Zu hören sind nur Reifen

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Hans Geißler ist von der Fahrt im Twizzy, dem pfiffigen Zweisitzer, sehr angetan.

Babenhausen - Erst Tipps zur Bezuschussung von effizienter Technologie, dann eine Runde im Elektroauto drehen. Zum Workshop „eMobilität“ waren am Donnerstag Gewerbetreibende ins Rathaus geladen. Von Ulrike Bernauer

Der Workshop war der fünfte Teil des Projektes „Energie-Profit-Babenhausen“, bei dem sich Gewerbetreibende über Möglichkeiten der Energieeinsparung informieren können. „Für Kurierdienste im innerstädtischen Bereich sind Elektrofahrzeuge ganz sicher sehr interessant“, sagte Tom Utberg, Mitarbeiter des Transportunternehmens Emans. Im Moment kann er sich für seine Firma kein Elektrofahrzeug vorstellen, da die Spedition national und international tätig ist. „Aber für Unternehmen, die nur kurze Strecken fahren und auch noch in engen Gassen kutschieren müssen, kann ich mir ein Elektrofahrzeug gut vorstellen.“ Der Gebietsleiter der Firma wollte sich trotz mangelnden akuten Bedarfs informieren. „Man weiß nie, was die Zukunft bringt.“

Sie sind leise, die Elektroautos, sei es nun der kleine Lieferwagen Kangoo von Renault oder der Dreisitzer von Mia-Electric, die Probe gefahren werden konnten. Dreht man den Zündschlüssel, hört man einfach nichts. Es springt kein Motor an und auch beim Fahren sind nur die Reifengeräusche und beim Lieferwagen der Fahrtwind zu hören. Gewöhnungsbedürftig sind die Fahrzeuge allerdings auch für Fahrer, die normalerweise eine Kupplung und Gangschaltung bedienen. Die Elektroautos fahren sich wie ein Automatikfahrzeug.

Interesse fanden aber nicht nur die vierrädrigen geschlossenen Fahrzeuge, sondern auch die eBikes und Pedelecs (Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor) vom Zweiradshop Niederhofer. Jürgen und Gertrud Weimann beispielsweise schauten sich die neuen Modelle an, obwohl sie als Kunden momentan nicht in Frage kommen. Vor anderthalb Jahren haben sie sich mit zwei eBikes ausgestattet. „Wir sind sehr zufrieden mit unseren Rädern, wir fahren zwar nicht mehr, wir sind Schönwetterfahrer, aber wir fahren weiter, schneller und viel bequemer“, preist Jürgen Weimann die Räder.

Regenerative Energien nächstes Thema

Auf 15 bis 20 Prozent schätzt Inhaber Klaus Schmitt inzwischen die Umsätze mit den eBikes. „Es sind durchaus nicht nur ältere Kunden, die ein Elektrorad bei uns kaufen. Die Räder erschließen neue Kundengruppen, und viele entdecken den Spaß am Radfahren bei sich ganz neu“. Zwischen 1800 und 7000 Euro muss ein Kunde allerdings auf die Ladentheke blättern, dafür hat er mit einer Akkuladung aber auch eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern.

Der Preis ist es auch, der viele Geschäftsinhaber noch von einem Elektroauto abhält. Bezahlen sie für den Kangoo in Dieselausführung um die 10.000 Euro, so kostet das gleiche Fahrzeug in E-Ausführung mit 20.000 Euro das Doppelte. 90 bis 145 Kilometer kann ein eMobil dann fahren, bevor es wieder an die Steckdose muss. Für Betriebe, die durch eine Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugen, ist ein solches Fahrzeug jedoch durchaus interessant.

Über den Besuch des Workshops zeigte sich Tanja Hollenbach, Leiterin der Stabsstelle Energie & Umwelt der Stadt Babenhausen ein wenig enttäuscht. Der Workshop der Reihe „Energie-Profit Babenhausen“, der normalerweise nur angemeldeten Firmen vorbehalten ist, war für alle interessierten Bürger geöffnet. „Ich hätte mir schon ein wenig mehr Zuspruch gewünscht.“

Um regenerative Energien wird es im letzten Seminar der sechsteiligen Reihe in vier Wochen gehen. Dämmung, Beleuchtung, Heizung, Lüftung und Klima waren schon Themen der vergangenen Workshops. Zum Paket gehört auch noch der Besuch von Cord Röpken von der Beratungsfirma B.A.U.M. Consult in den beteiligten Firmen, der sich vor Ort ganz persönlich über die Energieeinsparpotenziale in den Firmen informiert. Der Berater beleuchtete am Donnerstag auch die Probleme der Elektroautos, die eine größere Nutzung bis jetzt noch verhindern. Er sprach über hohe Anschaffungskosten, die begrenzten Reichweiten, die langen Ladezeiten, aber auch die mittlerweile größere Fahrzeugvielfalt.

Quelle: op-online.de

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