Die Wolken weisen den Weg

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Bevor es in die Luft geht, gibt es einen Sieben-Punkte-Check.

Babenhausen ‐ Gestern Morgen um kurz nach neun: Unter seinen blonden Locken fällt es Lars Rehm noch ein bisschen schwer, die Augen zu öffnen. Die Erklärung des 19-Jährigen ist einleuchtend: „Gestern hatten wir Bergfest und damit die Hälfte des Fliegerlagers. Von Michael Just

Das haben wir ein bisschen gefeiert.“ Eine kleine Party zu organisieren, fiel den jungen Flugschülern alles andere als schwer: Wie bei allen einwöchigen Lagern, die zweimal im Jahr stattfinden, bot der Verein für echtes „Lagerfeeling“ an, in den LSC-Campingwagen auf dem Vereinsgelände zu übernachten. Das nahmen ein Drittel der 25 Teilnehmer an. Die Müdigkeit war bei Rehm am Donnerstagmorgen aber wieder schnell verflogen: Als die sechs Segelflieger aus dem Hangar geschoben werden und der tägliche, sieben Punkte umfassende Sicherheitscheck ansteht, ist er voll bei der Sache.

Kein Wunder, hat der 19-jährige Frankfurter, der bereits ab dem frühstmöglichen Einstiegsalter von 14 Jahren mit dem Luftsport beim LSC begann, Großes vor. „Ich will Pilot werden und habe im August die ersten Eignungstests bei der Lufthansa“, sagt der angehende Abiturient. Den Segelflugschein hat er bereits in der Tasche, jetzt soll noch der für den Motorsegler folgen. Mitgebracht zum Fliegerlager hat er eine Freundin, die 16-jährige Lea Bopp. Sie gehört zu den acht Schnupperschülern, die zum ersten Mal abheben und manchmal noch etwas schüchtern die Handgriffe der Kollegen beobachten, die schon etwas länger dabei sind. „Er hat mich mitgeschleppt“, lacht die junge Offenbacherin. „Wir sind alle hier, um dazu zu lernen“, versucht ihr Rehm die Zurückhaltung zu nehmen. Die ersten Erfahrungen waren für Bopp positiv, ob sie dranbleibt, weiß sie noch nicht.

Zehn Stunden Arbeit für zehn Minuten Vergnügen

Als nicht ganz so ideal zeigten sich diese Woche die Wetterbedingungen. Die Thermik ließ stellenweise zu wünschen übrig. „Die Wolken haben als Thermik-Indiz am Dienstag und Mittwoch gefehlt. Das war für Anfänger und Fortgeschrittene nicht ganz einfach“, sagt Jugendwart Armin Strobel. So habe sich keiner der Piloten getraut, weiter wegzufliegen. Laut Fluglehrer Peter Fuchs habe man zwar stellenweise viel Sonnenschein gehabt, die kalten Winde mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde am Boden und 40 in der Luft hätten aber die Thermik stellenweise zerrissen. „Eine gute Mischung aus Kumuluswolken und blauem Himmel ist optimal“, führt Fuchs an. „Da tut sich für den Segelflieger eine Straße auf und er weiß, wo er hin muss.“

Trotz der nicht ganz optimalen Bedingungen zeigte sich Fluglehrer Peter Smith mit der Motivation der jungen, zum Teil erst 14 Jahre alten Flugschüler, zufrieden. „Wir Erwachsene sind Helfer und nicht Aufpasser“, beschreibt er die Rolle der insgesamt vier Fluglehrer. Dass die Einstellung der Jugendlichen stimmt, macht er an der Tatsache fest, dass diese täglich von 9 bis 19 Uhr anpacken, wenn es gelte, die Segelflieger immer wieder mit viel Muskelkraft in die Ausgangsposition zu schieben. „Das sind zehn Stunden Arbeit für gerademal zehn Minuten Vergnügen“, erzählt Smith über die drei Flüge pro Person und Tag, die in der Grundausbildung beim Erlernen der Start- und Landephasen nur drei bis fünf Minuten dauern. So bricht Smith eine deutliche Lanze für den heute oft als bequem titulierten Nachwuchs: „Hier wird mit einem riesen Elan an die Sache rangegangen. Da kann man zu jedem, der solche Sprüche loslässt, nur sagen, dass er mal herkommen und schauen soll, wie hier gearbeitet wird.“

Quelle: op-online.de

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