Zarte Versuchung in der Bummelgasse

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Marga Jonas (links) vom Babenhäuser Weltladen ließ sich gemeinsam mit ihren Kundinnen die verschiedenen Schoko-Sorten schmecken. Hier laben sie sich am Schokobrunnen.

Babenhausen ‐ Reiner Versuchung war ausgesetzt, wer gestern durch die Bummelgasse lief und am Weltladen vorbeikam: „Schokoladen-Probiertag“ war dort auf einem Schild zu lesen. Von Veronika Szeherova

Wer dieser Verheißung folgte und das Lädchen betrat, fand sich wieder in einem kleinen Paradies für Schokoladenfans. Schmelzend zart und verführerisch duftend floss sie einen Schokobrunnen hinab, um frische Früchte in einen köstlichen Mantel zu hüllen. Seit im 16. Jahrhundert spanische Eroberer den Kakao nach Europa brachten, war dieser zunächst ein Luxusprodukt, das sich nur Adlige leisten konnten. So war es die nächsten zwei Jahrhunderte. Nach und nach wurde entdeckt, wie man aus den bitteren Kakaobohnen durch Zugabe weiterer Stoffe leckere, süße Schokolade machen kann. Doch bis ins 19. Jahrhundert hinein war Schokolade für den „Normalbürger“ nur in der Apotheke erhältlich als teures „Kräftigungsmittel“ und Aphrodisiakum. Erst als man feststellte, wie Kakao gepresst und zu Pulver verarbeitet werden kann, begann allmählich ihre Massenproduktion.

So umgibt die braunen Tafeln heute noch ein Hauch Luxus. Den man sich aber gern gönnt. Umso mehr, wenn er aus fairem Handel kommt, wie es bei den Marken im Weltladen der Fall ist. „Schokolade gehört zu den beliebtesten Produkten, die es bei uns zu kaufen gibt“, sagt Marga Jonas, die 2. Vorsitzende des „Vereins zur Förderung des Verständnisses der Einen Welt“, der das Weltlädchen in Babenhausen betreibt.

Zwischen „Espresso Karamell“ und „Chili Blanc“

Probiertage, ob für Kaffee, Tee oder eben Schokolade, haben sich in den vergangenen Jahren bewährt. „Die Kunden nutzen das Angebot gern und kaufen danach auch gezielt die Produkte, die ihnen besonders geschmeckt haben“, weiß Marga Jonas. Es gab gestern bewährte und beliebte Sorten zu probieren, wie etwa Schoko-Noir und Kaffeelikör-Kugeln oder Paranüsse in Milchschokolade, außerdem verschiedene Trinkschokoladen mit Gewürzen. Aber auch neue Sorten wie „Espresso Karamell“ und „Chili Blanc“ gab es in mundgerechten Stücken auf den Probiertellern. „Die Leute sind offen für Neues“, freut sich Marga Jonas, „auch ungewöhnliche Sorten wie Schokolade mit Kardamom oder Meersalz werden bei uns genommen.“ Diese schmecke im Übrigen auch ganz ausgezeichnet. Man müsse sich nur loslösen von bekannten Denkmustern. „Noch vor einigen Jahren kannte man Schokolade mit Chili kaum, und heute gehört sie zu den beliebtesten“, so die Dame vom Weltlädchen.

Ihr großer Favorit ist die Schokolade des Österreichers Josef Zotter, der „für Schokolade lebt“, wie Marga Jonas sagt. Diese ist nicht maschinengefertigt, sondern wird handgeschöpft und in mehreren Lagen und Füllungen in Schablonen gepresst. Höchstens ein halbes Jahr ist sie haltbar – und im Sommer ist gar für einige Monate Verkaufsstopp. „Die Schokolade ist zu hitzeempfindlich. Aber dafür schmeckt sie so zart wie eine Praline!“, schwärmt die Schokoliebhaberin.

„Nie eine ganze Tafel auf einmal“

Jeden Tag gönne sie sich die süße Verführung und halte sich dabei an ein Credo: „Schokolade immer mit größtem Genuss essen – aber nie eine ganze Tafel auf einmal!“ Man müsse immer wissen, wo die Grenzen sind, dann sei Schokolade jeden Tag erlaubt, findet die schlanke Frau: „Ich breche mir zum Beispiel gern einen Streifen zu meinem Espresso ab und genieße ihn ganz bewusst.“ Außerdem hätten die Schokoladen aus dem Weltladen noch einen Vorteil gegenüber anderen, so Marga Jonas: „Gesüßt sind sie mit Rohrohrzucker, der ist gesünder. Und der Kakaoanteil ist bei unseren Schokoladen meist höher, dann ist sowieso weniger Zucker drin.“ Der Rohrohrzucker sorge außerdem für den besonders zarten Schmelz. „Damit muss die Schokomasse viel länger conchiert, also gerührt werden“, weiß sie.

Der Kakao für die Weltladen-Schokoladen stammt hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, teils aus Afrika. Der Anbau erfolgt unter ökologischen Gesichtspunkten und unter fairen Bedingungen für die dortigen Arbeiter. Daher hat die Schokolade einen höheren Preis als die gängigen Sorten aus dem Supermarkt. „Etwa zwei Euro kostet bei uns eine Tafel“, informiert Marga Jonas. „Das ist ein normaler Preis für gute Schokolade, und nicht teurer als Schweizer Schokolade. Manche Produkte, wie Vanilleschoten oder Cashewnüsse, sind bei uns sogar billiger.“ Mit der Voreingenommenheit, dass der Weltladen zu teuer sei, habe sie immer noch zu kämpfen, „obwohl wir seit 18 Jahre in Babenhausen sind.“

Vor allem sei es Stammkundschaft, die im Weltladen einkaufe. „Laufkundschaft fehlt uns leider ein bisschen, obwohl es an unserem neuen Standort etwas besser geworden ist“, sagt die engagierte Weltladen-Verkäuferin. Vielleicht haben sie mit dem gestrigen Schoko-Probiertag die Herzen von einigen Babenhäuser Naschkatzen dazugewonnen ...

Quelle: op-online.de

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