Zeitreise mit dem Turnverein

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In nachgeschneiderten Matrosenkleidchen, in denen die Mädchen früher geturnt haben (von links): Sabine Dirkes, Jutta Koser und Ute Teuchner.

Babenhausen ‐ Wer kennt das Problem nicht beim Betrachten alter Fotos in verstaubten Familienalben? Gar nicht einfach nach Jahrzehnten festzustellen, in welchem Jahr die Aufnahmen gemacht wurden. Von Petra Grimm

So wurde am Sonntagnachmittag fröhlich in der TVB-Halle gerätselt, wo sich über 100 zumeist ältere Vereinsmitglieder zum Nostalgietreffen bei Kaffee und Kuchen versammelt hatten.

Ein Film aus dem Jahr 1966, den Otto und Hanna Gumz zu Verfügung gestellt hatten, lief und jede Menge alte Fotos luden zu einer Zeitreise ein. Der früher bestehende Spielmannszug des Vereins marschierte auf den schwarz-weiß Aufnahmen durch die Straßen, die Festdamen beim Turnfest trugen bodenlange, weiße Kleider, Turnstunden, Aufführungen der Turner und Turnerinnen im Löwen oder dem Deutschen Hof waren zu sehen und beachtliche Festzüge. Die Gäste wurden aufgefordert, in ihren Erinnerungen zu kramen und die Bilder zu kommentieren. Viele erkannten sich lachend wieder. Zeitzeugen, die ja die meisten im Saal waren, erzählten von Jahrzehnten zurückliegenden Turnstunden.

Da war einiges anders, was auch ein kurzer Sketch von Annelie Groß und Helga Niederhofer deutlich machte. „Früher war es auch nicht so warm hier“, sagte Helga Niederhofer, die in einem alten Trainingsanzug einlief, „ein altes Ungetüm von Ofen musste befeuert werden. Warm war es eigentlich erst, wenn die Turnstunde rum war.“ Sportarten haben sich verändert und auch die eine oder andere Übung scheint verschwunden zu sein. „Wer macht denn heute zum Aufwärmen noch Kniebeugen oder Rumpfbeugen? Und wir haben früher Seilhüpfen gemacht und Ball über das Seil gespielt, heute heißt es Rope-Skipping und Volleyball“, sagte Helga Niederhofer.

Die Rope-Skipper des Vereins gaben im Verlauf des geselligen Nachmittags dann auch eine Kostprobe ihres Könnens. Die Fotos, die an die Wand projiziert wurden, reichten bis in die neuere Zeit. So beweisen die Bilder, dass der TVB auch bei der Aerobic-Welle von Anfang an dabei war. „Daraus ist unsere ganze Fitnessgymnastik entstanden“, kommentierte der Vorsitzende Bert Bernhardt, der gemeinsam mit Annelie Groß durch das Programm führte. Natürlich gab es auch einen Rückblick auf die Geschichte und die vielfältige Nutzung der alten Halle, die im Jahr 1900 eingeweiht und über die Jahre mit viel Eigenleistung der Mitglieder mehrfach renoviert und angebaut wurde. Schließlich ging es bei der nostalgischen Feier auch darum, „von der alten Halle Abschied zu nehmen. So wie heute werden wir hier nie mehr sitzen“, sagte Bernhardt.

Im April soll der umfangreiche Umbau der Turnhalle beginnen. Ein Jahr Bauzeit ist geplant. Während dieser Zeit werden die Mitglieder, die heute in 19 Abteilungen ganz unterschiedliche Sportarten ausüben, die Stadthalle als Ausweichquartier benutzen. „Wir gehen von 1,4 Millionen Gesamtkosten aus. Zuschüsse erhalten wir vom Land, dem Kreis und der Stadt. Neben unseren Eigenmitteln wird auch ein größeres Darlehen zur Finanzierung benötigt“, sagte Bernhardt, der die Mitglieder zu Spenden aufruft. Wer mindestens 50 Euro spendet, erhält als Geschenk eine Fliese. Die mit den Namen der Spender bedruckten Fliesen werden zusammengesetzt als Vereinslogo die neue Halle schmücken. Bernhardt konnte am Sonntag 18 Fliesen überreichen.

Quelle: op-online.de

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