Im „zauberhaften Babenhausen“

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Durch die Zusammenlegung nebeneinander liegender Geschäfte kann mehr Verkaufsfläche gewonnen werden - somit wird das Areal interessant für größere Anbieter.

Babenhausen ‐ Ein großer Kaffeeröster mit Aktionsware, ein Hexenhaus mit Souvenirshop, Tische und Stühle auf dem Marktplatz und an den Einfahrten zur Kernstadt grüßen zwei Meter große Rösser aus Metall die Besucher der Pferdestadt Babenhausen. Von Stefan Scharkopf

Geht es nach den Vorstellungen der Studenten der „Geoinformation und Kommunaltechnik“ der FH Frankfurt könnten diese Überlegungen Realität werden. Zumindest Teile davon. Am Montag stellten die künftigen „Generalisten fürs technische Rathaus“, wie die Professorin für Landmanagement, Dr. Martina Klärle, ihre Mitarbeiter bezeichnete, ihre Projekte vor - keine Entwurfsplanung von Architekten, aber Nutzungskonzepte - allerdings ohne die Berücksichtigung von Kosten. Der kleine Saal der Stadthalle war sehr gut besucht, ein Teil der Besucher waren Stadtverordnete.

„Innen- vor Außenentwicklung“ war das Leitmotiv, Belebung der Innenstadt geht vor Besiedelung der Peripherie. Ziele: attraktive Nutzungskonzepte für Gebäude in der Fahrstraße, Verbesserung des Innenstadtlebens und Schaffung eines Anziehungspunkts.

Hohe Quote an Leerstand

Dass dem Kern Babenhausens eine Auffrischung gut tun würde, darin sind sich wohl die meisten Bürger einig. Die Studenten hatten 138 Personen zwischen 13 und 88 Jahren zu deren Wünschen und Anregungen befragt, auch Kaufleute. Während das kulturelle Angebot, die günstige Verkehrslage und die Gastronomie als Pluspunkte gelten, ist bei den Schwächen die mangelnde Geschäftsvielfalt als größtes Manko aufgeführt. Hier wünschen sich die Passanten einen größeren Branchenmix. Mehr Geschäfte, zusätzliche öffentliche Sitzmöglichkeiten, Cafés und Restaurants, eine autofreie Fahrstraße, mehr Grünflächen stehen auf der Wunschliste der Bürger, mehr Parkmöglichkeiten bei den Gewerbetreibenden.

Analog zum Hexenturm könnte die Stadt mit Themen-Konzepten werben, etwa einem Hexenhäuschen in der Amtsgasse, so die Überlegungen der Studenten.

Dass etwas getan werden muss, liegt auf der Hand. 13 Komplettleerstände bei 135 Gebäuden in der Innenstadt, davon zum Zeitpunkt der Untersuchung acht in unmittelbarer Nähe zum Rathaus, sprechen eine deutliche Sprache. Doch wie macht man Babenhausen attraktiv für die Bürger und Stadtteilbewohner, wie hält man die Kaufkraft am Ort?
Vor dem historischen Hintergrund und dem Flair der vielen Fachwerkhäuser haben die Studenten das Motto „Zauberhaftes Babenhausen“ entwickelt, um damit entsprechendes Marketing zu betreiben. Im Zentrum steht die „Hexe“. Passend zum Hexenturm könnte es einen Hexenbrunnen auf dem Marktplatz geben, einen Souvenirladen und ein Hexenhäuschen in der Amtsgasse, das mit Spiegelzimmer, schwankenden Treppen und einem Labyrinth zum touristischen Anziehungspunkt avancieren könnte.

Neben neuen Geschäften ist an einen Treffpunkt für Jung und Alt, ein Eiscafé am Marktplatz und die Zusammenlegung von Gebäuden gedacht, um so mehr Verkaufsfläche zu bekommen. Nach Recherchen der Studenten wäre beispielsweise Tchibo bereit, einen Laden in der Bummelgasse zu eröffnen, wenn denn die Quadratmeterzahl stimmt.

Neugierig machen könnte ein aufgepeppter Veranstaltungskalender für die Altstadt, in dem Walpurgisnacht, Halloween, Musik- und Tanzveranstaltungen auf dem Markt und dem alten Feuerwehr-Gelände sowie verkaufsoffene Sonntage auftauchen.

Um aktuell zu sein, wäre es möglich, Informationen per Bluetooth-Informationssystem Bürgern und Touristen aufs Handy zu schicken, sobald sich ein Nutzer einer festinstallierten Sende-Station nähert. Inhalte: „Happy Hour“-Zeiten von Gaststätten, digitale Gutscheine von Geschäften oder Besucher-Infos.

Umdenken und Verzicht gefordert

In vier Gruppen diskutierten die Bürger die Ausarbeitung der Studenten und trugen ihre Anmerkungen wiederum im Plenum vor. Die Hexe quasi als Alleinstellungsmerkmal fanden einige als zu negativ, schließlich sei die Historie der Stadt umfassender. Schloss und Stadtmühle müssten ins Konzept eingearbeitet werden. Denkbar wären Halbtagsfahrten mit einem Hexenrundgang.

Was den Leerstand betrifft, sprach sich die zweite Gruppe für Anziehungspunkte aus, etwa durch ein Ärztehaus. Gefordert sei ein Umdenken und ein Verzicht darauf, die Grüne Wiese, etwa den politisch umstrittenen Bruchborn für Interessenten zu öffnen. Die Parkplatzsituation wird von den Bürgern als gut bewertet. Allerdings gebe es zu wenige Stellplätze für Kurzzeitparker. Die Anregungen werden die Studenten in ihren Abschlussbericht aufnehmen.

Neben all der Theorie wurde es auch konkret: Ein älterer Mann, der ein Geschäft zu vermieten hat, kam auf Bürgermeisterin Gabi Coutandin zu. Er wünscht sich, dass sein Laden wieder mit Leben erfüllt wird - auch mit weniger Miete. Da hofft die Stadt freilich auf Nachahmer.

Quelle: op-online.de

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