kinder und Jugendliche gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten. Die Jugendpflege will sich dieses Quartiers 2010 besonders annehmen

Babenhausen ‐ Sie nehmen Angebote des offenen Jugendtreffs wahr, kommen schon mal ins Juca, machen sich bei den meisten Angeboten aber rar. Woran liegt‘s? Von Stefan Scharkopf

„Das große Projekt in diesem Jahr wird sich damit beschäftigen, was Kinder und Jugendliche im Wohngebiet im Erloch brauchen“, sagt denn auch der städtische Jugendpfleger Michael Spiehl.

Um darauf eine Antwort zu erhalten, werden die Mitglieder des Jugendforums, begleitet von Mitarbeitern der Kinder- und Jugendförderung, mit einem Fragebogen in der Hand die Anwohner der Straßen Im Erloch, Elisabethenstraße, Marienstraße, Erlochweg und Luisenstraße befragen. Rund 800 Haushalte werden in dem Geviert gezählt.

Nicht nur Kinder und Jugendliche werden interviewt, sondern generell Anwohner in fünf verschiedenen Alterssparten von zehn Jahren beginnend bis 60 Jahre und älter. Die Antworten sollen, basierend auf der einzigen Ausgangsfrage, individuell ausfallen; soll heißen: Es wird durch den Interviewer keinerlei Kategorie vorgegeben oder zur Auswahl gestellt. Der Fragebogen soll dem Protokollant lediglich dazu dienen, die Antworten einzuordnen. Die Ausgangsfrage lautet: „Was finden Sie/Was findest Du im Wohngebiet ‚Im Erloch‘ gut und was könnte besser sein?“ Die Antworten werden in die Bereiche Wohnsituation, Freizeitgestaltung, Kultur, Integration/Beratung/Information, Verkehr/Mobilität/Infrastruktur und Betreuung übertragen.

Erhöhter Handlungsbedarf für dieses Quartier

Demnächst wird im Rathaus auch ein Schaukasten aufgestellt, der die Problematik ebenfalls darstellen soll. Dass im Erloch etwas getan werden muss, liegt auf der Hand. Die Mieten sind vergleichsweise niedrig, die Zahl sozial Schwacher und Migranten hoch. Eine Untersuchung des damaligen Bündnisses für Familie hatte vor einiger Zeit ergeben, dass rund die Hälfte der Eltern, deren Kinder die Kita in der Ludwigstraße besuchen, kein Deutsch spricht.

Laut Ergebnis einer Bestandserhebung von 2008 des Landkreises Darmstadt-Dieburg lag die Quote aller Hilfen und Maßnahmen des Jugendamtes – bezogen auf 1 000 Personen der altersgleichen Bevölkerung unter 21 Jahren – bei 23,4 in Babenhausen; dies entspricht landkreisweit der zweithöchsten Quote. Da der Großteil der Hilfen zur Erziehung und/oder der Eingliederungshilfen im Wohngebiet „Im Erloch“ stattfindet, leiten Stadt und Jugendpflege einen erhöhten Handlungsbedarf für dieses Quartier ab. „Es ist ein verdichtetes Wohngebiet mit einer bestimmten Sozialstruktur“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt den Jugendlichen unter die Arme gegriffen. Im Sommer 2008 konnten sie den Bolzplatz einweihen, nachdem eine fünf Jahre lange Odyssee durch die Weiten der Bürokratie erfolgreich zu Ende gebracht wurde, die allen Beteiligten viel Durchhaltevermögen und „Kampfgeist“ abverlangt hatte. Jetzt könnte der Platz durch Klettermöglichkeiten noch aufgewertet werden.

2. Internationales Fußballturnier

Doch nicht nur die Stadtjugendpflege ist sehr interessiert, die Jugendlichen mehr ins Boot zu holen, sondern auch die Feuerwehr. Die Brandschützer sind darauf angewiesen, dass zum einen mehr Leute bei ihnen mitmachen, zum anderen gibt es derzeit keinen Kameraden mit ausländischen Wurzeln in ihren Reihen. „Wir hatten mal einen türkischen Feuerwehrmann, der uns sehr geholfen hat, beispielsweise mit Unfallopfern zu sprechen. Leider ist der Mann umgezogen“, sagt Stadtbrandinspektor Mario Wörner.

Um sich gegenseitig besser kennen zu lernen, gibt es am 22. Mai einen Aktionstag mit Fest, bei dem alle interessierten Vereine, die Jugendpflege und die Feuerwehr sich vorstellen wollen. Das „2. Internationale Fußballturnier“ wird ausgetragen, die „Jumbos“ des Blasorchesters könnten spielen, es gibt Kaffee, Kuchen und jede Mengen Information.

Wer sich am Aktionstag am 22. Mai beteiligen will, kann sich bei der städtischen Jugendpflege, Michael Spiehl, Tel.: 712149, oder Ina Hildwein, Tel.: 687212, melden.

Doch es soll nicht nur beim Aktionstag bleiben. Aktuell wird ein „Fifa-Soccer-Turnier“ (Playstation) im Jugendcafé vorbereitet. Im Erloch selbst entstand gerade eine Privatinitiative, die sich mit den Jugendlichen befassen und sich mit der städtischen Jugendpflege vernetzen will. Dafür soll ein Raum gefunden werden. Ebenso ist daran gedacht, einen Müttertreff einzurichten, womöglich im Sophie-Kehl-Haus. Gesucht wird eine türkisch sprechende Frau, die mit den Müttern zusammenarbeitet und Informationsdefizite abbaut.

„Auch städtebaulich muss sich etwas ändern“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Wenn in dem Quartier Straßen erneuert werden, könnte man auch daran denken, Aufenthaltsquartiere zu schaffen, wo sich die Menschen begegnen können. „Letztlich“, so Coutandin, „geht es bei allen Maßnahmen um die Teilhabe und Verantwortung aller gesellschaftlichen Gruppen.“

Quelle: op-online.de

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