Ziel ist die Weltmeisterschaft

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Triathletin Claudia Hille will spätestens 2015 die Titel auf der Mittel- und Langdistanz gewinnen. „Ich bin der Sucht verfallen“, sagt sie. Claudia Hille auf Hawaii: Den dortigen „Ironman“ (Langdistanz) bewältigte sie schon siebenmal. Auch ihr Mann ist passionierter Triathlet und war auf der Pazifik-Insel schon am Start.

Babenhausen - Es muss sich angefühlt haben wie für einen Windhund, der den ganzen Tag im Zwinger sitzt. 2012 hatte Claudia Hille eine Fuß-OP: „Ich bin eine reine Vorfußläuferin, habe mein Fußgewölbe über die Jahre durchgetreten. Von Jens Dörr 

Außerdem habe ich einen meiner Zehen nach rechts verschoben und bin all die Jahre über die anderen abgerollt. “ Wenn Hille von ihrer Verletzung erzählt, tut sie das, ohne das Gesicht zu verziehen – die Sache ist inzwischen abgehakt.

Für die in Babenhausen aufgewachsene Spitzentriathletin, qua Passion eigentlich immer in Bewegung, gestaltete sich die Zeit nach dem Eingriff dennoch hart: „Sechs Wochen musste ich komplett pausieren. Dann habe ich wieder angefangen, als ob ich erstmals in meinem Leben Sport mache.“ 100 Meter Gehen wechselten sich mit 100 Metern Laufen ab. Nun, im anbrechenden Jahr 2014, steht nicht ohne Grund wieder Vollgas auf dem Programm: 2015 will Hille (48), die dann in der W50 startet, Triathlon-Weltmeisterin ihrer Altersklasse werden.

Von einer „ambitionierten Freizeitathletin“ zu sprechen, wäre bei Hille, die inzwischen mit Mann und Tochter – die ihrerseits im bayrischen Triathlon-Perspektivkader ist – in Alzenau-Hörstein lebt, durchaus Understatement. Und doch irgendwie zutreffend: Hille steckt zwar viel Zeit und Kraft in ihren Sport, gibt unter anderem Vhs-Kurse im Schwimmen, hat einige Sponsoren und den Trainer-B-Schein für die Triathlon-Langdistanz. Ihr Geld verdient sie derweil als EDV-Koordinatorin einer Fluggesellschaft. „Ich weiß, was es heißt, diese Doppelbelastung zu haben.“ Sie könne es sich vorstellen, ihr Wissen eines Tages noch umfassender weiterzugeben. „Einer, der Triathlon-Profi war, weiß nicht, wie er jemanden trainieren soll, der 40 Stunden pro Woche arbeitet“, glaubt Hille.

Sie hätte womöglich auch eine Laufbahn als Fußballerin einschlagen können, kickte als Mädchen einst bei Viktoria Schaafheim. Dass ihr in der Leichtathletik, mit der sie 1989 beim TV Babenhausen begann, mehr Talent beschieden war, gibt die drahtige Frau allerdings unumwunden zu. Auf den Triathlon-Geschmack kam sie als Zuschauerin des „Moret-Triathlons“ des VfL Münster, der damals tatsächlich noch über den Dieburger Hausberg führte und bei dem auch noch in der Prinz-Heinrich-Grube an der Nebenstrecke zwischen Dieburg und Darmstadt geschwommen wurde. Die erste Wettkampfteilnahme beim zu dieser Zeit kürzeren Rodgau-Triathlon brachte Hille sofort die zweitschnellste Zeit unter allen Frauen.

Beharrlich förderte sie anschließend ihr Talent mit konsequentem Training. Bald schwamm, radelte und lief sie für den DSW Darmstadt, wechselte später zum TuS Griesheim, ehe sie bei der TSG Kleinostheim landete. Seit zwei Jahren bestreitet Hille ihre Triathlon- und Duathlon-Wettkämpfe für den SSKC Aschaffenburg und als Läuferin für den SSC Hanau-Rodenbach. „Ich bin längst der Sucht verfallen“, lächelt sie. „Man fängt an, den Erfolg zu genießen und von ihm abhängig zu werden.“

An Erfolgen herrschte in der Vergangenheit kein Mangel: Höhepunkt war der WM-Titel im Duathlon über 10, 40 und nochmals fünf Kilometer, wobei die erste und letzte Strecke laufend und die zweite auf dem Rad zurückgelegt werden. 30 Langdistanzen im Triathlon, häufig korrekt oder unkorrekt auch unter dem Markennamen „Ironman“ bezeichnet, hat sie mittlerweile bewältigt, siebenmal davon auf Hawaii. Ihre Bestzeit – außergewöhnliche 9:48 Stunden – stammen aus dem fränkischen Roth. In Frankfurt war sie bereits Altersklassen-Erste. Topplatzierungen gelangen auch auf der 70.3-Mitteldistanz, wo sie 2011 und 2012 – vor ihrer Verletzung – Europameisterin wurde. Im Duathlon sicherte sich Hille ebenfalls mehrere EM-Titel. Nun sollen die WM-Titel im Triathlon her – an Orten wie Hawaii und Las Vegas. WM-Zweite der W45 war die in Baden-Württemberg Geborene 2012 bereits.

Um etwa in Hawaii noch einmal ganz oben auf dem Treppchen zu landen, muss Claudia Hille derweil auch Dinge schlucken, die ihr weniger passen: „Ich mag es nicht so sehr, bei starkem Wind zu fahren“, gibt sie zu. Berge machten ihr hingegen wenig aus – „die fahre ich gern“. Und beim Schwimmen? „Wo, ist mir egal. Ich gehe ohne Neoprenanzug in den Pazifik oder mit in den Langener Waldsee.“ Und bei Laufveranstaltungen in der Region wird man dem Ass weiterhin ebenfalls immer mal wieder begegnen: „Da mache ich schon allein wegen der Sponsoren häufiger mit.“

Quelle: op-online.de

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