Zoten eines Geistlichen

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Clajo Herrmann schildert seinen Alterungsprozess.

Harreshausen ‐ Er kam zurück. Nicht im Talar, die Bibel in der Tasche. Clajo Herrmann steckte in Jeans und T-Shirt. Und statt Psalmen goss der Geistliche ein Füllhorn tiefsinniger und unsinniger Zoten über seinem Publikum aus. Von Ursula Friedrich

Bei den rund 350 Besuchern des Solokabaretts von und mit Clajo Hermann wurden bei seinem Besuch in der Mehrzweckhalle Harreshausens die Zwerchfelle der Gäste in Bedrängnis gebracht.

Clajo Herrmann, einst Pfarrer der Gemeinde, war als Kabarettist eine Heimsuchung der schönsten Art: Zweieinhalb Stunden Lachen bis die Tränen liefen. „Älterwerden ohne den Unmut zu verlieren - ein Mann in der zweiten Midlife-Crisis“, so die Losung des humoristischen Streifzugs, der vom unfreiwilligen FKK-Bad am See Genezareth bis zum chaotischen Inhalt der Damenhandtasche seines Schatzes führte. Die „Plagen“ des modernen Zeitalters beschrieb Herrmann in Form von selbstmordgefährdeten Navigationsgeräten, anmaßenden Computern, dem nervtötenden neunjährigen Neffen („man tät ihn am liebsten patschen, den klaane Terrorist, awwer er muss einem noch de Computer erklären“) und den Tücken des Computerzeitalters an sich.

Clajo Herrmann begeisterte mit seinem vierten Soloprogramm, dass anlässlich des 225. Geburtstages der Harreshäuser Kirche als ein Höhepunkt der Jubiläumsfestlichkeiten gezeigt wurde. Der studierte Theologe hängt in diesem Jahr den Talar endgültig an den Nagel und tauscht den Auftritt beim Gottesdienst gegen die Bühnenshow.

Quelle: op-online.de

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